CD-Review: Immortal - All Shall Fall

Besetzung

Abbath - Gesang, Gitarre
Apollyon - Bass
Horgh - Schlagzeug

Tracklist

01. All Shall Fall
02. The Rise Of Darkness
03. Hordes To War
04. Norden On Fire
05. Arctic Swarm
06. Mount North
07. Unearthly Kingdom


Sind wir doch mal ehrlich. Jeder von uns denkt gerne an die Zeit zurück, als wir noch Kinder waren und in freudiger Erwartung die Ankunft des Weihnachtsmanns oder des Christkinds herbeigesehnt haben. Monate im voraus wurden Wunschzettel geschrieben und die Hoffnung, dass diese Wünsche erfüllt werden, war stets präsent. Heute, nach vielen Jahren, wissen wir wenigstens, dass der Weihnachtsmann ins Reich der Legenden gehört, welches allerdings auch noch andere Charaktere beherbergt, die ebenfalls im tiefsten Schnee hausen. Die Rede ist von IMMORTAL, nennen wir sie gerne die Heiligen Drei Könige des Black Metals, und ob man sie mag oder nicht, eines muss jeder eingestehen: Die Band um Frontmann Abbath ist in ihrem Sektor legendär und seit vielen Jahren eine echte Institution. Natürlich darf man im Zuge dessen die lange Schaffenspause der Pandabären nicht außer Acht lassen. Nachdem IMMORTAL zur Jahrtausendwende glorreiche Erfolge mit Scheiben wie „At The Heart Of Winter“ feiern konnten, wurde es nach der plötzlichen Auflösung der Band still um diese. Abbath widmete sich seinem Solo-Projekt I und die Trauer vieler Fans war groß.

Inzwischen wissen wir natürlich, dass man nicht immer Märchen rezitieren muss, um ein Happy End zu haben. IMMORTAL sorgten selbst im Jahr 2007 für dieses und ließen sich mitsamt obligatorischen Killernieten und reichlich Schminke z. B. beim Wacken Open Air feiern. Dass die Band schnell zu alter Stärke zurückfand, ließ in vielen die Hoffnung aufkeimen, IMMORTAL würden nach mehreren Jahren endlich wieder ein neues Album unters Volk bringen. In diesem Jahr sollte es endlich so weit sein, und um nochmal auf den Weihnachtsmann zu sprechen zu kommen: Man muss kein Kind mehr sein, um voller Vorfreude einem bestimmten Ereignis entgegenzufiebern. Weihnachten fand 2009 somit bereits am 25. September statt, und nun gilt es herauszufinden, ob „All Shall Fall“ die hohen Erwartungen erfüllen kann oder man mit einem Paar Socken besser bedient gewesen wäre. Vom Black-Metal-Oberhammer des Jahres war im Vorfeld die Rede, und auch wenn IMMORTAL alles zuzutrauen ist, kann eine Portion Skepsis nicht schaden.

Die große Überraschung bleibt allerdings beim Opener und Titeltrack „All Shall Fall“ aus. Aber wünscht man sich bei einer Band wie IMMORTAL denn wirklich tiefgreifende Veränderungen? Diese Frage muss sicherlich jeder für sich beantworten können. Ein eingängiges Riff und Doublebass-Gewitter von Anfang an, so liebt oder hasst man IMMORTAL. Der obligatorische klare Gitarrenpart darf selbstverständlich nicht fehlen, auch wenn dieser ein wenig uninspiriert daherkommt. Ein wenig zügiger geht es im Anschluss mit „The Rise Of Darkness“ weiter und wem es noch nicht aufgefallen ist, der wird es spätestens hier merken: Das Gefühl, alles schon mal in ähnlicher Form gehört zu haben, überkommt einen. Tragisch ist das Ganze allerdings keineswegs, sondern es ist vielmehr beruhigend, dass die Nordmänner kaum etwas von ihrer alten Stärke verloren haben. „Kaum“ bedeutet natürlich, dass man schon gewisse Abstriche hinnehmen muss. Misst man „All Shall Fall“ an einem Überalbum wie „At The Heart Of Winter“, fehlen doch die großen epischen Momente. „All Shall Fall“ bietet überwiegend eingängige Musik, von der aber oft zu wenig hängenbleibt. „Norden On Fire“ und „Unearthly Kingdom“ bilden hier meines Erachtens die Höhepunkte des Ganzen mit großartigen Intros und einer gesunden Anzahl an Tempowechseln.

Eisige Riffs, Doublebass-Einlagen en masse und ein Abbath in guter stimmlicher Verfassung – hat sich das lange Warten also gelohnt? Diese Frage dürfte bei IMMORTAL nicht zu klären sein. Freunde der ersten Werke wie „Pure Holocaust“ oder „Diabolical Fullmoon Mysticism“ haben natürlich allen Grund zu Kritik. Wer sich eher an Scheiben wie „At The Heart Of Winter“ oder „Sons Of Northern Darkness“ orientiert, dürfte allerdings wenig zu beanstanden haben. Natürlich sind Songs wie „At The Heart Of Winter“ mit dem epischen Intro oder „Tragedies Blow At Horizon“ legendär und werden auch hier nicht übertroffen. „All Shall Fall“ bietet einen gelungenen Querschnitt aus bald 20 Jahren Bandgeschichte. Nicht mehr, aber zum Glück auch nicht weniger, und an Potenzial für weitere Glanztaten in den nächsten Jahren mangelt es auf keinen Fall. Ungeachtet dessen werden IMMORTAL aufgrund ihrer Bekanntheit definitiv eine feste Größe im Black Metal bleiben.

Bewertung: 8 / 10

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