CD-Review: Enter Shikari - A Flash Flood Of Colour

Besetzung

Rou Reynolds – Gesang, Akustikgitarre, Piano, Bläser- und Streicherarrangements, Celesta, Electronics
Rory Clewlow – Gitarre, Gesang
Chris Batten – Bass, Gesang
Rob Rolfe – Schlagzeug, Percussion, Gesang

Tracklist

01. System…
02. …Meltdown
03. Sssnakepit
04. Search Party
05. Arguing With Thermometers
06. Stalemate
07. Gandhi Mate, Gandhi
08. Warm Smiles Do Not Make You Welcome Here
09. Pack Of Thieves
10. Hello Tyrannosaurus, Meet Tyrannicide
11. Constellations


(Post-Harcore/Electronic) Möglicherweise wussten es ENTER SHIKARI einfach: „And still we will be here, standing like statues“ hieß es auf dem nach der Band betitelten Song auf dem Debutalbum – ja, ENTER SHIKARI sind immer noch da, und was 2007 mit “Take To The Skies” ins Rollen gebracht wurde, kann man schlichtweg als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Die vier Engländer konnten mit dem Debut eine komplett neue Nische in der Musikszene aus dem Nichts entstehen lassen, warfen Hardcore, Trance, Metalcore und Drum n‘ Bass in einen Topf und kochten daraus das köstlichste Genremischmasch, das ich bis dato vorgesetzt bekam. Mit „A Flash Flood Of Colour“ schickt sich das dritte Album und damit der Nachfolger des 2009 erschienenen „Common Dreads“ an, den mittlerweile heftig umkämpften Genrethron erneut zu erobern – make it or break it, ENTER SHIKARI.

Wenn diese Band ein Album rausbringt, dann ist es in etwa das gleiche wie mit einer Wundertüte, man weiß einfach kein bisschen was einen erwartet und man freut sich dermaßen auf den ersten Durchlauf, dass man es kaum erwarten kann, den Silberling endlich in der Anlage rotieren lassen zu können. Eins muss ich jetzt schon vorweg nehmen: dieses Album hat mich umgehauen. Es hat mich geschüttelt, an die Wand gedrückt, durch in die Luft geworfen, auf den Boden geschmettert. „A Flash Flood Of Colour“ ist die pure Ladung Emotion, die perfekte Mischung aus den besten Trademarks der Band, die Song für Song, Durchlauf für Durchlauf auf ein ganz neues Level gehievt werden, nicht mehr zu vergleichen mit dem teils enttäuschenden „Common Dreads“.

„System…“ und „…Meltdown“ ist das für ENTER SHIKARI typische Intro-Hammersong-Konstrukt, das mit gewohnt kritischer Lyrik aufwartet und elektronische, an den momentanen Dubstep-Trend angelehnte Synthies mit Drum n‘ Bass-lastigen Beats verknüpft. Die Gitarre kracht dank der druckvollen Produktion wieder richtig und wer zu seiner Mukke eingängige Refrains braucht, der wird mit herrlichen Ohrwurmmelodien verwöhnt. „Sssnakepit“ dürfte den meisten schon bekannt sein, wurde das Video doch schon lange vor Release des Albums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – Drum n‘ Bass trifft erneut auf deftigen Post-Hardcore, mausert sich nach kurzer Zeit zum absoluten Anspieltipp und zum Partytrack der Platte. Die volle Breitseite bekommt der geneigte Hörer außerdem mit dem vielleicht härtesten Song der Platte „Arguing With Thermometers“ (klasse Titel!), dem total abgefahrenen und erst mal mehr sehr sperrigen „Gandhi Mate, Gandhi“, wie auch mit „Hello Tyrannosaurus, Meet Tyrannicide“, das auch mal mit feinstem Metalcore liebäugelt. Dubstep ist hier fast überall zu vernehmen, und das ist auch gut so, passt es doch schlichtweg perfekt zum Sound von ENTER SHIKARI.

Was mir bereits nach dem ersten Durchlauf aufgefallen ist: ENTER SHIKARI sind im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben stellenweise ruhiger geworden, ohne allerdings leise zu wirken – nein, diese Band erhebt nach wie vor kritisch die Stimme, spricht sich gegen Missstände und gegen Krieg aus. In den Vordergrund sticht hier sicher das unheimlich dichte „Stalemate“ – was für eine Melodie, was für eine Instrumentierung, was für ein Gesang, ich ziehe meinen Hut vor diesem ergreifenden Titel. „Warm Smiles Do Not Make You Welcome Here“ besticht durch einen funkigen Beat, bevor dann gegen Ende hin wieder Fahrt aufgenommen wird, während „Search Party“ recht einfach gestrickt und etwas unspektakulär wirkt und sich zum einzigen Song auf diesem Werk entwickelt, der nicht auf voller Linie überzeugen kann. Ganz besonders möchte ich noch das ultraeingängige „Pack Of Thieves“ erwähnen, das sich hörbar an den Anfangstagen der Band orientert, mit modernen elektronischen Tönen allerdings absolut auf der Höhe der Zeit läuft. „Constellations“ beendet „A Flash Flood Of Colour“ ruhig, sehr nachdenklich und letztendlich doch mit unheimlich positiven Gefühlen – „Then we could explore space, together, forever“ , spätestens wenn die letzten Töne erklungen sind, kommt man nicht umher, sich vor dem Schaffen auf „A Flash Flood Of Colour“ ehrfürchtig zu verneigen. Für so viel Emotion. Für so viel Innovation. Und letztendlich für so viel grandiose Musik.

Es ist alles gesagt, fehlen nur noch vier Worte: Kauft euch dieses Album. ENTER SHIKARI verbinden alle positiven Elemente ihrer früheren Werke zu einem Gesamtbild, das man zu jeder Sekunde würdigen möchte. Für mich steht es auf einer Stufe mit dem nahezu perfekten „Take To The Skies“ und stellt ENTER SHIKARI vor die verdammt schwere Aufgabe, das noch zu toppen. Sollten sie es doch schaffen – wovon ich ausgehe – zücke ich die Höchstpunktzahl. „A Flash Flood Of Colour“ ist über jeden Zweifel erhaben und schon heute das, was ich vom dritten Album dieser Band erwarten konnte: Ein Klassiker. Nicht mehr und nicht weniger.

Bewertung: 9.5 / 10

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