CD-Review: END - Splinters From An Ever-Changing Face

Juni 2020

Besetzung

Brendan Murphy - Gesang
Will Putney - Gitarre
Gregory Thomas - Gitarre
Jay Pepito - Bass
Andrew McEnany - Schlagzeug

Gastmusiker:
Pete Morcey - Gesang (Track 03)
Tanner Merritt - Gesang (Track 11)

Tracklist

01. Covet Not
02. Pariah
03. Absence
04. The Reach Of Resurrection
05. Fear For Me Now
06. Hesitation Wounds
07. Captive To My Curse
08. Evening Arms
09. An Apparition
10. Every Empty Vein
11. Sands Of Sleep


Wer im modernen Metal und Hardcore hin und wieder ein Ohr offenhält, wird mit höchster Sicherheit die Namen Will Putney und Adam Burke schon mal gehört haben. Während der erste der wohl gefragteste Produzent der Metal- und Hardcore-Szene (Body Count, Thy Art Is Murder, Terror etc.) und Gitarrist von Fit For An Autopsy ist, pinselt der zweite ein grandioses Albumcover nach dem anderen – zuletzt auch für Currents und Bury Tomorrow. Dass diese Kombination bereits ein Fest für Augen und Ohren verspricht, steht außer Frage. Nun stelle man sich aber vor, dass sie noch musikalische Unterstützung von Brendan Murphy (Counterparts), Gregory Thomas (Misery Signals, Ex-Shai Hulud), Jay Pepito (Reign Supreme, Ex-Blacklisted) und Andrew McEnany (Trade Wind, Ex-Structures) erhalten. Was wie der feuchte Traum eines Hardcore-Fans Mitte/Ende zwanzig klingt, wird bei END zur Realität. Doch hat Namedropping allein noch nie ein gutes Album ausgemacht. Viel wichtiger ist daher die Frage, ob diese zweifelsfrei talentierten Musiker auch gemeinsam harmonieren und abliefern können.

Bereits mit der 2017er-EP „From The Unforgiving Arms Of God” hinterließ die Supergroup zum ersten Mal eine Duftmarke in der Szene. Mit einer brachialen und explosiven Mischung aus Hardcore, Mathcore und Extreme Metal machte das Quintett sofort klar, dass es sich nicht zum Spaß zusammengerafft hat, sondern um eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen. Was sich vor drei Jahren angedeutet hat, setzt sich auch auf dem Debüt-Album „Splinters From An Ever-Changing Face“ fort. Bereits mit dem Opener „Covet Not“ lassen END mit ihren verstörenden, stellenweise dissonierenden Mathcore-Gitarren und Blast-Beats keinen Stein auf dem anderen. Mit hoher Geschwindigkeit mähen sie alles nieder, was man musikalisch als schön bezeichnen könnte, bevor sie mit einem abrupten Tempowechsel im letzten Viertel einen basslastigen Breakdown einleiten.

Grundsätzlich bieten END auf ihrer ersten Full-Length eine Mischung aus Hardcore-Riffs, aberwitzigen Gitarrenläufen, exzellentem Hochgeschwindigkeits-Drumming und unberechenbaren Breaks mit höchster Intensität. Dabei entdeckt man auf der einen Seite die schiere Erbarmungslosigkeit, die einem Anaal-Nathrakh-Album gleicht, auf der anderen Seite die erdrückende Atmosphäre einer The-Acacia-Strain-Platte. Das Ganze wird garniert mit einem Brendan Murphy in Bestform, der deutlich angepisster, jedoch nicht weniger emotional und verzweifelt als bei seiner Hauptband Counterparts wirkt.

Verschnaufpausen gibt es auf „Splinters From An Ever-Changing Face“ höchstens dann, wenn kurze Snippets aus Dialogen zwischen Patienten und einem Psychologen (aus dem Film „The Faces Of Depression“) eingespielt werden. Die bedrückende Stimmung, die diese Einspieler in Kombination mit Murphys selbstzerstörerischen Lyrics aufbauen, nimmt dem Hörer jedoch auch in den vermeintlich ruhigen Momenten die Luft zum Atmen.

So reichen aufgrund der hohen Intensität 33 Minuten Spielzeit völlig aus, um Fans harter Musik vollends zu begeistern. Mit gezielt eingesetzten Black-Metal-Elementen („Absence“) und zermürbenden Sludge-Passagen, wie im grandiosen „Hesitation Wounds“ und dem überraschend ruhigen Finale „Sands Of Sleep“, beweisen END zudem ein Gespür dafür, auch abseits ihrer Komfortzone punkten zu können. So bieten sie neben Downtempo-Breakdowns („Pariah“, „Captive To My Curse“) und Riffing für den Moshpit genug Abwechslung.

Letztlich ist „Splinters From An Ever-Changing Face” zwar keine Neuerfindung des Hardcores, doch stechen END mit ihrem großartigen Songwriting und den technischen Fähigkeiten der Mitglieder deutlich aus der breiten Masse hervor. Dass der moderne Hardcore äußerst lebendig ist, haben nicht zuletzt Knocked Loose oder Vein bewiesen, doch dürften END aufgrund ihrer Vielseitigkeit auch über Genregrenzen hinweg viele neue Fans für sich gewinnen. So ist das Debüt der amerikanisch-kanadischen Supergroup definitiv kein Album, das dem Hörer eine fröhliche Stimmung verleiht, doch aufgrund seiner Vielschichtigkeit, Atmosphäre und unbändiger Verzweiflung durchweg beeindruckend.

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Bewertung: 9 / 10

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