DVD-Review: Feuerschwanz - Die letzte Schlacht

Besetzung

Hauptmann Feuerschwanz – Gesang, Gitarre
Prinz Hodenherz – Gitarre, Gesang, Flöte, Dudelsack
Hans der Aufrechte – Gitarre
Jarne Hodinsson - Bass
Johanna von der Vögelweide – Violine, Drehleier
Sir Lanzeflott - Schlagzeug

Tracklist

„Die letzte Schlacht“ (Blu-ray/DVD 1 und CD)
01. Powermet-Intro
02. Lords Of Powermet
03. Metnotstand im Märchenland
04. Die Hörner hoch
05. Moderation Schubsetanz
06. Schubsetanz
07. Das elfte Gebot
08. Totentanz
09. Moderation Metfest
10. Metfest
11. Meister der Minne
12. Ding
13. Moderation Hauptmann und Maid
14. Hauptmann und Maid (feat. Patty Gurdy, Saltatio Mortis)
15. Schildmaid (feat. Saltatio Mortis)
16. Kampfzwerg
17. I See Fire (feat. Angus McFife)
18. Das Hämmerunser
19. Methämmer
20. Malleus Maleficarum
21. Unter dem Drachenbanner

„11:O:A“ (Blu-ray/DVD 2)
01. Operation Drachensturm
02. Die Hörner Hoch
03. Prinzessin
04. Amen & Attack
05. Das elfte Gebot
06. Auf Wiederseh‘n
07. Hier kommt Alex
08. Schubsetanz
09. Metnotstand im Märchenland
10. Metfest (feat. Hämatom, Versengold, Schandmaul, J.B.O.)
11. Kampfzwerg
12. Krieger des Mets
13. Methämmer
14. Harte Latte
15. Ding (feat. Melissa Bonny)
16. Wikingerblut
17. Ketzerei
18. Malleus Maleficarum
19. Unter dem Drachenbanner


Während zahlreiche Künstler vom Ausbruch der Corona-Pandemie hart getroffen wurden und dies auch unablässig kundtaten, gibt es auch Bands, die diese Zeit genutzt haben, um das Beste daraus zu machen und sich selbst neu zu positionieren. FEUERSCHWANZ ist eine der herausstechenden Combos, die sich während der konzertfreien Zeit nach ganz oben im Mittelalter-/Folk-Rock-Bereich gearbeitet haben.

Dies begann schon mit der Veröffentlichung von „Das elfte Gebot“ – im Juni 2020 kam das Album nach dem ersten deutschlandweiten Lockdown und während der ersten großen Coronawelle. Die Scheibe live zu präsentieren war nicht möglich, jedoch war es allein schon die reine Qualität, die für viel Aufsehen sorgte. So einige Zweifler konnten FEUERSCHWANZ damit überzeugen und bekehren, die sie noch immer als Ballermann-Metaller oder Mittelalter-Saufkapelle im Kopf hatten. Auf eine Releaseparty wollte der Haufen nicht verzichten, so spielten sie am Tag der Veröffentlichung auf Burg Abenberg im leeren Burghof das „11:O:A“. Als Ersatz für die im Januar 2021 nach wie vor nicht mögliche Tour zogen FEUERSCHWANZ dann in „Die letzte Schlacht“.

Alle Kraft und Liebe, die die Band in die Tour gesteckt hätte, wollte sie nach eigener Aussage in dieses Online-Event fließen lassen und so wurde „Die letzte Schlacht“ tatsächlich zu einer überzeugenden Produktion. Das Konzert wird eingerahmt von einer Story um den, irgendwie, gefallenen Hauptmann: Der wandelt in einem Zustand zwischen Leben und Tod umher und erkämpft sich seinen Weg zurück in die Welt, was auch immer wieder von liebevoll gefilmten Zwischensequenzen aufgegriffen wird. Das Wichtigste aber – das Konzert an sich – ist großartig geraten und die Produktion erreicht Headliner-Status: die abwechslungsreiche Lichtshow ist professionell und stimmungsvoll, zahlreiche Pyros werden gezündet und der Sound ist nahezu makellos. Alle Instrumente sind druckvoll und differenziert abgemischt, zugleich wird trotz fehlender Fans ein überzeugender Livecharakter eingefangen, was vor allem an der dynamischen Kameraarbeit und der professionellen Kommunikation der Band liegt. Auf der Bühne ist zudem immer viel Bewegung: Die Musiker zeigen Spaß und Einsatz, tanzen und schwingen Fahnen – FEUERSCHWANZ hängen sich voll rein und zeigen, wie wichtig ihnen ihre Musik ist.

Die Songauswahl ist dabei wenig überraschend geraten: „Das elfte Gebot“ ist als aktuelles Album recht präsent vertreten, ansonsten ist die Setlist ein bunter Querschnitt durch die gesamte Schaffensphase der durstigen Gesellen. Da sich die beiden Konzerte auch nur zu etwa der Hälfte überschneiden, wird insgesamt mehr als genug Abwechslung geboten. Für zusätzliche Schau- und Hörwerte sorgen einige Gastmusiker: Bei „11:O:A“ gibt es diverse Videoschalten zu Malte Hoyer (Versengold), Thomas Lindner (Schandmaul) oder Melissa Bonney (Ad Infinitum), was vor allem bei „Metfest“ äußerst charmant gelöst wurde. Bei „Die letzte Schlacht“ sind die Gäste wie Saltatio Mortis und Angus McFife (Gloryhammer) dagegen vorwiegend in Persona anwesend und sorgen dadurch nochmal für mehr „richtige“ Konzertatmosphäre.

Auch abgesehen von starker Produktion mit tollem Sound und vielen Gastauftritten werden die Auftritte nicht einfach so runtergezockt. FEUERSCHWANZ geben sich redlich Mühe, die nicht vorhandenen Fans anzusprechen und die Zuschauer auf der Couch einzubinden. Das wirkt aufgrund fehlender Reaktionen manchmal seltsam, das weiß die Band aber selbst und versucht, das Beste daraus zu machen und eine gute Show abzuliefern. Ganz ohne Ansagen oder (Pseudo-)Animationen würde es dem Konzertfeeling wohl noch mehr schaden. Neben Videoeinblendungen und ein paar technischen Spielereien versuchen sich FEUERSCHWANZ an weiteren Auflockerungen: auf Burg Abenberg etwa wird ein Abstands-„Schubsetanz“ mit in große Gummibälle verpackten Menschen aufgeführt, um die geforderten eineinhalb Meter Abstand einhalten zu können; bei „Die letzte Schlacht“ spielen der Hauptmann und Hodi das „Metfest“ im Sitzen in der Saufecke bei einem Bierchen.

Das Boxset im Digibook-Format bietet neben einigen Livefotos zum Durchblättern viel Inhalt fürs Geld: Unter den insgesamt fünf Discs befindet sich neben den beiden Konzerten auf DVD sowie Blu-ray auch eine Audio-CD mit dem „Die letzte Schlacht“-Konzert. Die Konzerte auf den optischen Medien werden durch weitere Extras wie Musikvideos, ein Tourtagebuch und weitere kurze Clips angereichert. Beim Vorfilm zum Hauptkonzert führt Hodi durch den Veranstaltungsort, beim Aftermovie erzählen die Musiker etwas über die Idee zum Konzert oder zeigen ihre Corona-Teststation. Das alles ist nett anzusehen und bietet zusätzlichen Mehrwert.

Der Abschluss von „Die letzte Schlacht“ ist dann ein schöner Ausblick auf das, was hoffentlich bald wieder überall Realität ist: Der Hauptmann kehrt ins Reich der Lebenden zurück. Untermalt wird dies durch Konzertaufnahmen mit vollen Hallen, voller Fans und Freude. FEUERSCHWANZ sorgen mit diesem Konzert-Doppelpack für viel gute Laune und machen das Beste aus der schwierigen Situation. Sie haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sich Gedanken um interessante Konzepte gemacht und diese mit viel Leidenschaft und Herzblut umgesetzt. „Die letzte Schlacht“ ist trotz fehlender Fans ein uneingeschränkt lohnenswertes, umfangreiches sowie qualitativ hochwertiges Set und für Fans unverzichtbar.

Bewertung: 9 / 10

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