Juli 2015

Review Crown – Natron

Schon mit ihrem Albumdebüt „Psychurgy“ konnten die damals noch als Duo agierdenden Franzosen von CROWN vollauf überzeugen. Nun, nur zwei Jahre später und durch den Schweizer Frederyk Rotter zum Trio geworden, legen CROWN nach: „Natron“ heißt das Album, welches dieser Tage über Candlelight Records erscheint.

Bereits der Opener „Serpents“ hat alles, was ein Song braucht, den man sich den ganzen Tag lang anhören könnte: fette Riffs, Melodien zum verlieben und einen Sound, der so brachial wie zugleich filigran ausfällt. Würden sich Meshuggah mit Mayhem zusammentun, um mal einen Song „in Richtung Killing Joke und Alcest“ aufzunehmen, könnte das Resultat verwegener kaum klingen. Dass CROWN bereits bei dieser ersten Nummer mit Neige von ebenjenen Alcest auch noch einen prominenten Gastmusiker aus dem Hut zaubern, ist bezeichnend: CROWN müssen sich ihrer Sache ziemlich sicher sein, dass sie gleich mit dem Opener so viel Pulver verschießen.

Mit Recht, wie sich schnell herausstellt, hat man sich erst von „Serpents“ losgerissen und dem Rest des Albums zugewendet. Mal so heavy wie Neurosis, mal so verträumt wie Seigmen, mal so düster wie Celtic Frost, so kalt wie Godflesh oder so abgeklärt wie Killing Joke, präsentiert sich auch das zweite Album der Formation als eine packende Melange verschiedenster für sich genommen schon großartiger Elemente. Zwar weist das Werk dadurch nicht mehr die extreme atmopshärische Kohärenz des Vorgängers auf, damit lässt sich bei der Vielseitigkeit der Musik jedoch gut leben.

Auch belassen es CROWN nicht bei einem Gastbeitrag: Mit dem Niederländer Michiel Eikenaar (Nihill) und nochmals Neige bei „Wings Beating Over Heaven“, sowie Khvost (ehem. Sänger von Dødheimsgard und Beastmilk) beim auch musikalisch an Beastmilk erinnernden Track „Fossils“ bekommen CROWN bei zwei weiteren Songs prominente Unterstützung. Eine feine Sache, gewiss, aber eigentlich nichteinmal notwendig – auch ohne große Namen hätten CROWN genügend musikalische Argumente, warum man sich dieses Album definitiv ins Regal stellen sollte.

„Natron“ ist vielseitig und doch in sich absolut stimmig, eingängig und schroff zu gleich, vereint die Stärken unzähliger Bands und klingt doch stets einzigartig und individuell – mehr kann man von einer einzigen Band beim besten Willen nicht erwarten. Wer auch nur eine der hier genannten Bands mag, sollte sich dieses Album auf keinen Fall entgehen lassen – und das Debüt am besten gleich noch mitbestellen.

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.