Review Dirkschneider – Live – Back To The Roots – Accepted!

  • Label: AFM
  • Veröffentlicht: 2017
  • Spielart: Heavy Metal

Einfach nur DIRKSCHNEIDER. Der Mann, dessen Stimme wie kaum eine zweite für den klassischen Heavy Metal steht und dessen Biographie mit eben diesem aufs Engste verwoben ist, hat sich nach eigenen Worten entschieden, ein Kapitel seines musikalischen Daseins zu schließen. Seit 2016 tourt Udo Dirkschneider unter schlichter Verwendung seines Nachnamens durch die Welt und spielt noch einmal all jene Accept-Klassiker, mit denen seine Stimme und Erscheinung wohl oder übel bis in alle Ewigkeit assoziiert werden wird. Mit der Veröffentlichung von „Live – Back To The Roots – Accepted!“ haben jene Fans, die nicht selbst zu einem der zahlreichen Konzerte gehen können, nun die Chance, via CD respektive DVD an dieser eigenwilligen Farewell-Tour teilzunehmen.

An Live-Alben mit Herrn Dirkschneider mangelt es der Welt allerdings tatsächlich nicht; egal ob mit Accept, seiner eigentlichen Stammband U.D.O. , ja selbst unter dem Label DIRKSCHNEIDER ist bereits vergangenes Jahr eine Live-CD auf den Markt gekommen. Der Spielraum für Überraschungen ist dementsprechend klein. Natürlich fährt der kleine Mann aus Wuppertal alle Klassiker-Geschütze auf, derer er habhaft werden konnte und bietet ergo eine hochwertige, aber auch erwartete Melange aus neueren und alten Accept-Songs. Der Sound des Albums ist auffallend druckvoll, die Gitarren kommen sauber und fett aus den Boxen und Sohnemann Sven Dirkschneider trommelt sich mit Verve durch die Show; überhaupt zeigt sich die Band bestens aufeinander eingespielt und zockt sich tight und punktgenau durch die Hymnen vergangener Tage.  Tja, und Dirkschneider ist Dirkschneider ist Dirkschneider …

Dass der Mann am Mikro mittlerweile 65 Jahre zählt, fällt klanglich nur äußerst selten auf, die ganz hohen Passagen werden hier und da ausgespart, aber ansonsten schreit sich Udo auf höchstem Niveau durch all jene Songs, die sein Prestige bis heute ausmachen. Unterstützt durch den bekannt massigen Background-Gesang und dem tschechischen Publikum, das der Band förmlich aus der Hand frisst, zelebriert Udo seine einzigartige Stimme und weiß auch dieses Mal zu gefallen. Persönliche Höhepunkte dieses Klassikergewaltmarsches sind das wunderschöne „Winter Dreams“ vom Kult-Album „Balls To The Walls“ und das flotte „T.V. Wars“ vom 1986er-Output „Russian Roulette“. Zudem gibt es eine leicht hektische Version des Schunkel-Songs „I’m A Rebel“, die zwar deutlich fetter als die Studio-Version daherkommt – wirklich retten kann das diese Nummer nicht. Aber Klassiker verpflichten eben auch.

Der optische Mehrwert der DVD-Version des mitgeschnittenen Konzerts ist begrenzt; die Band agiert eher statisch und berechnend (schon zu Accept-Tagen sprach man vom Männerballett) und der Bewegungsradius von Herrn Dirkschneider fällt ebenfalls eher gering aus. Klar, Licht-Show und Kameraführung sind beide ohne Fehl und Tadel. Auch dies durfte man erwarten. Was aber schon auf der CD auffällt: Die Ansagen kommen selten über „Do you want some more“ oder ein schlichtes „Oh yeah“ hinaus. Und nach dem ersten Durchhören und Durchsehen stellt sich bei mir eine gewisse Ermüdung ein. Das ist alles gut, ja, und ich kann angesichts der komplizierten Beziehung Dirkschneiders zu seinem eigenen musikalischen Erbe beziehungsweise dessen aktueller Ausprägung auch nachvollziehen, dass er einen Strich unter diese Geschichte ziehen möchte. Letztlich ist aber „Live – Back To The Roots – Accepted!“ nur ein weiteres Live-Album mit Accept-Nummern geworden, das das ohnehin schon umfangreiche Dirkschneider-Oeuvre weiter anschwellen lässt. Was DIRKSCHNEIDER mit all dem wohl sagen wollte, hat er in dem mitgelieferten Bonus-Track, einer Coverversion von Frank Sinatras „My Way“ (!), gefunden: „The end is near, and so I face the final curtain.“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von Manuel Förderer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert