CD-Review: Dayal Patterson - Black Metal - Evolution Of The Cult: Die Mythen, die Musik und ihre Macher

Besetzung

Dayal Patterson

Tracklist

01. Die Wurzel allen Übels
02. Venom
03. Mercyful Fate
04. Bathory
05. Hellhammer
06. Celtic Frost
07. Die erste Welle des Black-Thrash
08. Blasphemy
09. Samael
10. Rotting Christ und griechischer Black Metal
11. Tormentor
12. Master's Hammer
13. VON
14. Beherit
15. Mayhem, Teil I
16. Mayhem, Teil II
17. (Wieder-)Geburt einer Bewegung: Norwegen, Teil I
18. Ein Faustschlag ins Gesicht der Christenheit: Norwegen, Teil II
19. Tod einer Legende: Norwegen, Teil III
20. Thorns
21. Darkthrone
22. Burzum
23. Emperor
24. Gehenna
25. Gorgoroth
26. Trelldom
27. Das Opus Magnum: Mayhem, Teil III
28. Das Monster erwacht von Neuem: Mayhem, Teil IV
29. Cradle Of Filth: Black Metal begeistert die Massen, Teil I
30. Dimmu Borgir: Black Metal begeistert die Massen, Teil II
31. Underground-Ethos
32. Les Légiones Noires
33. Marduk: Schweden, Teil I
34. Dissection und Watain: Schweden, Teil II
35. Shining: Schweden, Teil III
36. Politik, Polen und der Aufstieg des NSBM
37. Graveland und Infernum: Polnischer Black Metal, Teil I
38. Behemoth: Polnischer Black Metal, Teil II
39. Enslaved: Folk und Folklore im Black Metal, Teil I
40. Moonfog und Uler: Folk und Folklore im Black Metal, Teil II
41. Die Ausbreitung von Black Folk Metal: Folk und Folklore im Black Metal, Teil III
42. Querschläger, Teil I
43. Querschläger, Teil II
44. Sigh
45. Dodheimsgard
46. Mysticum: Industrial Black Metal, Teil I
47. Aborym: Industrial Black Metal, Teil II
48. Blacklodge: Industrial Black Metal, Teil III
49. Lifelover: Post Black Metal, Teil I
50. Post Black Metal, Teil II
Nachwort
Danksagungen


Seit seinem Erscheinen im Jahr 2013 gilt „Black Metal – Evolution Of The Cult“, neben dem umstrittenen „Lords Of Chaos“ (1998), als das Buch über Black Metal. Auf über 600 Seiten trug Autor Dayal Patterson die Geschichte(n) des Genres akribisch zusammen und interviewte unzählige Bands, um die Entstehung und Entwicklung des wohl verruchtesten Metal-Genres zu dokumentieren. Nun erscheint „Black Metal – Evolution Of The Cult“ mit dem Untertitel „Die Mythen, die Musik und ihre Macher“ über den Index-Verlag erstmalig in deutscher Übersetzung.

Was sich hinter dem in der deutschen Neuauflage als edle Hardcover-Ausführung produzierten und als Bild schlichtweg als zeitlos einzustufenden Cover verbirgt, sucht als Genre-Fachbuch nach wie vor seinesgleichen: Von den frühesten Anfängen düsterer Musik und deren Vorreitern wie Black Sabbath und Judas Priest („Die Wurzel allen Übels“), über Venom, die Erfinder des Begriffs „Black Metal“ und die Bands der ersten Welle (Mercyful Fate, Bathory, Hellhammer/Celtic Frost) spannt Patterson den Bogen in angenehm zu lesenden Fließtext-Interviews zu den mit dem Black Metal verwachsenen Anfängen des Thrash (Sodom, Kreator und Slayer), ehe er zum zentralen Thema des Buches kommt: Der Entwicklung des skandinavischen Black Metals.

Natürlich gibt es heute für Genrekenner über Dead, Euronymus und Varg Vikernes wenig Neues zu berichten. Doch obwohl zugleich der abgedroschenste Teil des Buches, sind die Kapitel über Mayhem, die Kirchenbrände sowie die Entwicklung der norwegischen Szene mit Bands wie Darkthrone, Emperor und Burzum in den Jahren 1986 bis Mitte der 90er – der ohne Frage spektakulärsten Zeit in der Historie des Black Metal – zugleich die spannendsten von „Evolution Of The Cult“.

Ebenso interessant zu lesen sind die folgenden Kapitel, die neben der nicht minder bedeutenden Black-Metal-Strömung in Schweden (vertreten duch Marduk, Dissection, Watain und Shining) die Underground-Szenen verschiedener Länder, von Griechenland (Rotting Christ) über Frankreich (Les Légiones Noires) bis nach Polen, beleuchten. Hier jedoch gibt sich Patterson an unnötiger Stelle eine Blöße: Während der Abschnitt über Burzum, vor allem aber das unvermeidliche Kapitel über NSBM das Problem rechter Umtriebe in der Black-Metal-Szene noch sehr differenziert, wenn auch deskriptiv-neutral betrachtet, ist das Interview mit Rob Darken der Vorzeige-NSBM-Band Graveland schlichtweg überflüssig: Obwohl Behemoth eigentlich genug über polnischen Black Metal zu berichten gehabt hätten, bietet Patterson dem rechtsextremen Darken mit völlig unreflektiert abgedruckten Aussagen unnötigerweise eine große Plattform und verharmlost damit Person und Band.

Abgerundet wird „Evolution Of The Cult“ der Vollständigkeit halber von Kapiteln über Folk Black Metal (Enslaved, Moonfog, Ulver), Industrial Black Metal (Mystikum, Aborym, Blacklodge) und einem Ausflug in Richtung des ominösen Post Black Metal, der hier, neben der US-Szenekoryphäe Wolves In The Throne Room, interessanterweise von den schwedischen Lifelover repräsentiert wird. Im Fokus des Buches liegen diese Subgenres jedoch nicht, so dass die Abhandlungen zu diesen Themen verhältnismäßig kurz gefasst sind.

Mit „Black Metal – Evolution Of The Cult: Die Mythen, die Musik und ihre Macher“ liegt nun ein Vorzeigewerk der Szene-Literatur endlich auch in deutscher Sprache vor. Wer sich für die Entstehung und Entwicklung des Black Metal interessiert, ist mit dem Werk richtig beraten: Absolut gelungen ins Deutsche übersetzt, vermittelt das Buch in den Worten echter Szene-Koryphäen ein stimmiges Bild dieses mythenumrankten Genres, das lediglich vom unkritischen Umgang mit dem Thema NSBM und Bands wie Graveland getrübt wird. Für eingehendere Studien zu diesem Thema wäre doch eher „Unheilige Allianzen: Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus“ (Christian Dornbusch, 2007) zu empfehlen. Wer die entsprechenden Kapitel jedoch kritisch hinterfragt, bekommt mit „Black Metal – Evolution Of The Cult: Die Mythen, die Musik und ihre Macher“ so umfangreiche und aufschlussreiche Einblicke in die Welt des Black Metal.

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