CD-Review: Eden weint im Grab - Tragikomödien aus dem Mordarchiv

Besetzung

Alexander Paul Blake – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard, Piano
Dr. Eckstein – Leadgitarre
Ivar Rabenfeder – Rhythmusgitarre
Luke Ace – Schlagzeug
Meyster M. Melicus – Cello
Kalila Karussell – Violine, Bratsche

Tracklist

01. Der Meysterdetektiv
02. Lazarus und die Tücken der Einsamkeit
03. Der Giftmischer (in der Kammer des Grauens)
04. Himmelsstürmer
05. Der Mörder im Mond
06. Michel mit dem Messer
07. Soundtrack für den Massenmord
08. Menschenfeuer
09. Das Phantom von Whitechapel
10. Letztes Morgenrot
11. Annabel


EDEN WEINT IM GRAB hatten schon immer einen Hang zum Morbiden. Angefangen bei ihrem noch etwas ungeschliffenen, aber charmanten Debüt „Traumtrophäen toter Trauertänzer“ bis hin zu ihrem ambitionierten, 70-minütigen Konzeptalbum „Na(c)htodreise“, in welchem die Dark-Metaller ihre Hörer auf einen abenteuerlichen Trip durch das Nachleben mitnahmen, spielten Übernatürliches und Jenseitiges in den von Bandkopf Alexander Paul Blake erdachten Texten stets eine tragende Rolle. Auf „Tragikomödien aus dem Mordarchiv“ wenden sich die Deutschen nunmehr hingegen primär dem Diesseits zu – mögen sich die Akteure der teils historisch inspirierten, teils fiktiven Kurzgeschichten, welche in den einzelnen Songs erzählt werden, auch nicht allzu lang in ebenjenem aufhalten.

Dass EDEN WEINT IM GRAB diesmal anstelle von Gespenstern und Astralreisen eher irdische Dinge wie Nekrophilie („Lazarus und die Tücken der Einsamkeit“), Jack the Ripper („Das Phantom von Whitechapel“) oder Pistolenduelle („Letztes Morgenrot“) besingen, fällt dank Blakes unverändert unterhaltsamem Galgenhumor und gelegentlich aufblitzendem Wortwitz in keiner Weise negativ auf. Demgegenüber klingt die Musik per se leider tatsächlich um einiges weniger magisch, als sie es noch auf der Vorgängerplatte tat. Die zuvor bereits dann und wann in Erscheinung getretenen Parallelen zu den gediegeneren Veröffentlichungen von Eisregen sind auf „Tragikomödien aus dem Mordarchiv“ nicht bloß aufgrund des Textkonzepts präsenter denn je, was EDEN WEINT IM GRAB leider nicht in jedem Track gut zu Gesicht steht.

So muss man die vormals durchaus nicht unwesentlichen Black-Metal-Einflüsse inzwischen mit der Lupe suchen, giftigen Schreigesang und intensives Tremolo-Picking gibt es nur noch in sparsamen Dosen – letzteres etwa in der dramatischen Klimax von „Letztes Morgenrot“. Von ein paar Ausnahmen abgesehen – beispielsweise dem gehetzten „Der Mörder im Mond“ und dem verspielt-schmissigen „Das Phantom von Whitechapel“, dessen Rhythmus an Marilyn Mansons „The Beautiful People“ denken lässt – präsentieren sich EDEN WEINT IM GRAB aus musikalischer Sicht enttäuschend zahm.

Die Melodieführung bleibt überwiegend dem ominösen Gesang vorbehalten, wohingegen die sonderbar anmutenden Keyboards, die diesmal leider viel zu unterrepräsentierten Streicher und die modern-groovenden Gitarren eher eine ergänzende Rolle spielen. Zwar beweisen die Dark-Metaller mit der abschließenden, tragischen Piano-Ballade „Annabel“, dass sie es gar nicht nötig haben, auf rohe Klanggewalt zu setzen, die übrigen Tracks erscheinen aber doch vielfach zu ereignislos, um die der Thematik der Platte entsprechende Gruselstimmung oder zumindest eine gewisse Spannung aufkommen zu lassen.

Ein bombastisches und vielseitiges Album wie „Na(c)htodreise“ in den Schatten zu stellen, ist gewiss keine leicht zu bewältigende Aufgabe. Selbst mit dieser Überlegung im Hinterkopf kann man sich jedoch kaum des Eindrucks erwehren, dass EDEN WEINT IM GRAB es sich hier etwas zu leicht gemacht haben, indem sie auf Nummer sicher gegangen sind. Trotz des unterhaltsamen Textkonzepts mangelt es einigen der Tracks wie etwa dem recht schwerfälligen „Der Giftmischer (in der Kammer des Grauens)“ an markanten Charakteristika, welche aus ihnen mehr als bloß durchschnittlichen Dark Metal herausholen hätten können. Auf einer Handvoll Songs punkten EDEN WEINT IM GRAB zwar tatsächlich mit spaßig-schaurigem Krimi-Flair, als Ganzes kommt „Tragikomödien aus dem Mordarchiv“ jedoch nicht über das Prädikat „solide“ hinaus.

Bewertung: 6 / 10

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