Review Grave Digger – Healed By Metal

  • Label: Napalm
  • Veröffentlicht: 2017
  • Spielart: Heavy Metal

Bei Videospielen hat es sich in letzter Zeit durchgesetzt, dass einige Studios ihre Produkte nach dem immer selben Prinzip basteln. Besonders bekannt dafür sind die Franzosen von Ubisoft, die ihre erfolgreichen Spielereihen (Far Cry, Assassin’s Creed) schon seit Jahren immer exakt gleich bauen. Natürlich verändern sie das Setting, schaffen neue Welten, eine neue Story, verkaufen den Menschen ansonsten aber immer wieder dasselbe Spiel. Und das ist bei weitem nicht immer schlecht – immerhin kamen dabei Spiele wie Far Cry 4 heraus. Und vermutlich weiß jetzt schon jeder, der GRAVE DIGGER in den letzten Jahren verfolgt hat, was das Ganze mit ihrem neuen Album „Healed By Metal” tun hat.

Denn natürlich gibt es auch dort wieder die „Grave-Digger-Formel“ zu hören. Harter teutonischer Stahl, schneidende Riffs, eine klare Produktion und die nach wie vor beeindruckende Stimme von Chris Boltendahl zeichnen auch das 18. Studioalbum in 36 Jahren Bandgeschichte aus – und das meine ich absolut positiv. Immerhin schreiben die Deutschen auch nach so langer Zeit immer noch Krachersongs, wie die Uptempo-Nummer „When Night Falls“, vor dessen hammermäßigem Refrain sich niemand wird retten können. Wie üblich garnieren sie manche Songs zudem mit sympathischen Anleihen bei Judas Priest, wie besonders schön bei „Lawbreaker“ und „Free Forever“ zu hören ist. Auf diese Weise ist ein straightes Album mit einigen sehr guten Songs entstanden. Neben den bereits erwähnten soll hier unbedingt der Rausschmeißer „Laughing With The Dead“ Erwähnung finden, der mit seinem stampfenden Refrain bestimmt eine Wucht in den Live-Shows wird.

Aber leider gibt es eben auch einige Lieder auf „Healed By Metal“, die nur wenig in Erinnerung bleiben („Ten Commandments Of Metal“, „The Handman’s Eye“). Und hier zeigt sich die Kehrseite der Grave-Digger-Formel: Mit Sicherheit ist „Healed By Metal“ kein schlechtes Album und hat einwandfrei seine Stärken. Es ist aber an vielen Stellen zu vorhersehbar und droht sich schnell abzunutzen. Genau das ist das Problem, wenn aus einem an und für sich begrüßenswerten signature sound, wie GRAVE DIGGER ihn in Perfektion erreicht haben, eine Formel wird. Vielleicht zeigt sich das auch schon an der Kürze von „Healed By Metal“ – mit nur knapp über 36 Minuten ist es das kürzeste Album seit „Heavy Metal Breakdown“ (1984).

Sicherlich sollten Alben nicht künstlich aufgeblasen werden und mehr Füllmaterial hätte auch niemanden glücklich gemacht. Aber vielleicht doch beizeiten mal die eine oder andere neue Idee? Nun, es ist wie es ist: Die Fans von GRAVE DIGGER dürfen sich über eine neue Scheibe freuen, die sie glücklich machen kann, wenn sie einfach mehr GRAVE DIGGER wollen. Und ich werde weiter träumen dürfen.

Wertung: 7.5 / 10

Publiziert am von Marc Lengowski

5 Kommentare zu “Grave Digger – Healed By Metal

  1. hmmm. Bei Ballads of a Hangman war noch gar kein Axel Ritt da… Wenn man es genau nimmt, klangen die 80er Alben auch schon gleich. Und der größte Unterschied zwischen „The Reaper“ und „Excalibur“ sind Produktion und Chris‘ Stimme, der seit „Heart Of Darkness“ den durchgehend hohen Gesang auf gelengentliche Screams reduziert hat. Macht aber ja nix. Wems gefällt, gefällts auch weiterhin.

    Witzig ist, dass Andere „Laughing WithThe Dead“ (das mir auch recht gut gefällt) oft als peinlich darstellen. Jeder schreibt etwas anderes und man muss sich letztenendes doch selber von der Musik überzeugen. Gut, dass hier mal auf die für heutige Verhältnisse wirklich sehr kurze Spielzeit eingegangen wird.

  2. Ich finde eigentlich nicht, dass sie „immer gleiche Album aufnehmen“, schon garnicht zu Zeiten von Tomb Raider und Crash Bandicoot… ich finde, gerade bei der Mittelalter-Trilogie ist von Album zu Album ’ne deutliche Weiterentwicklung zu erkennen. Meiner Meinung nach fängt das mit den „immer gleichen Alben“ erst mit „Ballads Of A Hangman “ (2009) an. „Liberty Or Death“ (2007) unterschied sich doch noch deutlich vom Vorgänger, aber seit „Ballads“ haben sie sich eindeutig auf einen Sound eingeschossen, was vielleicht einfach an Axel Ritt liegt.

    Die beiden letzten Alben ähneln sich zwar schon sehr, aber beim großartigen „Clash Of The Gods“ haben sie durchaus ein wenig experimentiert und neue Elemente eingebracht… es gibt sogar ein Keyboardsolo!

  3. Hey Gunnar,
    ja, ein bisschen hast du da schon recht, da habe ich vielleicht die Zeitlinie für den Witz etwas gedehnt. Für mich beginnt allerdings die Formel-Phase bei der Band eher mit „The Last Supper“ (2005), und da sind wir zwar noch nicht beim ersten Assassins Creed (2007), aber auch nicht mehr so recht beim ersten Tomb Raider (1996, da brachten Grave Digger gerade Tunes Of War raus).

    Von mir aus treffen wir uns bei Quake 4 aus dem Jahr 2005, das war auch schon so richtig formelhaft und eher was für Eingeweihte ;-)

    Nichtsdestotrotz finde ich „Healed By Metal“ aber absolut hörenswert.

  4. Der Vergleich zu aktuellen Videospielen ist eine witzige Idee, aber als Grave Digger angefangen haben, immer gleiche Alben aufzunehmen, war von Far Cry und Assassin’s Creed noch keine Rede. Eher von Tomb Raider und Crash Bandicoot. :D

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