CD-Review: Brainstorm - Wall Of Skulls

Besetzung

Andy B. Franck - Gesang
Milan Loncaric - Gitarre
Thorsten Ihlefeld - Gitarre
Antonio Ieva - Bass
Dieter Bernert - Schlagzeug

Tracklist

01. Chamber Thirteen
02. Where Ravens Fly
03. Solitude
04. Escape The Silence
05. Turn Off The Light
06. Glory Disappears
07. My Dystopia
08. End Of My Innocence
09. Stigmatized (Shadows Fall)
10. Holding On
11. I, The Deceiver
12. Cold Embrace (Bonus Track)


Brainstorm Wall Of Skulls Coverartwork

Drei Jahre sind seit „Midnight Ghost“ nun vergangen, dem besten BRAINSTORM-Album der letzten Jahre. Vielleicht ist die Scheibe gar der qualitative Höhepunkt der inzwischen über 30-jährigen Bandgeschichte. Eine hohe Messlatte also, die sich die Schwaben selbst für ihr 13. Album „Wall Of Skulls“ auferlegt haben.

Wie schon 2018 arbeitet man als Produzent wieder mit Orden-Ogan-Sänger Seeb Levermann zusammen, der auch diesem Album wieder einen fetten Sound verpasst hat. Auch musikalisch orientiert man sich am Vorgänger und setzt weiter auf extrem hymnische Power-Metal-Songs, die vor allem im gehobenen Midtempo angesiedelt sind. Das war zwar schon immer das Rezept für erfolgreiche BRAINSTORM-Songs, spätestens seit „Midnight Ghost“ aber hat die Combo ihren Sound perfektioniert und die Güte an epischen Refrains nochmal nach oben geschraubt.

„Chamber Thirteen“ fungiert als optimales Intro und baut durch anschwellende Instrumentierung gekonnt Spannung auf, bevor es in den Opener „Where Ravens Fly“ übergeht. Der Track wurde an eröffnender Stelle genau richtig platziert und kann als Trademark-Song für BRAINSTORM bezeichnet werden: Die melodischen Riffs, die einprägsamen Hooks, das dominante Drumming, der charismatische Gesang von Andy B. Franck und schließlich der epische, sich sofort einprägende Refrain sind allesamt typische BRAINSTORM-Elemente. Den klassischen Aufbau Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Refrain wendet die süddeutsche Combo durchgehend an, das stellt aber überhaupt kein Problem und erst recht keine Kritik dar: Alle Songs sind so mitreißend, so durchdacht und schlicht so gut, dass sich „Wall Of Skulls“ zu keiner Sekunde nach Schema F anfühlt.

Dass nach dem Opener direkt ein langsamer Track folgt, ist eine diskutable Entscheidung, da die Power damit etwas zu sehr rausgenommen wird. „Solitude“ ist zudem der einzige Song, auf den man im Zweifel auch hätte verzichten können. Danach aber geht es wieder steil bergauf und zum ersten Mal in der Bandgeschichte wurden Gastsänger eingeladen: „Escape The Silence“ wird durch Rage-Frontmann Peavy Wagner veredelt und bei „Turn Off The Light“ nimmt Seeb Levermann selbst das Mikrofon für eine Strophe in die Hand. Beide Gastbeiträge werten die Lieder auf und sind klug eingesetzt, auch stimmlich passen die zwei Männer einfach optimal zu Franck und BRAINSTORM.

Dass die Combo die gefühlvollen Midtempo-Nummern draufhat, beweist sie dann mit „End Of My Innocence“ und vor allem dem großartigen, emotionalen „Glory Disappears“. So wie auch „When Ravens Fly“, „Escape The Silence“ und “Turn Off The Light” sollte die Powerballade einen festen Platz in kommenden Liveshows sicher haben. Vor allem zum Ende der Scheibe hin wird es dann abwechslungsreich: „Stigmatized (Shadows Fall)“ kontrastiert mit seinem getragenen Refrain den ansonsten schnellen Song, „Holding On“ wirkt wie eine 80s-Hard-Rock-Version eines Iced-Earth-Songs der frühen 2000er und „I, The Deceiver“ entpuppt sich als Heavy-Metal-Kracher, der ein Kind der Liebe zwischen Manowar und Judas Priest sein könnte.

Mit „Midnight Ghost“ haben BRAINSTORM ihren hymnenhaften, härteren Sound perfektioniert, mit „Wall Of Skulls“ gehen sie diesen Weg konsequent weiter und verfeinern ihr musikalisches Konstrukt. Ein durch und durch starkes, dynamisches und spannendes Power-Metal-Album. Spätestens die Livetauglichkeit der einzelnen Lieder wird zeigen, ob die Scheibe es sogar aufs Treppchen der besten BRAINSTORM-Releases schaffen kann. „Wall Of Skulls“ beweist jedenfalls wieder, dass BRAINSTORM zu den unterbewertetsten Bands der deutschen Heavy-Metal-Landschaft zählen und in der allgemeinen Wahrnehmung viel größer sein müssten.

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Bewertung: 8.5 / 10

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