Review In This Moment – Witch

Von ihren Metalcore-Wurzeln haben sich IN THIS MOMENT in den letzten Jahren konsequent immer weiter entfernt. Stattdessen wandte sich die Band modernem Rock mit ein paar Industrial-Elementen und auch noch im Mainstream gut erträglichem Härtegrad zu. Umso unspektakulärer die Musik wurde, umso theatralischer wurden aber die visuellen Welten rund um die Alben und die Bühnenshows, inklusive Masken, mehrfachen Outfitwechseln und Bühnenumbauten. Umso überraschender ist nun das neue Album „Witch“, denn scheinbar haben IN THIS MOMENT ihre Liebe für härtere Riffs wiederentdeckt.

So richtig zurück zu den Wurzeln geht es für IN THIS MOMENT dann aber doch nicht, denn die heavy Songs auf „Witch“ klingen mehr nach Nu Metal als nach Metalcore. Spaß machen sie aber trotzdem. Etwa wenn nach einem sphärischen Intro der Opener „Shame“ in einen stampfenden Nu-Metal-Brecher ausartet und Maria Brink ihre eindrucksvollen Growl-Skills unter Beweis stellt oder in „Crawl“ Trip-Hop auf massive Riffs trifft. Massiv ist auch die erste Single „Heretic“, für die KIM DRACULA Gastvocals abliefert. Die fast schon surreale Industrial-Metal-Nummer sorgt nicht nur durch Headbanging für Kopfschmerzen, sondern auch durch immer neue Breaks und vertracktes Songwriting.

Eine komplette Abkehr vom „neueren“ Sound ist aber natürlich auch „Witch“ nicht. Der Alternative Rock der Feature-Gäste DAYSEEKER etwa färbt stark auf „I Want To Believe“ ab, sodass der Song fast kaum noch nach IN THIS MOMENT klingt. Dennoch eine starke, düster-melodische Facette des Albums. Spannend ist auch „Without Me There’s No You“, bei dem 80er-Synthies mit schweren Riffs vermengt werden.

Der Rest von „Witch“ fällt aber leider belanglos bis merkwürdig aus. Merkwürdig deshalb, weil die beiden Coversongs „Wrapped Around Your Finger“ (im Original von THE POLICE) und „Another Brick In The Wall“ (PINK FLOYD) in kalte EDM-Stücke verwandelt wurden. Sicherlich kann man IN THIS MOMENT nicht vorwerfen, einfach nur stumpf die Originale nachgespielt zu haben, aber so seelenlos und steril macht das auch keinen Spaß. Fraglich ist auch, wieso es diesmal gleich zwei Cover gebraucht hat. „Sleeping With The Enemy“ mit seinen generischen breitbeinigen Riffs und anstrengenden Strophen oder die Düster-Pop-Balladen „Into The Dark“ und „Something I Can Never Have“ kommen auf Rock-Sendern im Radio bestimmt gut an, liefern ansonsten aber keinen Mehrwert.

Auch „Witch“ reiht sich fast nahtlos in die generischen Alben von IN THIS MOMENT der letzten Jahre ein. Lichtblicke gibt es immer dann, wenn die Band mehr Härte oder mutigeres Songwriting zulässt. Insgesamt passiert das aber zu selten, sodass „Witch“ höchstens durch die markante Stimme von Maria Brink aus der Masse an Modern-Metal-Alben heraussticht. Zweckdienlich für theatralische Live-Shows mit viel Brimborium sind die Songs aber allemal.

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Wertung: 5 / 10

Juan Esteban

Publiziert am von

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