Review Eden weint im Grab – Na(c)htodreise

Schon in seinen Anfangstagen gab es ein Thema, das im Metal in all seinen Formen von Relevanz war: der Tod. Nicht umsonst wurde dem Ende des Lebens mit dem Death Metal sogar ein eigenes Subgenre gewidmet. Die deutschen Dark-Metaller EDEN WEINT IM GRAB, deren Bezug zur Thematik sich schon in ihrem Namen widerspiegelt, sind nun einen Schritt weitergegangen und haben mit „Na(c)htodreise“ ihr erstes Konzeptalbum kreiert, im Zuge dessen sie der allerorts gestellten Frage auf den Grund gehen, was uns nach unserer irdischen Existenz denn so erwartet. Wie man es von den Exzentrikern gewohnt ist, nehmen sie sich der Sache jedoch nicht (nur) mit klagender Tristesse, sondern mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humors an.

In 15 Tracks, die unterschiedlicher nicht sein könnten, geleiten uns EDEN WEINT IM GRAB für 70 Minuten über die verrücktesten Umwege durch das Nachleben: Wir wohnen unserer eigenen Beerdigung bei, flüchten vor allerlei unliebsamen Geschöpfen, nehmen an einer jenseitigen Orgie Teil, feiern mit den anderen Verstorbenen und staunen über das große Ganze, das sich uns danach aber immer noch nicht erschließt. So sehr sich die Stationen dieser wundersamen Reise voneinander unterscheiden, so tun es auch die Tracks bezüglicher der Stilistik.
Zu sagen, die Songs von EDEN WEINT IM GRAB würden auf modernem, kraftvollem Dark Metal beruhen, würde ihrer Kreativität, die ihnen selbst nach sechs Alben noch nicht verloren gegangen ist, nicht gerecht werden. Zwar merkt man Nummern wie dem groovenden „Der Exitus der Schlangen“ mit seinen lasziven Strophen oder dem wuchtigen, mit einem treibenden Refrain aufwartendem „Legionen Luzifers“ durchaus den musikalischen Hintergrund der Band an, doch kommen einige der Tracks auch wunderbar mit nur wenigen oder sogar gänzlich ohne fette Gitarren und Drums aus.
Bestes Beispiel dafür ist „Der Jenseitstroll“, das uns mit seinem beschwingten Liedermacherei-Charme verzaubert, während EDEN WEINT IM GRAB auf „In der Toten-Taverne“ dem Titel entsprechend mit ausgelassenen Streichern aufspielen und gänzlich ungeniert in feinster Tim-Burton-Manier ihr Ableben zelebrieren. Die Streicher nehmen auf „Na(c)htodreise“ übrigens einen tragende Position ein, vielmehr noch als die bombastischen Symphonic-Elemente. Aber auch Blakes charakteristische tiefe Cleans und seine nicht zu selten eingesetzten kratzigen Screams und mächtigen Growls verleihen der Platte in Verbindung mit den ideenreichen, bisweilen sogar recht witzigen Texten eine einmalige Theatralik, wie man sie auf keinem Album von EDEN WEINT IM GRAB missen möchte.

Obwohl eigentlich keiner der Songs überflüssig ist, da jeder von ihnen eine ganz eigene Stimmung und Emotionalität – nämlich so ziemlich alles von Heiterkeit über Trauer bis hin zu Bosheit – vermittelt, muss angemerkt werden, dass nicht alle Nummern ganz so sehr begeistern wie die erwähnten. Das ist bei so einem langen Album jedoch zu erwarten und zu verkraften, denn insgesamt handelt es sich bei „Na(c)htodreise“ um ein vielseitiges, fulminantes Erlebnis, das zum Staunen einlädt und die Gruselmusiker erneut als Meister ihres Fachs präsentiert. So macht Sterben wirklich Spaß!

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Wertung: 8 / 10

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