Brymir Voices In The Sky Coverartwork

Review Brymir – Voices In The Sky

Finnland – das Land der tausend Seen, das Land der meisten Metalbands pro Einwohner. BRYMIR sind mit ihrem vierten Album „Voices In The Sky“ bei Napalm Records untergekommen und können mit ihrem neuen Label hoffentlich den lange überfälligen großen Sprung über die vielen kleinen Teiche ihres Heimatlandes schaffen. Mit ihrem symphonischen, cineastischen und folkig angehauchten Melodic Death Metal hat das Quintett mindestens bei kundigen Genrefans bereits einen dicken Stein im Brett.

Der Vorgänger „Wings Of Fire“ (2019) war noch sehr synthie- und keyboardlastig, nun wurde die Härteschraube merkbar angezogen. Setzen BRYMIR beim Opener „Voices In The Sky“ auf emotionale Melodien und viel ruhigen Chorgesang, drehen sie bei „Forged In War“ die Schraube so richtig an und beeindrucken mit einer schwarzmetallischen Thrash-Kante. Diese Mischung aus ruhigen, emotionalen Momenten und wilden Ausbrüchen setzt sich auf dem gesamten Album fort: Die meisten Songs bewegen sich im gehobenen Uptempo und ballern ordentlich, haben aber immer feine Leads und berührende Melodien zu bieten. Grundsätzlich bewegen sich BRYMIR trotz gestiegenem Härtegrad etwas mehr in Richtung Symphonic/Power Metal, was etwa bei „Rift Between Us“ deutlich wird – es gibt mehr „schöne“ Melodien, direkte Rhythmen und Klargesang als bisher. Ihre härteste Seite zeigen BRYMIR im starken Kontrast dazu mit dem Bonsutrack „Diabolis Interium“ – das Dark-Funeral-Cover ist nah am Original und überrascht mit seiner Brutalität.

Die finnische Herkunft merkt man BRYMIR nicht nur musikalisch überdeutlich an, ihre Heimat ist auch Thema in den Texten. „Herald Of Aegir“ etwa handelt von einem „Point of no return“, an dem es für die Natur und einige Tierarten zu spät ist. Für den naturverbundenen Sänger Viktor Gullichsen ist es ein bedeutsames Anliegen, auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen, wie er auch in unserem Interview erzählt. Auch „Borderland“ behandelt ein aktuelles weltpolitisches Thema, nämlich den Angriffskrieg auf die Ukraine. Als spannendes Element sorgt das Gedicht „My Testament“ des ukrainischen Poeten Taras Schewtschenko für eine kalte Atmosphäre in einem gefühlvollen Song. Noch einen drauf setzt als abschließendes Highlight der Achtminüter „All Is One“ mit mehreren akustischen Parts, getragenen Melodien, Spoken-Word-Passagen und Chören – eine große, packende Nummer!

BRYMIR zeigen sich auf „Voices In The Sky“ so stark wie noch nie. Der gestiegene Härtegrad und die gleichzeitige Annäherung an Power Metal sorgen für ein wahnsinnig interessantes, modernes Melodic-Death-Metal-Album, das durchgehend spannend ist. Durch die zurückgefahrenen Synthesizer ist die Scheibe auch nicht mehr so zuckrig-klebrig wie die Vorgänger. Nicht zuletzt durch das durchgehend cineastische Gefühl und die vielen emotionalen Momente ist „Voices In The Sky“ immer interessant und berührend. Ein klasse Album einer klasse Band, das BRYMIR hoffentlich zum längst verdienten Bekanntheitsgrad verhilft.

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Wertung: 8.5 / 10

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