Konzertbericht: Samael w/ Diabolical

27.09.2022 München, Backstage (Halle)

Es normalisiert sich nicht, sondern es wird normal. Was das bedeutet? Die Ticketverkäufe bleiben weit hinter früher „normalen“ Zahlen zurück – aber man hört auf, sich darüber zu wundern. So auch an diesem Dienstag: SAMAEL laden an diesem Nachholtermin endlich zur Jubiläumsfeier für ihr Durchbruchsalbum „Passage“, als Support sind DIABOLICAL dabei. Ein attraktives Package, trotzdem erscheinen nur gut 100 Fans.

Was in der Halle an Raum leer bleibt, füllen DIABOLICAL kurzerhand mit Nebel. Bei spärlicher Ausleuchtung vergisst man zum Glück schnell, dass die Halle gut das Fünffache fassen könnte – und zu anderen Zeiten wohl auch so viele gekommen wären. Auch musikalisch liefern die Schweden eine Show, die mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte – immerhin feiern DIABOLICAL auf dieser Tour selbst ihr 25-jähriges Bestehen. Eine Jubiläums-Setlist haben DIABOLICAL allerdings nicht zusammengestellt: Nach einem ausschweifenden Intro gibt das Quartett in 45 Minuten Nettospielzeit vornehmlich (7/9 Songs) Material ihres letzten Albums „Eclipse“ (2019) zum Besten – dazu gibt es mit „Reincarnation Of The Damned“ einen etwas älteren (“Neogenesis”, 2013), sowie mit „Transformation Hell“ einen brandneuen Song zu hören. Entsprechend schlüssig wirkt das Set dafür stilistisch: Die Stärken des Albums – eine Kombination aus groovingem Death Metal und melodisch-progressiven Passagen, die an eine unprätentiöse Version von Enslaved denken lassen – funktionieren live ebenso gut wie auf Platte. Mit ihrem sympathischen Auftreten runden DIABOLICAL den Gesamteindruck stimmig ab: Diese Band hätte generell definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient!

  1. Tyranni
  2. The Fire Within
  3. Transformation Hell
  4. Requiem
  5. Reincarnation Of The Damned
  6. Betrayal
  7. Black Sun
  8. Inception
  9. We Are Diabolical

Ehe SAMAEL loslegen können, steht erst einmal ein Komplettumbau an, dem natürlich auch das Schlagzeug zum Opfer fällt – traditionell vertrauen die Schweizer ja vornehmlich auf Drumcomputer in Ergänzung mit ein paar echten Becken/Trommeln. Kaum ist dieser um 21:50 Uhr abgeschlossen, ist dann aber auch Showtime. So sammelt man erste Sympathiepunkte – so manch andere Band hätte vermutlich bis zur vollen Stunde gewartet.

Los geht es direkt und ohne Umschweife mit dem angekündigten Tour-Highlight: Das zum ursprünglich geplanten Termin der Tour (2021) stolze 25 Jahre alt gewordene Album „Passage“ wird in Gänze von vorne bis hinten durchgespielt – allerdings „nur“ in seiner Elf-Song-Version (also wie original veröffentlicht), nicht in der 17-Song-Version, die ursprünglich aufgenommen, aber so erst 2007 veröffentlicht wurde. Das tut der Atmosphäre in diesem Setteil jedoch keinen Abbruch: Fronter Vorph wirkt top-motiviert, das Gleiche gilt für seinen langjährigen Kompagnon Xy an Keyboard/Percussions sowie die erst vor wenigen Jahren eingestiegenen Saiteninstrumentalisten Drop (Gitarre) und Ales (Bass). So erklingt das Album, das gleichzeitig den Übergang der Band vom Black Metal hin zum Industrial-Sound sowie den von der Underground-Band zum international beachteten Act markiert, heute in neuer, alter Stärke.

Den zweiten Teil der Show – immerhin nochmal acht Songs – nutzen SAMAEL dann für ein echtes Best-Of-Set: Eingeläutet von „Samael“ („Hegemony“, 2017) geht es bis zurück zu „Blood Ritual“ (1992) mit „… Until The Chaos“. So liegt der Fokus des Abends zwar durch die „Passage“-Inszenierung auf dem 1990er-Werk der Band – doch auch Fans der „neueren“ SAMAEL kommen heute auf ihre Kosten.

  1. Rain
  2. Shining Kingdom
  3. Angel’s Decay
  4. My Saviour
  5. Jupiterian Vibe
  6. The Ones Who Came Before
  7. Liquid Soul Dimension
  8. Moonskin
  9. Born Under Saturn
  10. Chosen Race
  11. A Man In Your Head
  12. Samael
  13. Luxferre
  14. Son Of Earth
  15. … Until The Chaos
  16. Infra Galaxia
  17. Reign Of Light
  18. Baphomet’s Throne
  19. Black Supremacy

SAMAEL und DIABOLICAL geben ein großartiges Tour-Package ab: Während die Schweden das Publikum mit groovig-melodiösem Death Metal in Stimmung bringen, bieten SAMAEL nicht nur mit der Komplett-Darbietung von „Passage“, sondern mit ihrer gesamten 80-Minuten-Show ein wahres Fest für Fans industriell geprägten Dark/Black Metals. Dass das Jubiläum von Passage wegen der pandemiebedingten Tourverschiebung eigentlich längst verstrichen ist, darf da nicht weiter stören – in Zeiten wie unseren muss man die Feste feiern, wie sie fallen – oder eben: wenn sie nachgeholt werden können. Einzig die Zahl der „Partygäste“ lässt einmal mehr zu wünschen übrig. Aber auch das ist wohl ein Zeichen unserer Zeit.

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