Review Dunkelschön – Nemeton

„Nemeton“ heißt das nunmehr dritte Album der fünfköpfigen Gruppe DUNKELSCHÖN. Das Wort Nemeton bezeichnet einen Ort in der Natur, an dem die Kelten zur damaligen Zeit ihre Götter verehrten. Betrachtet man das neue Werk, könnte man allerdings auf den Gedanken kommen, dass solch ein Ort nicht immer positiv auf die Menschen wirkt.

Das „Intro“ macht als erster Song einen recht viel versprechenden Anfang. Es verbreitet durch seine schöne Melodie, die gekonnt mit einem mitreißenden Rhythmus verbunden wird, eine angenehme Atmosphäre, die jedoch umgehend mit dem zweiten Lied wieder weitgehend verschwindet. Der Text des Liedes „Bacchus“ stammt aus der Carmina Burana und behandelt das Wirken des Weines im Kopf eines Menschen. Da die melodische Gestaltung hier alles andere als einfallsreich war, bleibt auch ansonsten sehr wenig hängen und so darf das Ganze beinahe als ein überflüssiger Track bezeichnet werden. „Ros Maris“ setzt den Abwärtstrend noch weiter fort. Begonnen wird das Stück mit weiblichem Gesang, der von mir nicht nur als gewöhnungsbedürftig, sondern auch als anstrengend empfunden wird.
Kurz darauf setzt die Melodie ein, die den Hörer im ersten Moment komplett überrumpelt und, an ein wirres Durcheinander erinnert. Es folgen auch ruhigere Passagen, die das Geschehene allerdings nicht rückgängig machen können. Angemerkt werden sollte hier eventuell noch, dass der Text auf Französisch gesungen wird – mit Ausnahme des Refrains, der aus welchen Gründen auch immer in Deutsch gehalten wird.

„Cramer“, der vierte Song der Platte, versucht das Album wieder ein wenig aus dem Tief herauszuholen, in das es gesunken ist. Von der Band selbst wird es als „ein Liebeslied an die Liebe und das Leben selbst“ beschrieben. Auf einen ruhigen, besinnlichen Anfang folgt ein ruhiger und besinnlicher Mittelteil und ein ebensolches Ende. Der Gesang ist hier zwar außerordentlich passend, doch trotzdem hat das dünne Stimmchen Probleme, den Hörer vollkommen von sich zu überzeugen. Zur Abwechslung wirkt „Cramer“ beruhigend und stellt quasi eine Erholung vor dem folgenden Track dar, denn auch „Liebster“ ist von der bis dahin im Album herrschenden Hektik geprägt. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass der Refrain als einziger wirklich ins Ohr geht.

„Cradaza“ stellt das einzige Instrumentallied auf dem Silberling dar. Es handelt sich um eine zunächst durchweg angenehme Komposition, die weder die bekannte Hektik, noch den Schlafliedfaktor beinhaltet. Zerstört wird das positive Bild von galaktisch anmutenden Tönen, die schwer an einen Angriff von Aliens auf das Raumschiff Enterprise erinnern.
Etwas, das auf dem Album hervorsticht, haben sich Dunkelschön beim siebten Song einfallen lassen: Der Text von „Skaggrimitch“ basiert, mit Ausnahme des spanischen Refrains, auf einer Fantasiesprache, die an die Geschichte des letzten Einhorns angelehnt ist. Auch hier ändert sich der Gesang weder zum Positiven noch zum Negativen und auch die Melodie ist, wie schon bei einigen anderen Liedern, einfach nichtssagend.

Mit dem vorletzten Song namens „Tusselullagulla“ erreicht man den absoluten und auch dringend benötigten Höhepunkt des Albums. Hier passt beinahe alles zusammen. Das Lied zeigt sich schwungvoll und frisch, ohne hektisch zu wirken. Es weißt Züge von Popmusik auf, die hier jedoch nicht stören, sondern sich überraschend gut einfügen. Dass man den Text des schwedischen Volksliedes nicht versteht, stört kaum, denn im Booklet findet sich eine deutsche Übersetzung.„Ein letztes Mal“ nahm ich meinen Mut für das finale Stück von „Nemeton“ zusammen, welches dem Album ein gelungenes hektik-freies Ende bereitet, ohne innovativ zu sein.

Das Album macht für den Hörer, eventuell mit Ausnahmen der eingefleischten Dunkelschön-Hörer, die bereits die Vorgänger kennen, bereits nach den ersten Minuten kaum Lust auf mehr. Es ist schwer zu sagen, was der ausschlaggebende Grund dafür ist, denn an der Fähigkeit der Musiker scheitert es nicht. Allerdings handelt es sich auf keinen Fall um eine Scheibe für ruhige Momente. Dazu wirkt ist sie zu anstrengend und aufreibend. Außerdem fehlen die aufsehenerregenden Momente, denn aufgrund der einfallslosen Melodiegestaltung wirkt die ganze Platte einschläfernd und schreckt Genreneulinge dadurch ab. Ausnahmen bestätigen die Regel und demnach ergibt sich ein leicht überdurchschnittlicher Eindruck, wobei „Nemeton“ insgesamt von der gesamten Qualität her hinter seinen Vorgängern „Torenvaart“ und „Istfind“ zurück bleibt.

Wertung: 5.5 / 10

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