CD-Review: Belphegor - Totenritual

Besetzung

Helmuth - Gesang, Gitarre
Serpenth - Bass
BloodHammer - Schlagzeug

Tracklist

01. Baphomet
02. The Devil's Son
03. Swinefever - Regent Of Pigs
04. Apophis - Black Dragon
05. Totenkult - Exegesis of Deterioration
06. Totenbeschwörer
07. Spell Of Reflection
08. Embracing A Star
09. Totenritual


„Wir experimentieren musikalisch immer, auf „Conjuring The Dead“ mehr denn je, aber ohne unsere typische Soundwall zu changen. Stiländerungen etc. wird oft gewünscht, bemängelt. Sorry, fukk you all, das wird nie passieren. Wo BELPHEGOR draufsteht, ist BELPHEGOR drinnen.“

So der O-Ton Helmuth Lehners, Gitarrist und Sänger der österreischen Black-Death-Metaller BELPHEGOR, wie er ihn in unserem Interview im August 2014 anlässlich der damals aktuellen Platte „Conjuring The Dead“ verlauten ließ. Gut drei Jahre später sollte der Mann Recht behalten: Mit „Totenritual“ steht BELPHEGORs elftes Langeisen in den Startlöchern und erneut bewegt sich das Dreiergespann nicht besonders weit außerhalb des eigenen, infernalischen Rahmens. Doch anhand eines sensationell-sinisteren Hassklumpens, wie „Totenritual“ es geworden ist, soll uns das nur recht sein.

Einen großen Teil seiner Sogwirkung zieht die Platte zunächst aus der allgegenwärtig grandiosen Atmosphäre. So finster und bösartig wie anno 2017 hat man BELPHEGOR, wenn überhaupt, schon lange nicht mehr gehört. Das Gesamtwerk ist somit auf seine eigene morbide Weise überaus stimmig, doch auch im Einzelnen überzeugen die Nummern voll und ganz. Das beweist schon zu Beginn der kraftvolle Stampfer „Baphomet“, der trotz des gemäßigten Tempos alle nötige Energie aufbringt, um den standfesten Hörer aus den Latschen zu hauen. Wenn schon ein Album im Mid-Tempo eröffnet wird, dann bitte so.

Dass die Österreicher nichtsdestoweniger auch Up-Tempo-Nummern können, beweist unter anderem „Swinefever – Regent Of Pigs“, das sich ohnehin rasch als frühes Highlight herausstellt: Session-Drummer BloodHammer prügelt nicht einfach auf das Schlagzeug ein, er verprügelt es mit teuflischer Besessenheit und die Saitenfraktion verarbeitet alles im Umkreis von 666 Metern zu Kleinholz. Hinzu kommt eine angenehme Dynamik durch das ständige Wechselspiel zwischen tiefen Growls und bestialischen Screams und fertig ist ein hervorragender neuer BELPHEGOR-Song, der möglicherweise gar die gelungenste Nummer der Platte darstellt.

Verstecken müssen sich die anderen jedoch nicht, der Band gelingt es, in jeden der Songs kleine Höhepunkte zu integrieren – der mächtige Choreinsatz in „Apophis – Black Dragon“ oder der wenig aufdringliche, aber dennoch packende Refrain in „The Devil’s Son“ sind da nur vereinzelte Beispiele. Ein wenig Geduld verlangen lediglich „Spell Of Reflection“ und „Embracing A Star“, die ihre Vorzüge hinsichtlich Riffing, Melodieführung und Soli nicht ganz so schnell wie die übrigen Songs preisgeben und daher zu Beginn etwas weniger mitreißen. Damit ist die Erste Hälfte des Albums gefühlt stärker, doch während andere Platten schon in den Grundzügen mit gänzlich anderen Problemen zu kämpfen haben, bleibt dies Kritik auf verdammt hohem Niveau.

BELPHEGOR stellen mit „Totenritual“ letztlich besonders zwei Dinge unter Beweis: Erstens, dass auf die Österreicher und ihren Sound einfach immer wieder Verlass ist. Zweitens, dass die Band Leuten, die auf fundamentale „Soundwall-Changes“ warten, um es im Helmuth-Jargon zu formulieren, nach wie vor nicht ans Herz gelegt werden kann. Jedes todesschwarze Herz allerdings sollte die Platte für sich gewinnen können, denn BELPHEGOR stellen hiermit weit mehr als nur eine weitere Bestandsaufnahme in die Regale ihrer finsteren Legionen.

„Totenritual“ bietet Songs, die sich im Ohr festsetzen und dennoch nicht langweilig werden und bei aller Eingängigkeit ist die Platte schwärzer als jeder Kaffee, der auf den Zusatz von Tierprodukten verzichtet. Alles in allem handelt es sich um eine der bisher stärksten Arbeiten aus dem Repertoire der Gruppe, die mühelos in einem Atemzug mit einem „Lucifer Incestus“ oder „Bondage Goat Zombie“ genannt werden kann.

Bewertung: 8.5 / 10

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