Das Cover von "Over The Horizon Radar" von Jorn

Review Jorn – Over The Horizon Radar

Dass JORN sich nicht scheuen, auch das Material anderer Künstler auf Platte zu bannen, ist hinlänglich bekannt – immerhin brachte es die Truppe bereits auf stolze vier Cover-Alben. Das letzte erschien erst 2020 unter dem Titel „Heavy Rock Radio II – Executing The Classics“ und ist somit die nach wie vor aktuellste Veröffentlichung der norwegischen Melodic-Metaller. Höchste Zeit also für eine neue Langrille voller eigenem Material, die nun unter dem Titel „Over The Horizon Radar“ in die Läden kommt – erneut über das italienische Label Frontiers Music.

JORN waren gewiss noch nie die ruppigsten aller Rocker, aber es scheint, als setze die Truppe auf „Over The Horizon Radar“ mehr denn je auf erhabenes Midtempo. Das beginnt mit dem Titeltrack und setzt sich über epische Nummern wie „Dead London“ oder „My Rock And Roll“ bis hin zur abschließende Hymne „Faith Bloody Faith“ fort. Schmissige Uptempo-Bretter wie es sie auf „Life On Death Road“ zumindest vereinzelt gab, sucht man auf dem neuesten JORN-Album vergebens. Das ist aber gar nicht weiter schlimm, denn wer singen kann wie Jorn Lande, der trägt das Publikum mit seiner Stimme auch durch ein Album voller Songs im mittleren Tempobereich.

Und natürlich ist der Gesang des Norwegers auch auf „Over The Horizon Radar“ wieder das Sahnehäubchen auf dem ohnehin schon grundsoliden Songwriting der Band. Jorn Lande machte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Namen als einer der besten Sänger im zeitgenössischen Melodic Metal und vor allem Nummern wie das mitreißende „Ode To The Black Nightshade“ oder das atmosphärische „Winds Of Home“ zeigen, warum das so ist. Obendrein ist der Mann für seine Verehrung von Ausnahmesänger Ronnie James Dio bekannt und auch auf dieser Platte wird das in Nummern wie dem Gänsehaut-verdächtigen „My Rock And Roll“ und dem vergleichsweise harten „Black Phoenix“ wieder offensichtlich.

Auch ansonsten ist auf dem Album alles im grünen Bereich: JORN überzeugen durchweg mit starkem Songwriting, das zwar nicht auf Genre-Klischees verzichtet, diese aber angenehm wohldosiert einzusetzen weiß. Insgesamt ergibt das elf wirklich starke Melodic-Metal-Hymnen in fettester Produktion, die zwar nicht revolutionär, aber auch nicht stumpf daherkommen und trotz hoher Vielschichtigkeit nie den roten Faden vermissen lassen. Hinzu kommt, dass der Bandkopf nicht nur singen, sonder auch texten kann, was sich in spannenden kleinen Geschichten manifestiert, die obendrein wortgewandt erzählt werden – vom etwas platten „Special Edition“ mal abgesehen.

Obwohl seine Band inzwischen etwa zur Hälfte aus den üblichen Frontiers-Söldnern wie z. B. Bassist Nik Mazzucconi besteht, ist es Jorn Lande gelungen, auch beim süditalienischen Label seine eigene Identität zu bewahren. Mit ihrem 15. Studioalbum liefern JORN eine rundum gelungene Melodic-Metal-Platte für Fans großer Refrains und Stadionrock-Hymnen ab, das trotz oftmals langer Songs keine Langeweile aufkommen lässt. Dieses Material hat es definitiv verdient, auf ausgedehnte Tour mitgenommen zu werden – und da könnte man dann ja auch gleich noch eine neue Live-CD aufnehmen…

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Wertung: 8 / 10

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