CD-Review: Dissection - The Somberlain

Besetzung

Jon Nödtveidt - Gesang, Gitarre
John Zwetsloot - Gitarre
Peter Palmdahl - Bass
Ole Öhman - Schlagzeug

Tracklist

01. Black Horizons
02. The Somberlain
03. Crimson Towers
04. A Land Forlorn
05. Heaven's Damnation
06. Frozen
07. Into Infinite Obscurity
08. In The Cold Winds Of Nowhere
09. The Brief Prophecy / Shadows Over A Lost Kingdom
10. Mistress Of The Bleeding Sorrow
11. Feathers Fell


1989 wurde in Strömstad, Schweden, eine Band gegründet, die sich in den folgenden sechs Jahren und mit nur zwei Alben zu nichts weniger als einer Legende mausern sollte: DISSECTION. Mag das turbulente Leben von Bandkopf Jon Nödtweidt, bekennender MLO-Satanist, verurteilter Mörder und schlussendlich Selbstmörder, hier im Nachhinein auch gewiss Anteil an der Legendenbildung gehabt haben, basiert der Ruf der Band doch – anders als bei manch anderer skandalträchtigen Black-Metal-Band – vornehmlich auf ihrer musikalischen Leistung. Einen mehr als nur soliden Grundstein für ihre Unsterblichkeit legten DISSECTION bereits mit ihrem 1993er-Debüt „The Somberlain“.

Was sich hinter dem dunklen Bild des geheimnisvollen Kutschers verbirgt, ist nämlich auch über 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung bemerkenswert: Irgendwo zwischen Death und Black Metal zu verorten, zeigen DISSECTION bereits auf ihrem ersten Album ein außerordentliches Gespür für Melodie. Sei es in den gekonnt eingestreuten Akustik-Gitarren-Parts oder in den Riffs, die bei aller gegebenen Härte ebenfalls erstaunlich melodisch sind – DISSECTION konnten bereits mit „The Somberlain“ einen eigenen, so noch nicht dagewesenen Stil prägen.

Gewiss, oftmals klingt das Album etwas übermotiviert – etwa, wenn mal wieder ein spannendes Riff das nächste jagt, was bisweilen viel zu gehetzt und sprunghaft wirkt. Dennoch gelingen den Schweden bereits auf diesem Album Hits, die schlichtweg als zeitlos einzustufen sind und bis heute unzählige Bands prägten sollten. Das bitterböse „Frozen“ gehört hier genauso genannt wie der Titeltrack, der dank seines schmissigen Refrains nach nur wenigen Hördurchgängen auf immer in den Gehörgängen haften bleibt.

Beeindruckend ist – nicht nur für das Jahr 1993 – der Sound der Platte: In nur fünf Tagen eingespielt und von der Band selbst produziert, begeistert „The Somberlain“ mit einem organischen Sound, der sowohl die akustische Gitarre der Zwischenstücke „Crimson Towers“, „Into Infinite Obscurity“ und „Feathers Fell“, wie auch die verzerrten Gitarren in den übrigen Stücken sehr lebendig klingen lässt. Obwohl DISSECTION im Mix mit viel Hall arbeiten, bleibt das Resuktat differenziert und druckvoll – ein Kunstgriff, an dem auch heute noch viele Black-Metal-Bands scheitern.

„The Somberlain“ ist (wie auch die Zeit gezeigt hat) noch nicht das Album, das zu schreiben DISSECTION in der Lage waren – in mancherlei Hinsicht sind einige der Songs einfach noch nicht ganz rund. Dennoch ist die CD nichts weniger als ein Meilenstein der Black-Metal-Historie, der keinem Genre-Fan in der Sammlung fehlen sollte. Nicht zuletzt, weil DISSECTION bereits auf diesem frühen Werk so manches Riff abgeliefert haben, das bis heute Seinesgleichen sucht.

Bewertung: 8 / 10

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