Review Imha Tarikat – Confessing Darkness

  • Label: Prophecy
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Black Metal

Prophecy Productions steht – ungeachtet einiger kontroverser Diskussionen – für außergewöhnliche Musik. Es wird oft betont, wie originell und „anders gedacht“ die Interpreten des Labels durch die Fahrwasser ihres jeweiligen Genres navigieren. Eine dieser Bands ist IMHA TARIKAT. Die Formation um Main-Man Kerem Yilmaz legt mit „Confessing Darkness“ ihr mittlerweile viertes Album vor.

Geht man nach dem Promotext, so erwartet den Konsumenten auf „Confessing Darkness“ eine emotionale Berg- und Talfahrt, die sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Genrekonventionen abspielt. Diese Fahrt startet 2025 mit dem Intro „Aufbruch“ – einem von Percussions geführten Ambient-Stück, das seinem Titel nur insoweit gerecht werden kann, als man das Gefühl bekommen mag, etwas würde aufgebrochen, ohne abgeschlossen zu werden.

Das folgende „Wicked Shrine“ bestätigt das Gefühl der Müdigkeit aus dem Intro dahingehend, dass es sich in der absoluten Gefälligkeit seines Genres ergeht. Blastbeats und Wut um jeden Preis machen noch keinen guten Black-Metal-Song. Und so darf man sich schon nach dem zweiten Titel auf „Confessing Darkness“ fragen, wo IMHA TARIKAT sich positionieren: im Underground – oder als etwas, das dem Black Metal überlegen sein will?

Die repetitive Leadgitarre eines „Another Failed Ritual“ geht weniger ins Gedächtnis als mehr an die Substanz, während das ziellose Chaos auf „Voices Of Bitter Epiphany“ so konsequent generisch vor sich hin prügelt, dass das künstlerisch Freigeistige gegen „Black Metal anno dazumal“ den Kürzeren zieht.

Dissonanz und Aggression sind natürlich die Pfeiler von allem, was sich über diese Genrebezeichnung definiert. Dass IMHA TARIKAT das sehr ernst nehmen, ist ihnen durchaus anzurechnen, denn der eine oder andere einprägsame Moment – etwa auf „Excellent Grief“ oder „Chamber Of Sin“ – zeigt, dass es in Sachen Dynamik und Abwechslung auch anders geht. Zwar sind diese Songs noch lange keine Hits, aber sie vermitteln durch griffige(re) Melodien und kurze Einwechsler auf der Blastbeat-Bank den Eindruck, dass der Weg über die Raserei hinaus durchaus attraktiv sein kann.

Wäre da nicht – ja, wäre da nicht der Gesang. Ein kurzer metaphorischer Ausflug: Es gibt Dinge, die sind unumstößlich. Auf eine Bockwurst gehört Senf. Böse Menschen geben selbst Mayonnaise eine Chance. Wenn man nun also die Musik von IMHA TARIKAT als zweckdienlichen Konsumfleischkörper ansehen mag, kommen hier nicht etwa die gängigen Geschmacksverstärker zum Einsatz – der Gesang auf „Confessing Darkness“ ist ein „Trauste dich eh nicht!“ auf die Frage, ob man nicht mal Lebertran als Alternative ausprobieren solllte.

Einfacher ausgedrückt: Nicht dem Genre entsprechenden Gesang für das „emotional Andere“ zu erklären, mag manchmal funktionieren – IMHA TARIKAT gelingt dieser Wurf nicht. Durch die schwachen Screams wirkt die Musik nur durch die Steigerung beim Nervenabrieb konsequent.

Um jetzt noch einmal ernst zu werden und dem Ganzen auch einen gewissen Respekt zu zollen: Wer kompromisslosen, schnellen und kauzigen Black Metal sucht, der sollte sich „Confessing Darkness“ unbedingt zu Gemüte führen. Wer aber den hohen Standard einiger anderer Black-Metal-Bands unter Prophecy Productions erwartet, der könnte von diesem Album bitter enttäuscht werden. Da Bandkopf Kerem Yilmaz und Drummer Jerom Reil quasi im Alleingang für die Platte verantwortlich waren, bleibt jedoch auch die Frage offen: Wie hätte „Confessing Darkness“ wohl als Band-Album geklungen?

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Wertung: 4.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

4 Kommentare zu “Imha Tarikat – Confessing Darkness”

  1. Fan der Band habe ich auch bewusst nicht geschrieben aber etwas repräsentativ oder besser gesagt verhältnismäßig sollte es halt schon sein. Der Reviewer hat natürlich das Recht auf seine Meinung wenn diese vernünftig begründet ist. Hier wird es zwischenzeitlich für meinen Geschmack aber schon etwas sehr albern auch wenn er versucht am Schluss nochmal die Kurve zu bekommen. Sei’s drum. Im Übrigen lese ich die Reviews von Philipp ansonsten sehr gerne auch wenn ich seine Meinung nicht immer vorbehaltslos teile ;)

    1. Hey Justus,

      danke für dein Feedback. Ich verstehe deine Kritik durchaus. Aber auch was das Thema Verhältnismäßigkeit angeht, liegt das „was“ und „was nicht“ halt auch beim Schreiber. Wenn du (hoffentlich) mehr Freude an dem Album hattest als ich, dann freut mich das natürlich trotzdem sehr.

      Liebe Grüße
      Philipp

  2. Nichts gegen den Reviewer aber vielleicht hätte man das Album jemanden besprechen lassen sollen, der zumindest ein bisschen was mit der Band anfangen kann. Klar, IT und speziell der Gesang sind nicht jedermanns Sache aber selbst unter diesen Gesichtspunkten finde ich die Benotung ziemlich hart. Man sollte sich davon jedenfalls nicht abschrecken lassen und der Scheibe eine Chance geben. Und sorry, aber die Frage wie das Album als Band geklungen hätte finde ich mal total überflüssig. Es klingt nun mal wie es klingt. In kaum einer Band wird wohl jedes Mitglied Sobgwriter sein.

    1. Nichts für Ungut, aber Sinn eines Reviews ist nicht, dass ein Fan der Band schreibt, was er an der Band gut findet. Wenn ein Album einen in dem Genre bewanderten Redakteur nicht überzeugt, muss das ja seine Gründe haben – du nennst zB. den Gesang ja selbst – und entsprechend fällt dann ein Review aus. Dass es immer auch jemanden geben wird, der ein Album gut findet, ist klar. Aber es ist nicht ungerecht, wenn ein Rezensent nicht schon vorab von einer Band überzeugt ist – im Gegenteil.

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