CD-Review: Diabolical - The Gallery Of Bleeding Art

Besetzung

Magnus Ödling - Gesang
Sverker "Vidar" Widgren - Gesang, Gitarre
Hans Carlsson - Gitarre
Rickard Persson - Bass
Carl Stjärnlöf - Schlagzeug

Gastmusiker:
Anna Manell - Violine
Fredrik Syberg - Violine
Johan Andersson - Viola
Carl Stjärnlöv - Cello

Tracklist

01. Caedes Profana
02. The Gallery of Bleeding Art
03. Extinction
04. Pavor Nocturnus
05. Vertigo
06. The One Who Bleed
07. Religionism
08. Ashes IV


Death Metal Bands gibt’s wie Sand am Meer. Vor allem aus Schweden. Was trotzdem dieser Tage für junge, talentierte Musiker kein Grund ist, keine neue todesmetallische Kapelle an den Start zu bringen. Oder ihre Leichen aus dem Keller zu holen und mit den Krachmachern, mit denen sie schon Jahre zuvor (mehr oder minder) Erfolge feierten eine neue Scheibe einzutrümmern. So geschehen beim fröhlichen Quintett aus Sundsvall, Schweden, das sich bereits 1996 unter dem Namen Misanthropic Orchestra zusammengerottet hatte und zwei Jahre später seinen Namen zum vielsagenden DIABOLICAL änderte. Die waren zu Anfang des Jahrtausends schon recht aktiv, nahmen eine EP namens „Deserts Of Desolation“ und zwei Alben („Synergy“, 2001, und „A Thousand Deaths“, 2002) auf, schafften es aber irgendwie nie in die erste Reihe der nordischen Krachmacher. Das soll sich jetzt aber ändern, schon Ende 2008 setzten sie nämlich zum Nachschlag an und der hat es in sich…

Äußerlich zumindest. Zugegeben, vom Namen DIABOLICAL war ich jetzt nicht so beeindruckt, aber trotzdem wirkte deren dritte CD „The Gallery Of Bleeding Art“ eine morbide Anziehungskraft auf mich aus, als ich sie zum ersten Mal in Händen hielt. Das Bandlogo ist schon sehr schick designt und trotz des eher profanen Namens schaut das doch nicht stillos aus. Aber auch der Rest der Covergestaltung ist nicht zu verachten, den Titel „The Gallery Of Bleeding Art“ find ich sowieso äußerst cool und das Covermotiv, die frauenschändenden Dämonen, die über den Rahmen ihres Bildes hinaus wachsen, passen da wie die Faust auf’s Auge. So sieht eine CD aus, vor der ich vor knappen 15 Jahren auf den ersten Blick noch Schiss gehabt hätte, heute reizt sie mich irgendwie und so hatte die dritte Langrille der Schweden von Anfang an einen Stein bei mir im Brett drin.

Aber ach, leider findet sich auf der acht Track starken Scheibe nicht ganz so viel sinistrer Stil, wie ihn Cover und Titel propagieren. Nachdem das Intro „Caedes Profana“ mit den melancholischen Klängen eines Streichorchesters zwar ganz wohlklingend loslegt, aber nichts abfeiern kann, was mich irgendwie vom Stuhl hauen würde, basteln DIABOLICAL mit dem Titeltrack dann aber direkt eine sehr feine Sache zusammen. Denn obwohl die Gitarren hier wüst herum riffen und die Rhythmusfraktion gleichzeitig den nächstbesten Acker umpflügt, schaffen die Schweden es locker, ihrem Sound den eigenen, sehr individuellen Stempel aufzudrücken und das mit einer Methode, die genau so simpel wie wirkungsvoll ist: Sie haben sich für ihr neustes Album einfach mal so ein komplettes Streichquartett gekrallt (im Booklet putzigerweise „The Necro Quartet“ genannt), dazu hat Schlagzeuger Carl Stjärnlöv noch ein paar Arrangements geschrieben und die komplettieren das Soundbild von DIABOLICAL nun hier und da. Es geht nicht so weit, dass ich den Kram jetzt irgendwie „Symphonic Death Metal“ nennen würde, dazu sind die Violineneinwürfe zu sehr in den Hintergrund gemischt und auch nicht zahlreich genug, aber es wirkt.

Ihr dachtet es euch aber sicher schon bei meiner Wortwahl, WENN das Quartett daher fiedelt, dann klingt das sehr cool (im Mittelteil von „Extinction“ sorgt es mittels 50er-Jahre-Horrorfilm-Appeal auch für den einen oder anderen wohligen Schauer, der dem Hörer über den Rücken läuft, coole Atmosphäre das), aber es wird einfach zu selten von diesem Mittel Gebrauch gemacht. Wann immer DIABOLICAL ihren mächtig dreschenden Death Metal (inklusive ein paar Black Metal Anleihen) mit den Streichern verbinden, dann klingt „The Gallery Of Bleeding Art“ frisch und unverbraucht und genau so stilvoll, wie man sich das bei dem Titel und dem Cover gedacht hätte, ansonsten machen die Schweden halt nur wieder denselben ollen Death Metal. Der hat zwar auch ein paar Höhepunkte zu bieten (den sehr lässigen Refrain von „The One Who Bleeds“ zum Beispiel, die etwas melodischeren Solo-Einlagen bei „Extinction“ oder den Teilweise an Marduk oder Devian erinnernden Rausschmeißer „Ashes IV“), hört sich aber alles in allem doch recht unimpressiv.

Kurzum: DIABOLICAL haben mit „The Gallery Of Bleeding Art“ ein ganz gutes Death Metal Album aufgenommen, das hin und wieder so unglaublich cool klingt, dass die eher klassischen Passagen geradezu enttäuschend genannt werden müssen. Trotzdem im Großen und Ganzen eine sehr schnieke Angelegenheit und wenn die Schweden für ihr nächstes Album ihre Ideen weiter fortführen, dann prophezeihe ich ihnen damit großes.

Bewertung: 7 / 10

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