Review Future Palace – Resurgence

Für FUTURE PALACE ging es seit ihrem Erstling „Escape“ Schlag auf Schlag: alle zwei Jahre ein neues Album, diverse Single-Auskopplungen mit aufwändigen Videos und jedes Jahr dutzende Live-Shows. Damit hat sich das Berliner Trio zwar ein Standing in der deutschen Metal-Szene erspielt, dieses hohe Pensum fordert aber auch seinen Tribut. So spricht Sängerin Maria Lessing in unserem Interview ganz offen über psychische Probleme und ein drohendes Burnout im Vorfeld der neuen Scheibe „Resurgence“, die nun als eine Art Wiedergeburt für die Band fungiert.

Doch ob Wiedergeburt oder nicht, Maria Lessing, Manuel Kohlert und Johannes Früchtenicht bleiben sich auch auf Album Nummer vier treu und passen ihren Sound nur an einigen, dafür aber entscheidenden Stellen an. Laut Frontfrau Maria geht es auf „Resurgence“ um die Heilung nach einer psychischen Erkrankung oder traumatischen Erlebnissen, mit all ihren Auf und Abs, und tatsächlich transportieren die zwölf Songs diese emotionale Achterbahnfahrt sehr gut. Schon der Opener „Deep Blue“ wechselt gekonnt zwischen brachialen Riffs und ruhigen Momenten, bringt eine leichte Nu-Metal-Schlagseite ins Spiel und zeigt vor allem, wie hart Maria an ihren Vocals gearbeitet hat. Spielend leicht wechselt sie auf dem gesamten Album zwischen aggressiven Growls und sphärischem Klargesang, teilweise sogar innerhalb einer Textzeile.

Nu Metal scheint allgemein eine große Inspirationsquelle beim Songwriting für „Resurgence“ gewesen zu sein, denn auch „Resurge“ oder „The Shades“ klingen deutlich nach frühen 2000ern, immer wieder tauchen sogar Sprechgesang-Parts. auf Überraschend ist auch die berührende Ballade „Tidal Waves“, in der Maria die tiefe Beziehung zu ihrer Schwester besingt. So verletzlich und ruhig hat man FUTURE PALACE noch nie gehört. Den krassen Gegensatz dazu bilden „Nixy“ und „Nightfall“, die von massiven, fast schon in Richtung Deathcore schielenden Riffs und einer düsteren Stimmung getragen werden. „Ebb And Flow“ wiederum greift das schon in „Deep Blue“ etablierte Muster auf und wechselt wie die Gezeiten zwischen laut und leise. Spannend daran ist, dass entgegen des üblichen Workflows bei diesem Song auch die Basis des Instrumentals von Maria und nicht von Haupt-Songwriter Manuel stammt.

Elemente wie Nu-Metal-Einflüsse, eine Ballade oder überraschend aggressive Riffs können den Spannungsbogen aber leider nicht über die komplette Spielzeit aufrechterhalten. Stellenweise ruhen sich FUTURE PALACE zu sehr auf der Dynamik aus Laut/Leise und Sanft/ Brutal aus und machen es sich damit zu leicht. Das ist Meckern auf hohem Niveau, aber bei dem ansonsten starken Songwriting fallen mäßig spannende Tracks wie „Disintegrate“ oder „Thorns“ umso deutlicher auf.

FUTURE PALACE gelingt auf „Resurgence“ die Balance zwischen Weiterentwicklung und Pflege des eigenen Trademark-Sounds. Die Experimente sind geglückt und hätten sogar noch etwas mutiger und konsequenter ausfallen dürfen. Herausragend ist die Gesangsperformance von Frontfrau Maria, die sowohl die bis dato härtesten als auch sanftesten Vocals abliefert und den ohnehin schon emotionalen Texten dadurch noch eine tiefere Dynamik verleiht. Wo das letzte Album „Distortion“ eher düster ausfiel, entlässt „Resurgence“ den Hörer mit einer hoffnungsvollen, kämpferischen Grundstimmung und passt damit perfekt in diese herausfordernden Zeiten.

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Wertung: 8.5 / 10

Juan Esteban

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