CD-Review: L.A. Guns - Checkered Past

Besetzung

Phil Lewis - Gesang
Tracii Guns - Gitarre
Ace Von Johnson - Gitarre
Johnny Martin - Bass
Scot Coogan - Schlagzeug

Tracklist

01. Cannonball
02. Bad Luck Charm
03. Living Right Now
04. Get Along
05. If It’s Over Now
06. Better Than You
07. Knock Me Down
08. Dog
09. Let You Down
10. That Ain’t Why
11. Physical Itch


Das Cover von "Checkered Past" von L.A. Guns

Der Albumtitel „Checkered Past“ lässt sich mit „bewegte Vergangenheit“ übersetzen und hätte von den kalifornischen Glam-Rock-Urgesteinen L.A. GUNS kaum besser gewählt werden können: Seit 1995 von steten Besetzungswechseln geplagt litt die Band vor allem unter dem Ausstieg von Gitarrist, Gründungsmitglied und Namensgeber Tracii Guns, der lange Zeit mit Ur-Sänger Phil Lewis bis aufs Blut verfeindet schien. Zwar legten die beiden ihre Zwistigkeiten inzwischen bei und L.A. GUNS kehrten mit dem grandiosen „The Missing Peace“ 2017 (beinahe) zu alter Form zurück. Die Probleme waren allerdings nicht ausgestanden, denn kaum war der Haussegen wieder gerade gerückt, probte Ex-Drummer Steve Riley den Aufstand und tourte mit seiner eigenen Version von L.A. GUNS – eine Form des Doppelgängertums, die bei alteingesessenen Rockern mittlerweile zum guten Ton gehört. Inzwischen sind auch diese Wogen geglättet und somit ist „Checkered Past“ das neue Album der einzig existierenden Version der Band.

Wie sich schon auf „The Missing Peace“ abzeichnete, schlagen L.A. GUNS mittlerweile nicht mehr ganz so ruppige Töne wie auf ihrem gefeierten Debüt sowie dem nachfolgenden „Cocked & Loaded“ an. Entsprechend gibt es auch auf „Checkered Past“ zwar viel Glam und Sleaze, aber weitaus mehr Rock als Metal zu hören, als bei der ursprünglichen Zusammenarbeit der Herren Lewis und Guns. Wer sich daran nicht stört, wird mit einem überraschend vielschichtigen Album belohnt, denn die Truppe musiziert hier erfrischend eigenständig und authentisch und  scheint sich keinerlei größere Gedanken darüber zu machen, was man eventuell von ihnen hören will.

Dabei decken die Kalifornier eine erfreulich große Bandbreite an Stilrichtungen ab: Im eröffnenden „Cannonball“, dem mit dezenten Rolling-Stones-Anleihen punktenden „Knock Me Down“ oder „That Ain’t Why“ bieten L.A. GUNS beispielsweise kraftvollen Sleaze Rock aus dem Bilderbuch. Metallischer wird es in griffigen, rifflastigeren Nummern wie dem schiebenden „Better Than You“ oder „Dog“, in „Bad Luck Charm“ oder „Living Right Now“ ist der britische Punk der 70er spürbar und das von Akustikgitarren getragene „Get Along“ ist eine typische aber deshalb nicht weniger gelungene Ballade mit starkem Americana-Flair. Diese stilistische Vielfalt funktioniert, weil die Band sich zu keiner Zeit an eine der genannten Spielarten anbiedert, sondern offenkundig ganz natürlich eben die Songs geschrieben hat, die sich ergaben und das klingt zu jeder Zeit absolut glaubwürdig.

Neben dem Gitarrenspiel von Tracii Guns, das noch eine Ecke zwingender als auf den letzten beiden Platten auszufallen scheint, fällt dabei vor allem Sänger Phil Lewis äußerst positiv auf: Der Mann war zu den Aufnahmen von „Checkered Past“ offenbar bestens bei Stimme und meistert hier alles von wüstem Gekreische bis hin zu sanfteren Momenten, weshalb auch eine bombastische Nummer wie das atmosphärische „Let You Down“ bestens funktioniert. Auch in Sachen Produktion haben L.A. GUNS wieder zu alter Form zurückgefunden, denn während das vorangegangene „Devil You Know“ irgendwie pappig klang, verfügt diese Platte wieder über standesgemäß druckvollen, klaren Sound.

Man kann die früheren und aktuellen personellen Verwerfungen bei L.A. GUNS gut und gerne belächeln, aber ein Glaubwürdigkeitsproblem hat diese Band nicht: Seit der Aussöhnung der Herren Lewis und Guns hat diese Truppe ein starkes, ein solides und jetzt noch ein überragendes Album gemacht. Auf „Checkered Past“ beweisen die Herren ähnlich wie auf ihrem De-Facto-Comeback „The Missing Piece“, dass es sie kaum interessiert, was andere von ihnen erwarten. Stattdessen liefern L.A. GUNS hier elf ungezwungene Sleaze-Rock-Songs ab und legen dabei überraschend viel Tiefgang an den Tag. Somit ist die Formation allemal authentischer als etwa Mötley Crüe, die gerade den Rücktritt vom Rücktritt erklärt, aber seit 13 Jahren gar keine Platte mehr gemacht haben.

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Bewertung: 8.5 / 10

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