Review Black Spikes – Ydos

VOLA, SPIRITBOX, JINJER, SLEEP TOKEN – an diesen Namen kommt man im modernen Metal dieser Tage nicht mehr vorbei. Genauso wenig wie an dem Umstand, dass einige der neuen „Big Player“ jede Menge Experimentierfreude mit in den Starkstromsektor gebracht haben. Trap-Beats, Electronica (gut, das ist jetzt nicht unbedingt neu), eine ordentliche Portion Pop-Appeal und reichlich Pathos können heute als zuverlässige Indikatoren für die „nächste große Innovation“ gesehen werden.

Tja, und dann gibt es da noch BLACK SPIKES. Deren Stärke liegt in cineastischer Düsternis und einem standesgemäß brachialen Modern-Metal-Sound. Mit „Pasaka“ und „Motina“ bringt die Band um ihre charismatische Frontfrau Agni ihre großen Stärken direkt gebündelt auf den Punkt. „Pasaka“ ist ein unglaublich düsteres Intro, dessen bedrohliche Ambients in Kombination mit hallendem Klargesang fast schon prophetisch den Weg weisen, den „Ydos“ während seiner etwa 39 Minuten Spielzeit einschlägt.

„Motina“ hingegen ist ein astrein souveräner Song. Leise und melancholisch packen BLACK SPIKES sehr schnell treibendes Drumming und im wahrsten Sinne des Wortes schwere Gitarren auf den Tisch. Und nicht nur das: Die stimmigen Synthesizer- und Elektro-Einflüsse verbinden sich vollkommen ungezwungen mit schnellen Wutausbrüchen sowie den leisen und dennoch vollkommen natürlich wirkenden Momenten, die das Klangkonzept der Band definieren.

Bei aller Innovation – was darf bei einem amtlichen Modern-Metal-Release nicht fehlen? Tonnenschwere Breakdowns. „Zelvar“ nutzt eben dieses prägende Genre-Trademark als Kontrast zu leichten Trap-Einschüben und sanftem, fast kindlichem Gesang. Dass Agni amtlich keifen kann, wird bis dahin natürlich nicht unterschlagen und setzt auch in diesem Titel schöne Akzente.

Fast schon rapartig wirkt der Einstieg in das heftig groovende „Revana“, das mit den drückenden Drums von Titas und den brachialen Gitarrenarrangements von Yaga und Mazvis nicht nur den nächsten Bandscheibenvorfall provoziert, sondern auch mit einem wunderbar platzierten Ausbruch in kurzweilige Raserei punktet. Der griffige Refrain lässt an dieser Stelle kaum noch Wünsche offen.

Was man BLACK SPIKES ebenfalls anrechnen muss, ist, wie erfrischend abwechslungsreich sie an ihr Schaffen herantreten. So strotzt die Truppe auf „Aurea“ in einem Moment vor Brachialität, nur um diese Eruptionen im nächsten Augenblick durch Sanftheit und beinahe ätherisches Gefühl wieder zu erden. Der Albumausstieg „Dulkės“ zeigt sich noch einmal schwelgerisch. Die flächigen Melodien der Gitarren verschmelzen ein letztes Mal mit warmem Bass, dynamischem Drumming und emotionalen Screams. Tatsächlich fühlt sich dieses Stück wie ein kleiner Abschied an.

Dem modernen Metal fehlt es dieser Tage definitiv nicht an Nachwuchs. BLACK SPIKES reihen sich zumindest musikalisch mit ihren ebenso atmosphärischen wie druckvollen Stücken bestens in die Riege strebsamer, innovativer Bands ein, die in den letzten Jahren von sich reden gemacht haben. Ein Unterschied zwischen „Ydos“ und vielen anderen Alben ist, wie stilvoll düster und unsentimental die Band ihre Vision von harter Musik und visueller Kunst durchzieht. Dass sich die Truppe dabei zunehmend von ihrer Progressivität und dem erdigen Sound des Vorgängers „NIL“ entfernt hat, mag sicher nicht jedem gefallen. Wenn dadurch – wie hier der Fall – jedoch ein derart starkes Album entsteht, kann man der Zukunft von BLACK SPIKES nur gespannt entgegensehen.

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Wertung: 8 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

Ein Kommentar zu “Black Spikes – Ydos”

  1. Ich habe die Band als Opener vor Butcher Babies und Infected Rain am 18.04.2026 im Backstage gesehen – und war beeindruckt.
    Es ist ein Gesamtkonzept von jungen motivierten Leuten
    Man mag es – oder nicht.
    Um das herauszubekommen, muss man das aber mal live gesehen haben.
    Ich bin jetzt bis auf weiteres Fan.
    \m/

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