CD-Review: Ihsahn - angL

Juni 2008

Besetzung

Ihsahn – Gesang, Gitarre, Geige
Lars Norberg – Bass
Asgeir Mickelson – Schlagzeug

Gastmusiker:
Mikael Åkerfeldt - Gesang

Tracklist

01. Misanthrope
02. Scarab
03. Unhealer
04. Emancipation
05. Malediction
06. Alchemist
07. Elevator
08. Threnody
09. Monolith


Mit der Degradierung der Black-Metal-Legende Emperor zu einem Nebenprojekt hat sich deren Mastermind IHSAHN viel Zeit und Spielraum, um neue musikalische Pfade zu beschreiten; zusammen mit seiner Frau Heidi alias Ihriel gab er sich diversen Folk-Experimenten, namentlich Peccatum und Hardingrock, hin und wandelte auch auf Solopfaden. „The Adversary“ war vor zwei Jahren der erste Output, nun erscheint mit „angL“ der Nachfolger auf der Bildfläche. In Ermangelung zusätzlicher Armpaare hat IHSAHN sich Asgeir Mickelson und Lars Norberg, sonst unter anderem bei Spiral Architect tätig, ins Bild geholt.

Wer „The Adversary“ kennt, wird es bereits wissen: Vom harschen Black Metal, für den der Name „Emperor“ einstmals stand, hat IHSAHN kaum etwas in seine Solokarriere mitgenommen. Einige Passagen klingen zwar immernoch ziemlich fies, und IHSAHN keift auch öfter mal kalt vor sich hin, doch im Großen und Ganzen stellt „angL“ viel mehr einen facettenreichen Ausflug in die verschiedensten Klanglandschaften dar. Der größte Reiz geht hierbei von einem starken Kontrast aus: Auf der einen Seite stehen die eben erwähnten harten Parts, in denen IHSAHN ein wenig den Schwarzmetaller raushängen lässt – fast jedes Lied beginnt mit so einem harschen Teil, „Threnody“, „Monolith“ und „Elevator“ bilden hier Ausnahmen. In diesem Bereich ist alles solide, es klingt häufig stimulierend dissonant (höre „Elevator“), ohne dabei in Krach abzudriften.
Wirklich interessant wird es aber dann, wenn die Aggressivität zurückgefahren wird und „angL“ seine verträumten Momente hat. Bestes Beispiel hierfür ist wohl der Mittelteil von „Scarab“: Nachdem das groovende Grundriff die Qualitätsmesslatte schon sehr hochgelegt hat, kommt der ruhige Mittelteil mit seiner schüchternen Bassmelodie und IHSAHNs Klargesang wie eine wunderbare Offenbarung daher. Ebenso weiß der verträumte Anfang von „Monolith“ zu überzeugen, und ich wünsche mir fast, dass das Lied so weitergeführt worden wäre, wie es angefangen hat. Die Texte liegen mir zwar nicht vor, doch was ich vom textlichen Inhalt in Erfahrung bringen konnte (Nietzsche-Thematiken, Selbstzweifel etc.), nährt bei mir die Überzeung, dass die Zeilen hervorragend in diese ruhigen Momente passen. Kongenial ist auch der Auftritt von Opeth-Frontmann Mikael Åkerfeldt – seine markante Stimme macht „Unhealer“ fast im Alleingang zu einem Song, der auch seiner eigenen Band gut zu Gesicht stehen würde. „Scarab“ rockt recht straight ab und weiß besonders durch seinen ruhigen Mittelteil zu überzeugen.

„angL“ ist eine tolle Wundertüte mit allerlei kleinen Details, die sich erst nach und nach zeigen und dem Album sowohl Langlebigkeit als auch Kurzweiligkeit verleihen; obwohl die 47 Minuten gefühlt längst nicht so lange dauern, bleiben doch bei jedem Durchlauf neue Passagen im Gehör hängen. Die beiden definierenden Elemente – die harschen, extrem-metaligen Teile und die verträumten, ich möchte beinahe sagen poetischen ruhigen Passagen – ergeben zusammen eine sehr ansprechende musikalische Legierung. IHSAHN unterstreicht hier gekonnt seinen eigenen Anspruch an seine Solowerke; „angL“ dürfte ein Schmankerl für Progressive-Fans sein, die es auch mal ein wenig keifiger mögen, und Opeth-Fans sollten zumindest mal in „Unhealer“ reinhören und werden dadurch vielleicht sogar vom ganzen Album überzeugt. Daumen hoch!

Bewertung: 8 / 10

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