CD-Review: Fäulnis - Snuff || Hiroshima

Besetzung

Seuche – Gesang
M.R.M. – Gitarre
N.N – Gitarre
P.K. – Bass
N.G. – Schlagzeug

Tracklist

01. Grauen
02. Weil wegen Verachtung
03. Distanzmensch, verdammter!
04. Abgrundtief
05. Paranoia
06. Durch die Nacht mit ...
07. In Ohnmacht
08. Atomkinder und Vogelmenschen
09. Hiroshima


Längst schon zählen sie zu den Geheimtipps der deutschen Black-Metal-Szene. Nun melden sich FÄULNIS mit ihrem dritten Album zurück – und auch, wenn unterdessen fast fünf volle Jahre verstrichen sind – verlernt haben die Nordlichter ihr Handwerk seit der Veröffentlichung von „Gehirn zwischen Wahn und Sinn“ nicht.

Bandkopf Seuche und seinen Mannen ist mit „Snuff || Hiroshima“ ein mitreißendes Album gelungen, das einmal mehr voll und ganz der Genre-Selbstbezeichnung „Black Doom Punk Rock“ gerecht wird: Roher, aber gefälliger Black Metal, zumeist im Midtempo gehalten, trifft auf ruhige Elemente (wobei der Terminus Doom hier vielleicht etwas hoch gegriffen ist) und auf eine kräftige Portion Punkrock, die sich vor allem im Gesang manifestiert.

So ist es bei aller Eingängigkeit und „Süffigkeit“ der Musik auch vor allem die Leistung am Mikrophon, die hier Aufmerksamkeit auf sich zieht: Harsch aber doch gut verständlich rotzt Sänger Seuche dem Hörer die Texte mit der Emotionalität deutschen Punk Rocks direkt vor die Füße. Beachtung verdient aber nicht nur das wie, sondern auch, was der Hamburger herauskotzt: Mit ihrer sehr stimmigen Ästhetik, die das Grau und die nüchterne Verbitterung von Nachkriegslyrik und Trümmerliteratur („In Ohnmacht“) elegant mit der Verachtung unserer Zeit („Distanzmensch, verdammter!“) verbindet, ohne dabei schwülstig oder pseudointelligent zu wirken, gehören die durchweg deutsch gehaltenen Texte mit zum Lesenswertesten, was die deutsche Black-Metal-Szene diesbezüglich bis dato produziert hat. Dass Titel und Texte wie die von „Weil wegen Verachtung“ oder „Durch die Nacht mit …“ einmal mehr Assoziationen zu lyrisch anspruchsvolleren Deutschpunk-Bands in Richtung Turbostaat, EA80 oder Pascow wecken, ist im Album-Kontext nur konsequent.

Mit „Snuff || Hiroshima“ legen FÄULNIS ein Album vor, das gleichermaßen bodenständig wie erfrischend anders ist: Musikalisch mehr als solide, sind es am Ende die Texte in Verbindung mit ihrer mitreißenden Darbietung durch Sänger Seuche, die aus einem guten ein wirklich bemerkenswertes Album machen. Mit diesem Kniff gelingt der Band ein Album, das jedem Black Metaller wärmstens empfohlen werden kann – das aber auch über die Genregrenzen hinaus Beachtung verdient hat und Anklang finden dürfte.

Bewertung: 9 / 10

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2 Kommentare zu “Fäulnis – Snuff || Hiroshima”

  1. Mikey

    Ich kann der Rezension ebenso vollkommen zustimmen, würde aber 10/10 Punkten vergeben, da es bei diesem Album eben keinerlei negative Kritik gibt. Es ist musikalisch gut, solide und sehr ausgereift, aber die „mitreißenden Darbietung durch Sänger Seuche“ machen das Album eben „bemerkenswert“.
    Von mir gibt es daher 10 von 10 Punkte dafür. Solch ein Meisterwerk in dieser Szene schafften nur Nagelfar mit Srontgorrth innerhalb der letzten 15 Jahre.

    Gesanglich erinnert mich Fäulnis stark an die Band „Grabnebelfürsten“, mit nur einem Hauch von voluminöserem Gesang, und an „Lantlos“ in früheren Jahren. Rein musikalisch finde ich jedoch keinen Vergleich; darin sind sie äußerst individuell, auch wenn die Riffs im Einzelnen nichts besonderes sind. Hier machts die sowohl die dynamische Vielfalt in den Werken, als auch die Authentität (Wiedererkennungswert). Sie bleiben eben ihrem Stil durchgängig treu, was als positiv anzusehen ist, da dies eben auch bedeutet, dass sie sich damit identifiziert haben und sich selber treu bleiben (können). Manch andere Bands legen ein erstklassiges Debüt-Album hin, ehe sie dann im Nachfolge-Album eine gänzlich andere Richtung einschlagen…

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