CD-Review: Judas Priest - Screaming For Vengeance (30th Anniversary Special Edition)

Besetzung

Rob Halford – Gesang
K.K. Downing – Gitarre
Glenn Tipton – Gitarre
Ian Hill – Bass
Dave Holland – Schlagzeug

Tracklist

CD:
01. The Hellion
02. Electric Eye
03. Riding On The Wind
04. Bloodstone
05. (Take These) Chains
06. Pain And Pleasure
07. Screaming For Vengeance
08. You've Got Another Thing Coming
09. Fever
10. Devil's Child
Bonustracks:
11. Electric Eye (Live)
12. Riding On The Wind (Live)
13. You've Got Another Thing Coming (Live)
14. Screaming For Vengeance (Live)
15. Devil's Child (Live)
16. Prisoner Of Your Eyes

DVD – Live At The US Festival 1983:
01. Electric Eye
02. Riding On The Wind
03. Heading Out To The Highway
04. Metal Gods
05. Breaking The Law
06. Diamonds And Rust
07. Victim Of Changes
08. Living After Midnight
09. The Green Manalishi (With The Two-Pronged Crown)
10. Screaming For Vengeance
11. You've Got Another Thing Coming
12. Hell Bent For Leather


Zu „Screaming For Vengeance“ muss man eigentlich keine großen Worte verlieren. Die Platte gilt nicht nur als Highlight im Katalog der britischen Szene-Götter JUDAS PRIEST, sondern zählt gemeinhin zu den Eckpfeilern des Heavy Metals überhaupt. Aufgenommen in den Ibiza Sound Studios auf der spanischen Insel der „Reichen und der Schönen“ und abgemischt im tropischen Florida, sorgte das achte Studioalbum der aus Birmingham stammenden Truppe vor allem in den USA für ihren endgültigen kommerziellen Durchbruch. Während JUDAS PRIEST schon zuvor mit „British Steel“ 1980 große Erfolge feierten und sich durch ununterbrochenes jahrelanges Touren eine massive Fanschar angesammelt hatten, wuchsen sie mit der Veröffentlichung dieses Meisterwerks zwei Jahre später zum überragenden Arena-Headliner an und bewiesen, dass man auch als Metal-Band Radio-Airplay bekommen kann.

Zum 30-jährigen Jubiläum der Scheibe steht nun also eine Special Edition mit neuem Booklet, überarbeitetem Artwork und zusätzlicher Live-DVD ins Haus. Man kann über Neuauflagen denken, was man will, doch hier wird ziemlich schnell deutlich, dass es sich um ein hochwertiges Paket fern von Fan-Abzocke handelt. Die Songs auf „Screaming For Vengeance“ selbst sind hinlänglich bekannt und müssen nur kurz angerissen werden: Die Scheibe beginnt mit der energetischen Dreieinigkeit von „The Hellion“, „Electric Eye“ und „Riding On The Wind“, die auch auf der DVD als Konzert-Einstieg dient. Im Laufe des Albums wechseln sich groovende Rocker wie „Bloodstone“ und „Devil’s Child“ mit etwas lockereren Nummern wie „Pain And Pleasure“, „Fever“ und „(Take These) Chains“ ab. Gekrönt wird der Longplayer vom heftigen Titeltrack und dem geradlinigen „You’ve Got Another Thing Coming“, das der Band einen überraschenden Radio-Hit bescherte.

Des Weiteren sind die beiden Bonus-Tracks enthalten, die auch schon auf vorherigen Editionen zu finden waren: Zum einen die am 12. Dezember 1982 in Memphis aufgenommene Live-Version von „Devil’s Child“, zum anderen die eigentlich aus den 1985er „Turbo“-Sessions stammende Ballade „Prisoner Of Your Eyes“. Neu sind nun vier weitere Live-Tracks, die am 10. September 1982 in San Antonio gespielt wurden. Die Soundqualität lässt dabei keine Wünsche offen, was allerdings ebenso für die ganze Platte gilt. Schon 1982 hatte der langjährige PRIEST-Producer Tom Allom (u. a. Black Sabbath, Def Leppard) ganze Arbeit geleistet und „Screaming For Vengeance“ einen phänomenalen Klang verpasst. Remastert wurde das Werk laut Credits von Jon Astley – da man keinen Unterschied zur remasterten Version von 2001 heraushören kann, gehe ich davon aus, dass es sich um ebenjene handelt.

Bevor wir nun zum Herzstück des Bonusmaterials, der DVD, kommen, noch ein paar kurze Worte zu Grafik und Design. Das Cover wurde leicht, aber deutlich verändert, trägt nun ein größeres Bandlogo und verzichtet auf die rote Sonne hinter dem „Hellion“-Vogel, der dafür deutlich rotstichiger durch das Bild fliegt. Im Booklet befinden sich größtenteils Live-Fotos der Musiker, aber auch eine ausführliche, vierspaltige Liner-Notes-Lobeshymne des amerikanischen Musikexperten Eddie Trunk und natürlich die Credits zu beiden Disks. Songtexte sucht man leider vergeblich.

Das kann man als Manko sehen, jedoch wird wohl niemand diese Veröffentlichung der Lektüremöglichkeiten wegen erwerben, sondern vor allem, um den beigefügten Konzertmitschnitt vom US Festival 1983 zu genießen. Die Show fand am 29. Mai, dem „Heavy Metal Day“ des Mega-Events, im kalifornischen San Bernardino statt. Temperaturen über 40 Grad Celsius, etwa 375 000 Besucher, weitere Künstler des Tages waren Quiet Riot, Mötley Crue, Ozzy Osbourne, Triumph, die Scorpions und Van Halen – wahrlich ein Metal-Ereignis der Superlative. Auch wenn es in den Lederklamotten ziemlich heiß gewesen sein muss, liefern JUDAS PRIEST einen erstklassigen Gig in der brütenden Mittagshitze ab, dessen Setlist sich wie eine damalige Best-Of-Compilation der Briten liest. Zudem wurde das Ereignis professionell gefilmt und aufgenommen, weshalb Klang- und Bildqualität keinerlei Gründe zur Beanstandung bieten.

Alles in allem ist die 30th Anniversary Special Edition von „Screaming For Vengeance“ eine mehr als gelungene Neuauflage eines in jeglicher Hinsicht – von Spielfertigkeit und Gesang über Songwriting bis zur Produktion – perfekten Metal-Klassikers, die trotz etwas karg ausgefallenem Booklet mit genug Bonusmaterial lockt, um eine Anschaffung nicht nur für Musikfreunde zu rechtfertigen, die die Platte noch nicht im Regal stehen haben. Die Songs sowie die Leistungen der Musiker sprechen für sich selbst und die Rolle des Gesamtwerks kann in der Evolution des Heavy Metals nicht oft genug betont werden. Treue Fans von JUDAS PRIEST sollten hier nicht zögern und auch Anhänger von traditionellem Schwermetall, die das Album noch nicht ihr Eigen nennen, haben nun die Möglichkeit, sich die Scheibe in einem attraktiven Package zu besorgen.

Bewertung: 9.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: