CD-Review: Belphegor - Pestapokalypse VI

Besetzung

Helmuth - Gesang, Gitarre
Sigurd - Gitarre
Barth - Bass
Nefastus - Schlagzeug

Tracklist

01. Belphegor – Hell’s Ambassador
02. Seyn Tod In Schwartz
03. Angel Of Retribution
04. Chants For The Devil
05. Pest Teufel Apokalypse
06. The Ancient Enemy
07. Bluhtsturm Erotika
08. Sanctus Perversum
09. Das Pesthaus/Miasma Epilog


Wenig erfreut zeigten sich viele, als diesen Herbst die Meldung, dass BELPHEGOR zu Nuclear Blast gewechselt sind, die Runde machte. Allerdings war somit auch endlich ein Label zur Veröffentlichung des lange ersehnten und immer wieder verschobenen Nachfolgers zum 2005er Meisterwerk „Goatreich – Fleshcult“ da. Wer die Messlatte für Death / Black Metal selbst so hoch gelegt hat, der hat auch einige Erwartungen zu erfüllen, jedoch bekommt man schon beim Betrachten des Covers kleinere Bedenken. Dieses ist zum ersten Mal, abgesehen vom genialen „Baby-Aufschnitt“ bei „The Last Supper“, bunt und erinnert leicht an das von „Impressions In Blood“ von Vader, ist an sich stimmig, jedoch untypisch für BELPHEGOR.

Der Opener „Belphegor – Hell’s Ambassador“ zeigt schon recht früh, wie das gesamte Album ausgerichtet ist. Zwar knüppelt man sich zuerst in gewohnt kompromissloser Manier durch die ersten Sekunden, jedoch fällt man schon hier sehr oft in schleppende Parts wie man sie z.B. bei „Sepulture Of Hypocrisy“ hören konnte und zeigt wesentlich weniger Kraft und Energie, als der Opener des Vorgängers, „Bleeding Salvation“. Wird die Ziege also nichtmehr mit den sexuell-akustischen Genüssen der Six-String-Flagellation (Bei der Bezeichnung der Instrumente ist man gewohnt kreativ) verwöhnt, sondern nur brav gestreichelt? Mitnichten, denn auch wenn man sich nicht nur beim darauf folgenden „Seyn Tod in Schwartz“ recht eingängig zeigt, ist man immernoch brutaler und härter als 99,5% dessen, was sich sonst so als Speerspitze des europäischen Death / Black – Metals bezeichnet. Trotzdem stoßen Songs wie „Angel Of Retribution“, bei dem es einfach eine Spur zu schleppend zur Sache geht, und „Chants For The Devil 1533“, bei dem große Teile von „Festum Asinarum – Chapter II“ neu verwendet wurden, negativ auf. Zu letzterem sei jedoch gesagt, dass er abgesehen vom Lyrics-Recycling richtig Spaß macht.

Zu Mitte des Albums merkt man bereits deutlich, dass BELPHEGOR sich weiterentwickelt haben, man ist sich aber nicht wirklich sicher ob man das gut finden soll, vor allem wenn man an den Highspeedkracher „Lucifer Incestus“ von 2003 denkt. Die Songs sind durch die Bank noch eine Spur langsamer, jedoch ähnlich intensiv. Musikalisch gibt es auch wirklich nichts zu meckern. Die Gitarrenfraktion bestehend aus Sigurd und Helmuth, der nur bei „Bluhtsturm Erotika“ an Aggressivität eingebüßt hat, erfüllen ihre Aufgabe erneut mustergültig, dass man nur Staunen kann und auch Nefastus, der mittlerweile nichtmehr zu BELPHEGOR gehört, hinter der Schießbude und Barth am Bass machen ihre Sache perfekt. Dass der Sound nicht weniger perfekt ist, hätte man schon bei einen Blick ins Booklet vorhersagen können, denn hierfür war kein geringerer als Andy Classen verantwortlich.
„Bluhtsturm Erotika“ wirkt auf mich ein wenig unfreiwillig komisch. Nicht auf Grund der gewohnt nur so vor Klischees triefenden Lyrics, sondern weil Helmuth hier wie ein gewisser M. Roth von Eisregen klingt. Diesem wären zwar Zeilen wie „Der Rosenkranz der Hölle. Die offenbarte Finsternis“ ebenfalls zuzutrauen, jedoch lässt er sich nicht wirklich im Booklett als Gastsänger finden. Also schnell weiter und mit „Sanctus Perversum“ sowie „Das Pesthaus / Miasma Epilog das Album“ wird das Album gebührend abgeschlossen.

Wer Zeilen wie „No excuses to no one. We Are Belphegor. Fukk You!!!“ auf sein Albumcover drucken lässt, der sollte sich dann auch mit der allerletzten Konsequenz daran halten. Wie angesprochen bewegt man sich immernoch in der ersten Liga des Blackened Death Metals, hat jedoch im Vergleich zu den beiden Vorgängern doch minimal an Intensität eingebüßt und ist ein wenig eingängier geworden. Ich vermeide hier bewusst das Wort „massentauglich“, denn das sind BELPHEGOR auch mit „Pestapokalypse VI“ trotz der vielen schleppenden, eingängigen Parts nicht geworden und werden es wohl auch nie sein. Leider findet man auch keine echte Hymne wie „Swarm of Rats“ es auf dem Vorgänger-Album war. Eingefleischte Fans der Österreicher könnten ein wenig enttäuscht sein, Freunde von Bands wie Behemoth werden trotzdem hiermit eine wahre Freude haben, denn trotz aller Kritik ist das Album hörenswert.

Bewertung: 8 / 10

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