CD-Review: In This Moment - Ritual

Besetzung

Maria Brink – Gesang
Chris Howorth – Gitarre
Randy Weitzel – Gitarre
Travis Johnson – Bass
Kent Diimmel – Schlagzeug

Gastmusiker:
Rob Halford – Gesang (Track 03)

Tracklist

01. Salvation
02. Oh Lord
03. Black Wedding
04. In The Air Tonight (Phil Collins Cover)
05. Joan Of Arc
06. River Of Fire
07. Witching Hour
08. Twin Flames
09. Half God Half Devil
10. No Me Importa
11. Roots
12. Lay Your Gun Down


Davon abgesehen, dass sie eine der wenigen Bands sind, die sich mit einer Frau am Mikro im härteren Metal einen Namen machen konnten, waren IN THIS MOMENT eigentlich nie für allzu große Innovationen bekannt. Dennoch haben sich die Amerikaner auch nie vor neuen musikalischen Ufern gescheut, sodass sie ihr Weg vom Metal- und Post-Hardcore über den melodischen Hard Rock zurück zum Metalcore und schließlich in die elektronische Ecke geführt hat. Nachdem das Quintett zuletzt 2014 auf „Black Widow“ erstmals stilistisch auf der Stelle getreten ist, soll das sechste Album mit dem Titel „Ritual“ einen weiteren Kurswechsel markieren. Weniger Sex, weniger Electro-Sounds, dafür wieder mehr handfeste Gitarrenmucke – so lautet die Devise.

Dass IN THIS MOMENT ihre Industrial-Einflüsse weitreichend zurückgefahren und gegen Hard Rock mit zum Teil leicht bluesigen Untertönen eingetauscht haben, ist kein leeres Versprechen, sondern eine Tatsache. Was auf dem Papier durchaus sehr vielversprechend wirkt, klingt in den Ohren im Fall von „Ritual“ jedoch leider ziemlich unspektakulär. Nach dem düsteren, gehetzten Intro „Salvation“ geben sich IN THIS MOMENT schon auf „Oh Lord“ nämlich so bieder wie auf keinem ihrer bisherigen Alben. Mit stampfenden, schwerfälligen Gitarren und geradezu verwerflich einfach gestrickten Drum- und Klatschrhythmen wird hier eindeutig auf Stadiontauglichkeit abgezielt. Klar, das geht natürlich ins Ohr, wie auch etwa „River Of Fire“ mit seinem Mitgröl-Refrain.

Wer aufgrund der vorab geschürten Erwartungen auf ein wenig mehr spielerische Raffinesse gehofft hat, kann hier jedoch nur enttäuscht werden. Die vergleichsweise wenigen verbliebenen elektronischen Elemente klingen nach austauschbarer Tanzflächenbeschallung und drängen sich manchmal doch noch ziemlich in den Vordergrund („Roots“). Bleibt also nur noch Maria Brinks markanter Gesang, den IN THIS MOMENT auf „Ritual“ eindeutig ins Rampenlicht stellen. Selbst- und treffsicher wie man es schon seit Jahren von ihr gewohnt ist, steht ihr dieser Platz gewiss hervorragend. Dass die Metal-Diva nach zwei sexuell aufgeladenen Electro-Metal-Scheiben wieder etwas ernsthafter und weniger lasziv zu Werke gehen wollte, scheint jedoch nicht mehr als ein guter Vorsatz gewesen zu sein.

Daran ändern auch die eher unpassend und schrullig wirkenden, mit der Religion hadernden Samples und vor Kitsch triefende Balladen wie „Twin Flames“ und „Lay Your Gun Down“ nichts. Dabei ist gewiss nicht alles auf „Ritual“ nur fader, auf die Masse zugeschnittener Pseudo-Rock: Das heitere, freche Kneipen-Duett mit Rob Halford auf „Black Wedding“ hat zumindest kurzfristig einen gewissen Reiz, ebenso wie der von IN THIS MOMENT eher düster, atmosphärisch neuinterpretierte Phil-Collins-Klassiker „In The Air Tonight“ oder das fast schon ein bisschen Post-punkige, mysteriöse „Witching Hour“.

Dass seinerzeit „A Star-Crossed Wasteland“ mit „The Gun Show“ eröffnete und „Ritual“ nun mit „Lay Your Gun Down“ endet, ist bezeichnend – IN THIS MOMENT haben ihre sprichwörtlichen Waffen schlichtweg fallen lassen. Trotz einiger doch recht gelungener Tracks vermisst man hier die mitreißenden Melodien und die Emotionalität der älteren Alben, aber auch die Experimentierfreude, die man IN THIS MOMENT ungeachtet aller Kritikpunkte auf „Blood“ noch zugutehalten konnte. Man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass die ungeschliffene, jugendliche Ästhetik von „Beautiful Tragedy“ oder die rohe Energie von „A Star-Crossed Wasteland“ endgültig der Vergangenheit angehören. Wer wissen will, wie es wohl klänge, wenn Lady Gaga plötzlich mit Rock anfangen würde, kann „Ritual“ eine Chance geben, Fans der ersten drei Alben sollten besser bei ebenjenen bleiben.

Bewertung: 4.5 / 10

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