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Review Distant – Aeons Of Oblivion

Der Downtempo-Deathcore von DISTANT ist vor allem eines: eine gewaltige Wucht, und das auf so vielen Ebenen. Denn die niederländisch-slowakische Combo führte der Szene seit ihrem Debüt „Tyrannotophia“ (2019) nicht nur fortlaufend bitterbösen, atmosphärischen Mid-Tempo-Deathcore in Form von mehreren EPs zu, sondern setzte für deren inhaltliche Ausrichtung auf das innerhalb des Genres kaum genutzte Stilmittel der fortlaufenden Erzählung – eine Kombination, die für Deathcore-Fans logischerweise nur mit dem Betätigen des Play-Buttons enden kann.

Auf ihrem neuen Album „Aeons Of Oblivion“ fassen DISTANT ihre letzten beiden EPs „Dawn Of Corruption“ (2020) und „Dusk Of Anguish“ (2021) zusammen: Alle Tracks dieser EPs, abgesehen von den instrumentalen Interludes, bilden somit die musikalische wie auch lyrische Grundlage für „Aeons Of Oblivion“. Zusätzlich wird das Album nochmal mit der gleichen Anzahl an neuen Interludes sowie dem Bonus-Track „Argent Debt“ aufgefüllt, was die stolze Tracklist mit 19 Songs relativiert. Welcher Kaufanreiz den Eigentümern der physischen Varianten von „Dawn Of Corruption“ und „Dusk Of Anguish“ somit noch bleibt, lässt sich mit einem Wort sagen: DISTANT.

Denn das sechsköpfige Schlachtschiff aus Rotterdam und Bratislava sticht trotz bekannter Lieder auch mit neuem Kanonenfutter ins offene Meer: Nicht nur, dass die Songs nun auf Albumlänge wirken können, sie werden auf „Aeons Of Oblivion“ in einer allseits spürbaren, einnehmenden und (immer wieder überraschend dichten!) Atmosphäre miteinander verwoben. Größtenteils ist das den im Schnitt eineinhalb Minuten langen Interludes zu verdanken, die zwischen Deathcore-Granaten wie „Cryogenesis“ und „The Eternal Lament“ nicht nur kurz für einen klaren Kopf sorgen, sondern auch für die stimmungsvolle Untermalung der Erzählung. DISTANT gelingt es aber gleichermaßen, auch ihren Songs dieses gewisse Extra mitzugeben – die Slow-Motion-Walze „Hellmouth“ ist ebenso einnehmend wie der gleichermaßen melodische und erdrückende Song „Dawn Of Corruption“. Beides sind eher Deathcore-untypische Tracks, die allerdings nahezu alle Trademarks von DISTANT vereinen.

Zu diesen gehören auch die maximal heruntergestimmten Gitarren von Nouri Yetgin, Vladimir Golic und Eise Smit, die mehr als nur die klassischen Deathcore-Tunes wiedergeben: Alle drei Gitarristen slammen sich nämlich nicht nur durch die typischen Breaks („Temple Of Taglaroth“) und High-Tempo-Parts („Graveborn“), sondern geben mit ihren Riffs ebenso die rote Linie eines Tracks vor („Oedipism“) oder geben ihm mit einer Solo-Einlage den letzten Schliff („Aeons Of Oblivion“). Zu dieser phänomenalen Gitarrenarbeit gesellt sich das akkurate Schlagzeugspiel von Jan Mato, der die regelmäßigen Tempowechsel facettenreich zu gestalten weiß – erfrischend zu hören, wie Deathcore ohne die üblichen Blastbeat-Salven klingen kann. Diese starke instrumentale Arbeit erhält ihr Sahnehäubchen in Form von Sänger Alan Grnja, dessen Growls, Spoken-Words-Einlagen und Pig Squeals für überdurchschnittlich Abwechslung hinter dem Mikrofon sorgen – ungeheuerlich, wie viele einzelne Talente in DISTANT vereinigt werden.

Eine beklemmende Atmosphäre, die Score-Komponisten eines Horrofilm ebenso den kalten Schweiß über den Rücken laufen lässt wie eingeschworenen Black-Metallern, überraschenderweise eingebettet in ambitionierten und nahezu makellos umgesetzten Deathcore: Was DISTANT mit ihrem neuen Album „Aeons Of Oblivion“ auf die Menschheit loslassen, ist unfassbar gut – klare Kaufempfehlung!

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Wertung: 9 / 10

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