Deserted Fear - Doomsday
März 2022

Review Deserted Fear – Doomsday

DESERTED FEAR werfen mit ihrem fünften Studioalbum “Doomsday” ihren Blick weiter über den bzw. ihren Tellerrand und verwischen die Grenzen zweier Metal-Subgenres. Was sich beim Vorgänger „Drowned By Humanity“ von 2019 bereits angekündigt hat, setzen die Thüringer Death-Metaller jetzt konsequent fort.

Seit ebenjener Platte halten mehr und mehr melodische Passagen Einzug. Wer hier von „Doomsday“ überrascht wird, hat vermutlich die 2021er Single „Funeral Of The Earth“ verpasst, auf deren B-Seite mit dem In-Flames-Cover „Artifacts Of The Black Rain“ eine Verbeugung vor den alten Alben der schwedischen Pioniere zu finden war. Damit man das nachholen kann, ist sowohl das Cover als auch die A-Seite der Single auf der Bonusversion von „Doomsday“ zu finden. Leider ist „Artifacts Of The Black Rain“ beim besten Willen kein Aushängeschild. Der Song ist zwar klar erkennbar, DESERTED FEAR drücken ihm ihren eigenen Stempel auf und er funktioniert in Bezug auf die Instrumente wirklich sehr gut, doch vermag die stimmliche Neuinterpretation nicht zu überzeugen.

War die Stimme der Hauptkritikpunkt des letzten Albums, ist diese Kritik hier nicht mehr angebracht. Sänger Manuel Glatter hat seinen Stil gefunden und bringt ihn konsequent ein – mehr noch: baut ihn aus. Glatter geht für seine Verhältnisse variantenreicher mit seiner Stimme um. Hier seien bspw. „Part Of The End“ oder „Voices Of Fire” erwähnt. Den einen oder anderen Hörer mag das noch immer nicht zufriedenstellen, aber das gelingt wohl schwerlich in vollem Umfang.

Auch der erwähnte Einzug von ausgedehnten und ausgereiften Melodiepassagen steht „Doomsday“ in seiner Gänze sehr gut. Gitarrist Fabian Hildebrandt bekommt viel Raum in den einzelnen Songs, um in ausgedehnten Instrumentalparts sein Können unter Beweis zu stellen. Das kongeniale „Part Of The End“ wird dadurch unglaublich aufgewertet. Nimmt man sich die Zeit und hört bewusst auf die einzelnen Spuren des Songs, erschließt sich eine Komplexität, die schlichtweg beeindruckt. Das trifft nicht nur auf diesen einen Track zu, sondern geschieht auf dem gesamten Album. Viele Songs enden auch entsprechend in ausgeklügelten, langen Outros.

Allerdings liegt hier auch die Crux von „Doomsday“: DESERTED FEAR scheinen ein Songrezept für sich gefunden zu haben – und exerzieren es konsequent durch. Ob bewusst oder unbewusst ist nahezu jeder Track auf „Doomsday“ ähnlich aufgebaut und man weiß gegen Ende des Albums, wann bombastische Bridges zu erwarten sind, ohne die Songs vorher gehört zu haben. Im schlechtesten Fall stellt sich Routine ein. Das ist schade für die letzten Stücke auf „Doomsday“, denn gerade „Voices Of Fire“ und der Titeltrack sind einzeln betrachtet echte Highlights. „Voices Of Fire“ ist durch den massiven Sound so unheimlich mitreißend, dass die Nummer bei zukünftigen Auftritte der Band keinesfalls fehlen sollte, zumal der Refrain vom Publikum gut getragen werden dürfte. Verklingt mit „Doomsday“ der letzte Ton im Fadeout, steht der Hörer etwas alleine da: Ausgerechnet der finale Song baut viel Spannung auf und endet dann unvermittelt! Besitzt man keine Edition mit Bonustracks, ist hier einfach Schluss.

DESERTED FEAR kreieren keinesfalls mehr reinen Death Metal und richten sich mit komplexen Melodieparts am Melodic Death Metal aus. Die Entwicklung ist durchaus nachvollziehbar und in der Vergangenheit der Band begründet. Die Thüringer verlieren sich dabei nicht selbst – ganz im Gegenteil: Sie schaffen das Kunststück der Weiterentwicklung und etablieren einen Sound, an dem man DESERTED FEAR sofort erkennen kann. Fans „reinen“ Death Metals könnten mit „Doomsday“ Schwierigkeiten haben. Ist man der Entwicklung der Band gegenüber aufgeschlossen, ist das neue Album eine klare Empfehlung.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von

Ein Kommentar zu “Deserted Fear – Doomsday

  1. Das nächste Album wird über den musikalischen Werdegang der Band entscheiden. Wird es wieder rabiat oder bleibt man melodisch wie hier, fast schon eine Spur zu glatt?
    Im Werdegang erinnert es mich an „Endorama“ von KREATOR, welches ich einzeln betrachtet wirklich stark finde. Die Stücke auf „Doomsday“ sind zwar sehr durchdacht, besitzen allerdings nur eine geringe Durchschlagskraft. Wer auf krachigen (Melodic) Death Metal steht, für dem dürfte „Doomsday“ zu verwässert klingen. Wer DESERTED FEAR bereits kennt, wird überrascht werden…oder das Ding in die Ecke pfeffern.
    Ich finde das Album schon cool, bräuchte jetzt aber kein „Doomsday 2.0“. Ich würde mich daher freuen wenn das nächste Album wieder krachiger wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.