CD-Review: Enter Shikari - Common Dreads

Besetzung

Rou Reynolds – Gesang, Electronics
Rory Clewlow – Gitarre, Gesang
Chris Batten – Bass, Gesang
Rob Rolfe – Schlagzeug, Percussion, Gesang

Tracklist

01. Common Dreads
02. Solidarity
03. Step Up
04. Juggernauts
05. Wall
06. Zzzonked
07. Havoc A
08. No Sleep Tonight
09. Gap In The Fence
10. Havoc B
11. Antwerpen
12. The Jester
13. Halcyon
14. Hectic
15. Fanfare For The Conscious Man


(Hardcore / Metalcore / Electronic) Was habe ich doch „Take To The Skies“ von ENTER SHIKARI gefeiert. Unzählige Nächte in Metal- und Alternative-Clubs, in denen die Menge zum Sound von „Sorry You´re Not A Winner“ abging, ein immer wieder gern gehörter Gast in meinem Autoradio, eine frische Mischung, die einfach Spaß gemacht hat, zwischen all den seelenlosen Metalcore-Bands dieser Zeit. Wer ENTER SHIKARI nicht kennt: die Band versucht den Spagat zwischen Hardcore, Metalcore und elektronischer Musik aller Art. Beziehungsweise versuchten sie dies, denn „Common Dreads“ macht vieles anders, aber nicht unbedingt besser.

Nachdem mir das zweiminütige Intro „Common Dreads“ in den verschiedenen Sprachen dieser Welt eindrücklich versucht hat nahezubringen, dass sich die Menschen dieser Welt vereinigen müssen, wird der eigentliche Opener „Solidarity“ von der Kette gelassen. Ein klassischer ENTER SHIKARI-Song, der mit hymnischen Synthies startet und mit der charakteristischen und charismatischen Stimme von Roughton Reynolds Erinnerungen an „Take To The Skies“ wachruft. Der Einsatz des Chores am Schluss erzeugt eine ganz eigene Stimmung und rundet das Gesamtbild ab. ENTER SHIKARI sind wieder da. Hurra! Aber irgendwas ist anders, irgendwie knallt es nicht mehr so wie früher, irgendjemand an den Reglern hat den elektronischen Spielereien zu viel Macht eingeräumt. Ach quatsch, wird sich im Laufe des Albums bestimmt noch ändern. Dachte ich jedenfalls.

Während nämlich „Step Up“, mit Ausnahme des irritierenden, durch Sprechgesang glänzenden Mittelteils ganz gut zu unterhalten weiß, kippt die Stimmung spätestens bei „Juggernauts“ ganz gewaltig. Meine Befürchtungen sind doch tatsächlich wahr geworden: ENTER SHIKARI haben sich weitgehend vom Hardcore, beziehungsweise Metalcore gelöst und beunruhigen mit jeder Menge elektronischem Gedudel. Es folgt der in meinen Augen schlechteste Song bis Dato: „Wall“, der gar keinen Spirit mehr versprühen kann und lediglich belanglos vor sich hin dümpelt. Auch die folgenden Stücke können mich nur halbwegs überzeugen, so pumpt doch „Zzzonked“ ganz gut mit einem vernünftigen Beat, während „Gap In The Fence“ eine feine Ballade abgibt und „Antwerpen“ wenigstens ansatzweise mit guten Gitarren glänzen kann, ebenso macht „No Sleep Tonight“ ganz ordentlich Laune. Aber ganz ehrlich, ansonsten war’s das mit dem zweiten Album der einst so genialen ENTER SHIKARI. War etwa kein Platz mehr für derbe Brecher der Marke „Ok, Time For Plan B“? War kein zweites „Sorry, You`re Not A Winner“ mehr drin? Oder hat sich die Band einfach im Drang, zwingend innovativ zu sein, ganz und gar zwischen hektischen Synthesizern verkünstelt – man höre sich nur das unsägliche „Hectic“ an – während die E-Gitarre an die Wand gehängt wurde? Scheint so, denn ENTER SHIKARI zeigen auf dem Zweitwerk eindrucksvoll, wie man eine Erfolgsgeschichte in den Sand setzt.

Man kann es somit drehen und wenden wie man will, auch nach mehrmaligem Durchlauf will sich kein richtiger Hörgenuss einstellen. Der ein oder andere gute Track ist dabei, aber es reicht einfach um Längen nicht, betrachtet man das geniale Debut. Die massigen elektronischen Elemente, der unausgewogene Mix aus ‘nem Haufen Techno, Dubstep, Pop und einer Prise Hardcore, die witzige aber irgendwie unpassende Jazz-Einlage bei „The Jester“, das alles und noch mehr hat ENTER SHIKARI für mich zehn Stufen nach unten befördert. „Common Dreads“ ist einfach, und wer es gehört hat wird mir beipflichten: Too much! Dass die Band doch noch allerhand auf dem Kasten hat, zeigte in den letzten Monaten, um mal ein bisschen vorzugreifen, der dritte Langspieler „A Flash Flood Of Colour“, der zwar eine andere Schiene als „Take To The Skies“ fährt, aber trotzdem folgerichtig dort weitermacht, wo eben dieses Debut damals aufgehört hat – zum Glück hat die Band dann doch nochmal die Kurve bekommen. Nach „Common Dreads“ konnte ich allerdings nur wehmütig sagen: Danke für die gute Zeit mit „Take To The Skies“ und hoffentlich bis bald.

Bewertung: 5 / 10

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