CD-Review: Danzig - Danzig Sings Elvis

Besetzung

Glenn Danzig - Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug
Tommy Victor - Gitarre

Tracklist

01. Is It So Strange
02. One Night
03. Lonely Blue Boy
04. First In Line
05. Baby Let's Play House
06. Love Me
07. Pocket Full Of Rainbows
08. Fever
09. When It Rains It Really Pours
10. Always On My Mind
11. Loving Arms
12. Like A Baby
13. Girl Of My Best Friend
14. Young And Beautiful


Im Leben passieren immer wieder Dinge, die sind derart abstrus, dass man sie einfach erlebt haben muss. Dazu gehören etwa die Zusammenarbeit von Metallica mit Lou Reed („Lulu“) oder von Megadeth-Chef Dave Mustaine mit dem San Diego Orchestra – alles völlig daneben, aber hätte man es nicht gesehen beziehungsweise gehört, man wäre mal wieder der oder die Einzige gewesen, die nicht mitreden kann. Neuester Eintrag in diese Reihe an Kuriositäten ist mit Sicherheit „Danzig Sings Elvis“. Genau: Glenn Danzig, Misfits-Urstimme, selbsternannter Arthaus-Regisseur und Mensch gewordener Netzbraten lässt es sich heuer nicht nehmen, ein Album voller Elvis-Presley-Cover zu veröffentlichen. Egal wie stark das Bullshit-Barometer hier noch ausschlagen wird, Unterhaltung ist garantiert! Der erste Kritikpunkt kommt jedoch sofort, denn statt einem derart schnöden Titel hätte die Platte ruhig „Aloha From The Crypt“ oder ähnlich heißen dürfen …

Die Rechnung, die Mr. Danzig (oder einer seiner Berater, der im Idealfall bereits fristlos seinen Arbeitsplatz räumen musste) im Vorfeld zu dieser Platte angestellt hat, muss in etwa so ausgesehen haben: DANZIG spielen ungeachtet ihres Düster-Images Rock ’n‘ Roll und ihr Frontmann ist durch seinen unverwechselbaren Knödel-Gesang bekannt geworden. Elvis Presley war der König des Rock ’n‘ Roll und hat eine unverwechselbare Stimme, die von Laien oft als knödelnd wahrgenommen wird. Ergo sollten DANZIG unbedingt Elvis Presley covern, das kann nur gut werden. Dass Glenn Danzig selbst Elvis-Fan ist, verkündete er oft genug, spielt hier allerdings absolut keine Rolle.

Deshalb macht es bei einem Album wie „Danzig Sings Elvis“ auch viel mehr Spaß, eher über die unzähligen Konnotationen einer solchen Platte als ihren eigentlichen Inhalt zu sprechen. Der Vollständigkeit halber soll das hier dennoch kurz geschehen: Über knappe 40 Minuten „interpretiert“ – soll heißen ermordet – der „Schinkengott“ stolze 14 mehr oder minder bekannte Elvis-Presley-Nummern. Dabei singt er bereits bei „Is It So Strange“ teilweise derart gnadenlos an den Tönen vorbei, dass der King of Rock ’n‘ Roll in Memphis in seinem Grab rotieren dürfte. Dazu möchte Mr. Danzig vermutlich gefühlvoll und verletzlich rüberkommen, klingt aber nur heiser und verbraucht, was ihn schon an geringsten Höhen scheitern lässt – einzig der extreme Hall auf seiner Stimme (soll nach 50er-Jahre klingen) kaschiert das beinahe zur Erträglichkeit. Dennoch ist es fraglich, warum er sich auch noch fast ausnahmslos Balladen seines Vorbilds aussuchen musste.

Wird „Danzig Sings Elvis“ irgendwann besser? Ja, nach dem 14. Song hält angenehme Stille Einzug. Spaß beiseite, aber wirklich brauchbar ist diese Platte tatsächlich nicht. DANZIG covern die Elvis-Songs drei Tonlagen tiefer, was man noch als „zeitgemäß“ durchgehen lassen könnte, allerdings ist die musikalische Untermalung zwar zweckmäßig, entbehrt jedoch jeglicher Energie. Und der Gesang will einfach nicht funktionieren: „Lonely Blue Boy“ wird ohne jegliche Überzeugung gesungen, „Fever“ lässt alle Coolness vermissen und generell liegt der Bandkopf öfter daneben, als man verschmerzen will. Man könnte hier noch mehr Songs herausgreifen, aber es hat einfach keinen Wert. Eigentlich genügt es, das wie betrunken dahingelallte „Love Me“ zu hören, denn es fasst zusammen, was alles mit diesem Album nicht stimmt. Einzig das schmissige „Baby Let’s Play House“ und „Always On My Mind“ funktionieren besser als gedacht.

Was haben „Danzig Sings Elvis“ und die in der Einleitung genannten populärkulturellen Verkehrsunfälle gemeinsam? Es sind Momente, in denen Hybris die Oberhand über Professionalität gewann. Und genau hier liegt der Hund begraben: Nur weil einer knödelt, singt er nicht wie Elvis Presley, und nur weil er schon lange im Geschäft ist, schon erst recht nicht. Mag schon sein, dass Glenn Danzig ein glühender Verehrer von Elvis Presley ist, es sei ihm unbenommen. Aber das sind auch all die unfreiwillig komischen Lokalmatadore, die auf dem Frühlingsfest in Castrop-Rauxel oder bei einer Baumarkteröffnung in Wanne-Eickel den Elvis geben. Eine Performance, wie sie DANZIG hier bieten, spielt sich normalerweise zu solcherlei Anlässen oder mit viel Wohlwollen in Filmen der Coen-Brüder am Bildrand ab, sollte aber sicher nicht als Vollpreis-CD verkauft werden.

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1 Kommentar zu “Danzig – Danzig Sings Elvis”

  1. Dennis

    Jap, absolut richtig. Ich habe tatsächlich positive Rezensionen zu diesem Scherz gesehen. Wie kann man derart auf den Ohren sitzen? Danzig ist / war ein toller Sänger, aber das hier ist eine gnadenlose Selbstdemontage und Frechheit.

    P.S. Wieso unbedingt Castrop-Rauxel? : ) Rock unterm Förderturm ist doch super, haha

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