CD-Review: Enter Shikari - Nothing Is True & Everything Is Possible

Besetzung

Rou – Gesang, Electronics
Chris – Gesang, Bass
Rory – Gitarre
Rob – Schlagzeug

Tracklist

01. The Great Unknown
02. Crossing The Rubicon
03. { The Dreamers Hotel }
04. Waltzing off the Face of the Earth (I. Crescendo)
05. modern living…
06. apocoholics anonymous (main theme in B minor)
07. the pressure's on
08. Reprise 3
09. T.I.N.A
10. Elegy For Extinction
11. Marionettes (I. The Discovery of Strings)
12. Marionettes (II. The Ascent)
13. satellites
14. the king
15. Waltzing off the Face of the Earth (II. Piangevole)


(Post-Hardcore / Electronic / Pop) Es gibt wohl kaum eine Band, bei der sich Kreativität und Furchtlosigkeit so vereinen wie bei ENTER SHIKARI. Die Briten rund um ihren charismatischen Frontmann Rou Reynolds haben sich noch nie gescheut, wild Stile und Stilelemente miteinander zu kombinieren und dabei Genregrenzen mit so viel Ignoranz zu bedenken, wie man sie sonst nur bei Politikern mit Blick auf ihren Wählerauftrag findet. Zwei Jahre nach „The Spark“ legt das Quartett nun sein neues Album vor – „Nothing Is True & Everything Is Possible”.

Dass auch dieses wieder eine knallbunte Wundertüte werden würde, war schon anhand des Covers zu vermuten. Weitere Belege für diese Annahme lieferten zudem die vorab ausgekoppelten Songs. „{ The Dreamers Hotel }” ist dabei eigentlich ein klassischer ENTER-SHIKARI-Song, falls es so etwas gibt. Hier vereint die Band einen super catchy, poppigen Chorus mit vertrackten Electronica und haut wie nebenbei grandiose Textzeilen wie „If love is blind then hatred is deaf and well-fed“ raus, als ob es nichts wäre.

Dabei bringt allein diese eine Zeile das gegenwärtige Dilemma der westlichen Welt auf den Punkt. Jeder dreht sich um sich selbst, der Nächste ist schon zu weit weg und das Leid anderer lässt sich hinter brüllend lauter Reklame oder dumm machendem Reality-TV herrlich ausblenden. Das ist so wahr wie grausam und ENTER SHIKARI legen auch auf „Nothing Is True & Everything Is Possible” wieder den Finger in die Wunden, an denen unsere Gesellschaft viel zu oft krankt.

Allerdings greifen die Briten dabei auf andere Stilmittel zurück, als man das sonst von Musik mit einer vergleichbar politischen Stoßrichtung gewohnt ist. Weder wird der Hörer mit brachialen Riffs umgehauen noch die unbändige Wut herausgebrüllt. Vielmehr verpacken ENTER SHIKARI ihre Gesellschaftskritik in tanzbare Rhythmen, die beispielsweise „T.I.N.A.“ oder den Opener „The Great Unknown“ zu Songs machen, die die Chance haben, ein größeres Publikum zu erreichen, als es den meisten politisch korrekten (sprich: linken) Bands (aus dem Punk oder Hardcore) möglich ist.
Allerdings – und das ist ein wichtiger Aspekt – hat man auf „Nothing Is True & Everything Is Possible” nie das Gefühl, dass ENTER SHIKARI sich mit verminderter Härte (ein über die letzten Jahre feststellbarer Trend in der Musik der Briten) irgendwo anbiedern wollen. Vielmehr verfolgt die Band konsequent ihren Weg, alles in ihre Musik zu inkorporieren, wonach den Musikern gerade ist. Dass bei dieser Herangehensweise noch hörbare Musik herauskommt, ist schon eine Leistung – dass diese noch dazu absolut begeisternd und mitreißend ist, kann man als große Kunst bezeichnen.

ENTER SHIKARI ist auf ihrem sechsten Album so ein bisschen die Quadratur des Kreises gelungen. Denn die Musik ist zugleich weniger hart und doch knallt es an allen Ecken und Enden. Die Songs sind vertrackt und gleichzeitig gefüllt mit Melodien, die sofort ins Ohr gehen und im Kopf hängenbleiben. „Nothing Is True & Everything Is Possible” ist der Soundtrack zum Untergang der (westlichen) Welt, allerdings diesen begleitend und analysierend, nicht vertonend. Oder in den Worten der Band: „We’re apocaholics, drinking gin and tonics, lying in the flowers, counting down the hours“.

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Bewertung: 9 / 10

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