Interview mit Helmuth von Belphegor

Nach einer kleinen Verzögerung erhielten wir endlich unser Interview mit BELPHEGOR-Gitarrist und –Sänger Helmuth zurück, dafür umso ausführlicher und informativer beantwortet. Überzeugt euch selbst!

 

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Hallo Helmuth. Danke für die Beantwortung der Fragen. Wie geht’s?
Hey, alles bestens, danke, haben eine sehr intensive Probewoche hinter uns, und nach Label-Problemen nun endlich die Bestätigung für die Harvest Festivals im September und die Hate-Eternal-Tourdates (insgesamt 30 Shows) bekommen. Der Konzert-Auftakt ist in London am 7. September und wir freuen uns imens auf diese Reise, wir werden wieder viele alte Bekannte und neue Leute treffen. Da uns Napalm Records wieder kein Budget für den Live-Sektor zur Verfügung stellen, müssen wir erneut alles selber vorfinanzieren, aber das ist es uns wert.
Wie auch immer, jedenfalls warteten wir schon lange auf eine Möglichkeit in England zu spielen, von dort haben wir massiv Anfragen, und „Goatreich – Fleshcult“ wurde sehr gut aufgenommen, auch marschieren wir erstmals in Spanien, Dänemark, Polen, Kroatien und Schweden ein. Das wird ein Wahnsinn.

Die Veröffentlichung von „Goatreich – Fleshcult“ liegt nun schon einige Zeit zurück. Trotzdem ein paar Fragen dazu. Ihr konntet durchwegs gute bis sehr gute Kritiken einfangen, bist du selbst auch zufrieden?
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Sicher, ich bin sehr zufrieden mit „Goatreich – Fleshcult“, wir haben uns fünf, sechs Monate, bevor wir das Studio enterten, mit Metronom vorbereitet und noch nie soviele Block-Proben gespielt. Unser Ziel war es das perfekteste und intensivste BELPHEGOR-Werk bis dato einzuknüppeln und ich denke das ist uns gelungen, die Dynamik-Härte von „Goatreich – Fleshcult“ sucht seinesgleichen. Wir haben auch wieder viele Leads am Start, das steigert die Intensität/ Originalität des jeweiligen Songs, für das neue Album werden wir noch mehr Solis einsetzen.
Ein weiteres BELPHEGOR-Markenzeichen auf „Goatreich – Fleshcult“ sind die klirrend-kalten Melodien, die sich anhören als wenn dir wer Blei in den Mund gießt. Das aktuelle Werk hat massive Reviews von Magazinen und Radiostationen weltweit erhalten, gerade auch in den USA und in Kanada ist „Goatreich – Fleshcult“ abgefeiert worden und schaffte es bei einigen Magazinen auf die Titelseite, wie zum Beispiel dem bekannten AMP Mag (ex-SOD Mag). Das fetzt natürlich sehr, da eine große Menge Energie und viel Schweiß in dieses Album geflossen ist.

Wie verliefen die Aufnahmen? Gibt es da etwas Lustiges, Spannendes oder Außergewöhnliches zu erzählen?
Sehr professionell, wir waren fünf Wochen in den Mastersoundstudios in Fellbach, wir haben uns extrem gefordert und das Beste aus uns rausgeholt. Das Feeling während der Aufnahme, die Produktion und die Songs – es war infernalisch das Album aufzunehmen. Das Mastersound-Team, allen voran Alex Krull, verfügt über Know-Kow und modernes Equipment, alles Faktoren die wichtig sind, um international mithalten zu können. Wir wollen den Leuten, die ihr Vertrauen in uns setzen und sich ein BELPHEGOR-Album zulegen, ein gutes Album mit bestmöglichem, fettem Sound und guter harter Musik bieten.

Im Vergleich zum ebenfalls sehr guten „Lucifer Incestus“ setzt „Goatreich – Fleshcult“ wieder etwas mehr auf Death-Metal-Elemente. War das und diese – ich nenne es mal Eingängigkeit – beabsichtigt oder eher ein (positiver) Nebeneffekt?
Wir probieren immer einige neue Riffs, Skalen, Harmonien, Fills und Tempos aus, mit jedem neuen Album versuchen wir unseren Sound auf die nächste Stufe zu tragen und weiterzuentwickeln.
Ehrlich gesagt, ich mag es nicht unserer Musik einen Stempel oder ein Label aufzudrücken,
das überlasse ich lieber den Dämonen, die sollen entscheiden wie sie es nennen. BELPHEGOR sind sehr lange dabei und die Musik hat oberste Priorität. „Goatreich – Fleshcult“ präsentiert musikalisch genau das, wie BELPHEGOR anno 2005 klingen wollen.

Ihr scheint, trotz des kläglich gescheiterten Versuches einer nicht näher genannten Person, den Vorgänger zu indizieren, mal wieder kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sowohl das Cover als auch die Texte sind mindestens genauso geschmacklos wie auf „Lucifer Incestus“. Gab es erneut Probleme mit irgendwelchen Jugendschützern oder Moralaposteln?
Weißt du was, Moritz? Wir, die ganze Truppe, hat die leidigen Coverdiskussionen mittlerweile satt, einige Leute mögen sie, andere eben nicht, das ist immer so, man kann es nie allen Recht machen, das war auch nie unsere Intension.
Die Musik steht für sich und ist ohnehin das Einzige, was wirklich zählt und an dem BELPHEGOR gemessen werden wollen. Und nein, diesesmal hatten wir keine Probleme mit der Sitte.

Hattet ihr danach einmal mit dem Gedanken gespielt, etwas Diskretion zu wahren oder dachtet ihr „Jetzt erst recht, ihr Idioten!“?
Für uns ist das, was Ralph Manfreda für „Goatreich – Fleshcult“ erschaffen hat, dunkle, abstrakte Kunst auf höchstem Niveau.

Ist es für euch wichtig, eine solch antichristliche Botschaft immer herüberzubringen? Macht ihr die Texte aus hartnäckiger „satanischer Überzeugung“, aus Trotz oder einfach nur aus Spaß an der Freude?
BELPHEGOR waren nie eine satanische Band, wir sind Feinde des Kreuzes, die Verse sind uns wichtig und wie immer sehr direkt. Ich kann dir schon verraten, für Album Nummer sechs sind wieder einige deutsche Gedichte geplant, die haben wir auf den letzten beiden Werken unbewußt etwas vernachlässigt.
Die deutsche Sprache, geschrieen oder gegrowlt, haben wir 1994 erstmals eingebunden („Obscure & Deep“-7“ Ep), und sie ist seither fixer Bestandteil, eine Art Trademark. Es klingt eisern und hat eine eigene tote Charakteristik, genau wie Lateinisch, sprich wie geschaffen für unseren Sound. Anstatt Opferfleisch werden wir erstmals dem Dämonen BELPHEGOR einen Text darbringen.

Könntest du dich mit einer Band anfreunden, die sehr gute Musik macht, diese aber mit christlichen Texten unterlegt und die fromme Botschaft voller Überzeugung an den Hörer bringt?
Reine Zeitverschwendung für mich, ich kümmere mich schon lange nicht mehr um derartige Ideen, wer, wie, oder was für eine Botschaft transportiert oder auch nicht.

Sagt dir der Name Brian Welch etwas?
Nicht wirklich.

Er ist auch bekannt als „Head“ und stieg vor nicht allzulanger Zeit bei der Nu-Metal-Band Korn aus, da ihm diese Musik zu hart wurde. Nun widmet er sich seiner Solokarierre als christlicher Rocksänger und -gitarrist und scheint auch äußerlich in die Fußstapfen des Messias treten zu wollen. Was denkst du über solche Menschen?
Ich kenne die meisten neuen Bands und Trends im Metal-Bereich nur vom Namen her, aber schön für ihn, wenn er seinen Weg gefunden hat, jeder sollte Ziele haben.

Was hörst du denn privat (auch abseits des Metals)?
Alles von Klassik, Flamenco, Rock über Metal bis zu den extremen Sachen, hauptsache gut und eben echte Instrumente. Harte Gitarrenmusik ist eines der coolsten Sachen auf diesem Planeten!

Wie siehst du die Black-Metal-Szene und den sogenannten „Underground“ und deren Ideale heutzutage? Existiert sowas in deinen Augen überhaupt noch?
Ich höre und supporte was mir gefällt, um den Rest kümmere ich mich nicht mehr wirklich, beziehungsweise den ignoriere ich. Meine ohnehin begrenzte Freizeit versuche ich so gut wie möglich mir einzuteilen und in die Band zu kanalisieren.

BELPHEGOR gibt es mittlerweile auch schon seit mehr als einer Dekade. Wie hast du den Wandel der „Szene“ und deiner eigenen Band miterlebt?
Ganz genau, mittlerweile sind wir sowas wie erwachsen, wenn man das so nennen kann. BELPHEGOR haben viele Touren gespielt, Album-Aufnahmen hinter sich, die Welt bereist, viele interessante Eindrücke gesammelt und uns natürlich auch mit Plattenfirmen und Verträgen und Booking-Agenturen herumgeärgert, das ist die Schattenseite, aber gehört eben dazu.
Wir haben uns immer hermetisch abgeriegelt, sind immer unseren eigenen Weg gegangen, haben uns nicht stören lassen und unsere eigenen Entscheidungen getroffen und unser Ziel war es von Beginn an brachiale Soundcollagen zu kreieren. Ich denke, auch die Metal-Szene generell ist wieder am wachsen, es haben viele Leute weltweit wieder ihr Interesse an harter Musik entdeckt und das ist sehr gut so.

Zum Titelsong des letzten Albums gab es einen lustigen Videoclip zu sehen. Wird es sowas nochmal geben oder war es euch doch zu blöd? Wie verlief der Dreh überhaupt?
Der Clip zum Blast-Tornado „Lucifer Incestus“ war der Bonus für das Digi Format. Barth und Sigurd haben alles abgedreht und bei einem Bekannten geschnitten. Es war ein interessantes Experiment. Und ja, wir lassen gerade zu dem Song „Bleeding Salvation“ vom „Goatreich – Fleshcult“-Werk ein neues Video schneiden, diesmal haben wir die Aufgabe in professionelle Hände gegeben.
Ich denke, die werden da etwas Interessantes daraus machen, es wurde eine Show auf unserer „Goatreich – Fleshcult“-Tour im April mit mit Kameras mitgefilmt. Sollte also eine sehr gute Qualität und Kameraführung aufweisen, mit schnellen Schnitten, vielen Live-Passagen und einigen Booklet-Animationen. Ich bin mir sicher, dass wir den Clip vor Tourstart noch auf unsere Seite bekommen, also bei Interesse dort Ende August vorbeischauen.

So wie ich euch kenne, seid ihr immer für das ein oder andere (größere oder kleinere) Späßchen zu haben. Erzähl doch mal irgendeine lustige Geschichte aus der Bandgeschichte.
Ich könnte Bücher füllen. Gerüchte entstehen wo was passiert, klar, wir frönen dem Exzess, saufen und feiern auf Tour gerne, wer nicht? Wir sind einfach old-fashioned Metal-Fans, die Gitarren-Kunst lieben, Musik machen und diesen Sound seit Jahren huldigen.

Wo wir schonmal dabei sind: Wo bekommt man eigentlich so viele Gasmasken für das „The Last Supper / Blutsabbath“ Re-Release her?
Zum Teufel, das war Barth‘s Idee und wo die 1000 Stück herkommen, sollte hier nicht verraten werden. Es waren fast zwei Tonnen an Gewicht, die mit einem LKW von weit her transportiert wurden, und ja, es war ein Riesenaufwand. Aber die Geschichte ist eben was Spezielles und ist mittlerweile ein begehrtes Sammlerstück.

Wie schaut es denn momentan in deinem Liebes- und Sexleben aus? Hast du da irgendwelche besonderen Vorlieben, wie z.B. Dominas, SM-Zeug oder Killernietenarmbandfistfuck?
Titten, Tod und Teufel … Ja, ich habe Vorlieben, einige davon arten in fetische Neigungen aus und ich rede hier nicht nur von gewissen Körperteilen.

Was kann man in Zukunft von euch erwarten?
Ende des Jahres sollten endlich „Necrodaemon Terrorsathan“ und „Goatreich – Fleshcult“ auf LP-Format herauskommen, jeweils limitiert auf 700 Stück mit Gatefold und Heavy Vinyl via Agonia Records. Und am 1. Februar kommt die Split-Vinyl mit Abscess, deren Beitrag heißt „Poison Messiah“. Da wir alle Autopsy-Fans sind, freuen wir uns sehr auf diese Geschichte, beide Songs werden unreleased sein.

Gibt es schon eine kleine Aussicht in Richtung sechstes Album?
Wir haben bereits mit den Kompositionen für das nächste Album begonnen, die ersten Ideen stehen bereits, dieses Mal versuchen wir mit verschiedenen Gitarren-Stimmungen im Herzbereich zu arbeiten, um das Ganze noch morbider und monumentaler klingen zu lassen.
Nefastus hat bereits einige sehr geniale Fills und Breaks für die Songs angekarrt, sein faszinierender Drumstyle wird dafür sorgen, dass wir unseren Sound wieder weiterentwickeln können, speziell auch in Sachen Eigenständigkeit und Dynamik.
Für Werk Nummer sechs werden wir im Stage One-Studio in Kassel mit Andy Classen aufnehmen, von Andy erwarten wir uns eine absolute Beton-Produktion, Nefastus wird am 12. November bereits mit den Drums beginnen. Der Prozess wird sich bis Mitte Februar 2006 in vier Sessions ziehen, so kann man alles wachsen lassen und das beste Resultat rausholen, so haben wir es auch mit den letzten drei Juwelen gemacht. Mitte Februar wird alles fertig gemischt und gemastert sein, heißt Release-Date für das sechste Album wird voraussichtlich April 2006 werden.
Wir werden uns die nächsten Wochen und Monate nach einer professionellen Firma umsehen, die Interesse hat, dass neue Album zu veröffentlichen und BELPHEGOR auch im Live-Sektor unterstützt.

Und wo wird man euch dieses Jahr (speziell im Festivalsommer) noch live sehen können?
Wir spielen noch drei Festivals, in Deutschland das Up From The Ground, in Slowenien das Metal Mania und in Tschechien das Brutal Assault Festival, bei diesen drei haben wir sehr gute Spielplätze und wir werden ballern was das Zeug hält! Der zweite Teil der „Goatreich – Fleshcult“-Tour geht am 7. September los und dauert bis 9. Oktober. Darin eingeschlossen sind auch die Harvest Festivals mit folgendem Line-Up: Nile, Unleashed, Hate Eternal, Behemoth und Incantation. Ein massives Package härtester Gangart, sowas hat es schon jahrelange nicht mehr gegeben, und für BELPHEGOR ist es eine Ehre, mit diesen Bands zu spielen.

Nun noch unser obligatorisches Metal1-Wortspielchen, dann bist du auch schon entlassen. Was assoziierst du mit folgenden Begriffen?
Progressive Metal: Mit Prog-Bands hab ich nicht viel am Hut, sprich kenne ich auch zu wenig, ich mag kein Gefrickel, außer eben Leads.
Dimmu Borgir: Wohl zu oft kopiert – nie erreicht.
Pizza: Thunfisch, Spinat, die italienische Küche ist gut.
Loveparade: Viele schöne Menschen, behaftet mit einem äußerst schlechten Geschmack, was Musik betrifft.
Liebe: Neben Hass eine der stärksten Triebfedern im Menschen.
Poser: Kapitalisten, Politiker, Tierquäler, Pfaffen, alle die Metal nicht mögen oder gar als Krach bezeichnen.
Onlinemagazine: Für mich ist der Computer nur Mittel zum Zweck, sprich für die E-Mail-Korrespondenz.
Schnapsflasche: I mag Rotwein und Whiskey-Cola.
HipHop: Lebloser Konservenlärm für Massenkonsum-geschädigte McDonalds-Generationen.
Metal1.info: Bin selten im Netz, aber kommt informativ rüber.

Dann bedanke ich mich nochmal für dieses Interview und wünsche noch viel Spaß und Erfolg mit Musik und Alkohol. Falls es noch etwas gibt, was du los werden willst, dann tu das hier.
Okay Moritz, danke für das interessante Interview und Grüße an eure Leserschaft, man sieht sich on the Road!

 

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