Interview mit Helmuth von Belphegor

Alle guten Dinge sind drei, weswegen wir die Black/ Death-Metal-Institution BELPHEGOR bereits zum dritten Mal mit unseren Fragen löcherten. Einer Vorstellung der Österreicher, welche mit „Conjuring The Dead“ ihr mittlerweile zehntes Album auf den Markt brachten, bedarf es nicht mehr, stattdessen sei kurz darauf verwiesen, dass unser Interview-Partner Helmuth nicht nur eine Vorliebe für allumfassendes Schimpfen hat, sondern auch auch für Anglizismen und „Musick“ wie „Magick“. Mehr hier:

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Hallo und danke für deine Zeit, Helmuth. Wie geht es dir heute?
Alles gut, das Album ist raus weltweit. Und ich werde die LP morgen in die Hände bekommen, ein besonderer Moment für mich.

Habt ihr viel zu tun im Festivalsommer 2014? Auf welches Festival bist du am meisten gespannt und warum?
Wir haben bereits an die zehn gespielt dieses Jahr mit den Indoor-Fests in Schweden und Norwegen. Sechs liegen jetzt im August noch vor uns. Jedes Ritual etc. ist etwas Spezielles, klar gibt es welche die herausragen oder wo man besser spielt, die Leute super abgehen und laut sind. Aber ich will hier jetzt nichts Bestimmtes nennen. Nächste Woche spielen wir vier an einem Wochenende, das wird wieder ein intensiver Trip. Starten in Rumänien, dann in die Slowakei, nach Deutschland zum Metal Frenzy & den Absch(l)uss in Frankreich am Motoculter. Magick!

Spielt ihr lieber in kleinen Clubs oder auf größeren Open-Air-Festivals?
Beides ist eine Herausforderung: Bei Festivals erreicht man Massen, in kleinen verschwitzten Clubs spürt man die Energy der Maniakks mehr, was natürlich viel brachialer ist. Unsere Musick ist definitiv für die Bühne geschaffen. Es gibt nur noch ein paar Bands, die in der Lage sind, live ein solches Gemetzel zu zelebrieren. Wir haben uns alles auf der Bühne erkämpft. Wir haben keine Konkurrenz mehr im extremen Sektor.

Belphegor2014dIm September und Oktober geht ihr zusammen mit unter anderem Rotting Christ auf Nordamerika-Tour. Wie kam es zu diesem Billing? Was erwartest du von diesen Konzerten?
Das ist unsere neunte Nordamerika-Tour, auch Svart Crown und Beheaded werden dabei sein, das ist unsere erste Headliner-Tour da drüben. „Erwarte das Unerwartete“, wie immer, du kannst da nichts planen. Es ist eine Herausforderung und ja, wir sind bereit und geladen.

Obwohl ihr schon unzählige Konzerte und Festivalauftritte absolviert habt – gibt es eine Band, mit der du bisher noch nicht die Bühne teilen konntest, das aber gerne möchtest?
Im Death/ Black-Sektor haben wir mit allen Bands, die ich verehre, bereits gespielt. Black Sabbath, Manowar oder AC/ DCD wäre interessant.

Wer war in all den Jahres des Tourens die Band, mit der du am liebsten unterwegs warst?
Da müsste ich Dutzende nennen, vom Exzess her auf alle Fälle Krisiun und Unleashed, neun Wochen durch die USA/ Kanada. Haben mit den Krisiun-Brüdern den Bus geteilt. Fukk, das war intensiv, eine Zeit, an die ich mich gerne erinnere. Wir hatten Wetten abgeschlossen, vergaben Punkte, aber lassen wir das. (lacht)

Belphegor - Conjouring The Dead„Conjuring The Dead“ wird in wenigen Tagen veröffentlicht. Wie fühlst du dich mit dem Album? Bist du zufrieden? Gibt es etwas an dem Album, was du im Nachhinein gerne geändert hättest?
Alles klingt exakt wie ich es wollte. Brutale Musick mit direkten Lyrics, keine Gimmicks und einem Cover, bei dem wir ins Detail gearbeitet haben, man sieht alles für was BELPHEGOR steht.


Empfindest du „Conjuring The Dead“ als eine Weiterentwicklung von BELPHEGORs musikalischem Konzept oder denkst du bei den Albumaufnahmen nicht in einer solchen Kategorie?

Wir experimentieren musikalisch immer, auf „Conjuring The Dead“ mehr denn je, aber ohne unsere typische Soundwall zu changen. Stiländerungen etc. wird oft gewünscht, bemängelt. Sorry, fukk you all, das wird nie passieren.
Wo BELPHEGOR draufsteht, ist BELPHEGOR drinnen. Es gibt genug moderne Bands, Mainstream-Extreme-Metal-Bands, die alle fünf Jahre ihren Sound switchen. Tausende, die dahinsiechende Bandschwemme ist nur noch ein Joke. Wir glorifizieren noch immer den brutalen Metal of Death! Einige lieben es, was mich ehrt uns stolz macht. Einige hassen es, fühlen sich angepisst oder sind einfach zu dumm um es zu verstehen, alles gut für mich. Leben und leben lassen ist meine Devise, also jedem das Seine.
Metal-Supporter sind loyal und ich hoffe, dass sich unsere Death-Soldaten ein Exemplar von „Conjuring The Dead“ zulegen. Diese Menschen ermöglichen es, dass wir weltweit einfallen und Alben releasen können. Und dafür bin ich dankbar.

belphegor-blood-magick-necromanceWo siehst du Unterschiede zum Vorgänger „Blood Magick Necromance“?
Ich vergleiche keine LPs. Auf „Conjuring The Dead“ war das Ziel eine rauere, direktere Soundwall. Mehr zurück zu unseren Wurzeln, Death fukking Metal, besessen, mit obskuren Melodien. Natürlich mit dem musikalischen Können anno 2014. Haben viel epischen Ballast abgeworfen und kürzeres brachiales Liedgut, direkt und aggressive, mitten in die damn Fresse. Das ist uns gelungen und ich hoffe unsere Supporter sehen das genauso. Wir sind dafür in die USA gegangen, um das Album zu tracken. Das wollte ich schon immer machen, ein weiterer Traum, den ich mir erfüllen konnte. Die Soundwall sucht ihresgleichen.

Was denkst du, wie die Resonanz der Fans und Kritiker sein wird?
Kritik kümmert mich wenig, da sie oft nicht konstruktiv ist. Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eines und glaubt sie kundtun zu müssen. Ich mache das seit über 20 Jahren, wir haben das immer so gehandhabt, uns nie reinreden lassen, immer unsere Visionen, unseren Kopf durchgesetzt, auch wenn der Weg noch so schwierig war, wir sind ihn beschritten. Welche Band kann das noch behaupten, eine Handvoll im extremen Bereich. Uns niemals verkauft wie diese ganzen Marketing-Huren-Kapellen/ Overnight-Sensations. Das ist wertlos, Kompost ohne Bestand, der kommt und geht, das kannst du nebenbei beim Scheißen hören. Diese Art von Musick muss aufregen, Urinstinkte wecken, nicht beruhigen.

Heutzutage, wenn du was machst, sind von zehn Leuten ohnehin fünf dagegen: Das Ding ist, es ist easy die Kreativität, das Erschaffene von anderen schlecht zu machen, wahrscheinlich ist das Leben dieser Würmer so langweilig oder sie fühlen sich dadurch besser. Wie auch immer. Ich benutze das Wort Fan nicht, ich finde man degradiert seine Supporter dadurch. Nochmals, wer BELPHEGOR hört, kriegt was er/ sie verdient. Wer auf brachiale Death Musick steht, kein Gimmick, kein Bullshit, der wird mit „Conjuring The Dead“ aus den Vollen schöpfen. Amen.

Belphegor2014bWelches ist dein persönliches Lieblingsalbum eurer Diskographie und warum?
Zu jeder Zeit haben wir versucht das Beste rauszuholen. Daher werde ich hier auch nichts nennen, jede LP hat ihre eigene Zeit, ihren Magick. Wir haben viele gute Songs geschrieben und einigen Menschen auf dem Planeten geholfen, mit ihren Leben zurechtzukommen oder sie einfach begeistert, die es als Ventil benutzt haben, darauf bin ich stolz.

„Blood Magick Necromance“ nahmt ihr in Schweden auf, die beiden Alben zuvor in Deutschland. Für „Conjuring The Dead“ verschlug es euch nach Florida. Warum habt ihr euch für das Studio dort entschieden?
Das habe ich mir immer vorgestellt, ein BELPHEGOR-Album mit dieser organisch-direkten Soundwall. Durch meine Operation und den achtmonatigen Heilungsprozess [Anmerk. d. Red.: Während der Südamerika-Tour im Herbst 2011 infizierte sich Helmuth mit Typhus und musste sich einer Herzklappen-OP unterziehen] hat sich viel Wut und Hass aufgestaut, den habe ich in das neue Werk kanalisiert. Daher ist alles sehr eckig und kantig geworden.

Belphegor2014eWer hat das Cover entworfen und wessen Idee war das Konzept dafür?
Seth aus Griechenland habe ich wieder engagiert. Er war sofort begeistert und Feuer und Flamme für das Projekt. Ich arbeite immer eng zusammen mit den Künstlern, da ich beim komponieren bereits weiß, wo ich hinmarschieren will und Visionen habe, die ich realisiere. Es war gute Teamarbeit, ich wollte dieses Mal Tonnen an Details haben, viel Symbolik und versteckte Bilder. Apokalypse, der Untergang, Pfaffen/ Institutionen, die in ihrem eigenen Mist stampfen, wir sind dabei den Planeten zu zerstören. Die Ausbeutung ist enorm, wir graben unser eigenes Grab im Namen von Macht und Gier.

Hast du das Gefühl, mit BELPHEGOR bereits viele von den musikalischen Vorstellungen, die du hast, umgesetzt zu haben oder schweben dir in deinem Kopf noch so viele Kompositionen vor, dass das Material für die nächsten drei Alben (zumindest) theoretisch schon parat wäre?
Anfang 2015 re-releasen wir als 3-CD-Package die ersten drei BELPHEGOR-Werke von 1994 bis 2000, da die Anfrage enorm ist und es diese Alben fast nirgends mehr zu erstehen gibt für normale Preise.
Ich hoffe unsere Supporter legen sich „Conjuring The Dead“ zu, dann werden wir sicher ein weiteres Album machen können. Im Moment hat live spielen und das Liedgut on stage zu präsentieren absolute Priorität.

Was unterscheidet euch von den anderen Szenegrößen?
Beständigkeit. Wir sind noch immer live ein Erlebnis, rollen ein wie ein Panzer, konzentrieren uns auf das schnelle, intensive Liedgut, heutzutage ist eine BELPHEGOR-Konzert mehr ein Ritual als eine oft gesehene Metal-Show.

Belphegor2014cIch möchte das Interview mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden. Was fällt dir ein beim Lesen der folgenden Begriffe:
Mayhem: Genial. Respekt.
Deutschland ist WM-Sieger: Gratulation.
BELPHEGOR in zehn Jahren: Der Spirit, der Magick wird uns überleben. Es ist ein Pakt in alle Ewigkeit. Metal forever.
Russland unter Putin: Ich kümmere mich wenig um Politik. Wir haben Russland an die fünfmal getourt, das ist immer etwas Besonderes.
Schlechtestes Album 2013: Keine Ahnung. Habe lange nichts mehr Neues gehört, das mir die Kinnladen herunterklappen ließ. Ich höre wieder viel NWOBHM. Ich kann auch mit diesen ganzen melodischen Thrash-Clones, die Riffs eins zu eins stehlen, wenig anfangen. Sind wir „glücklich“, dass noch immer Bands wie Motörhead, Cannibal Corpse, Kreator, Exodus, Mayhem, Marduk, Unleashed, Deicide etc. die Flagge hieven und Metal glorifizieren.

Danke für das Interview! Wenn du noch etwas hinzufügen möchtest, sollen die letzten Worte dein sein.
Eine Ehre, dieser Horror.

Geschrieben am

2 Kommentare zu “Belphegor”

  1. Theo

    Wir glorifizieren noch immer den brutalen Metal of Death! Einige lieben es, was mich ehrt uns stolz macht. Einige hassen es, fühlen sich angepisst oder sind einfach zu dumm um es zu verstehen, alles gut für mich. Leben und leben lassen ist meine Devise, also jedem das Seine.
    Von wem stammt dieses Zitat ?

    a) George W. Bush und sein Papi
    b) Lothar Matthäus und Matthias Sammer
    c) Gaahl und Patrick Lindner

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