CD-Review: L.A. Guns - Cocked And Loaded Live

Besetzung

Phil Lewis - Gesang
Tracii Guns - Gitarre
Ace Von Johnson - Gitarre
Johnny Martin - Bass
Scot Coogan - Schlagzeug

Tracklist

01. Slap In The Face
02. Rip And Tear
03. Sleazy Come Easy Go
04. Never Enough
05. Malaria
06. The Ballad Of Jayne
07. Magdalaine
08. Give A Little
09. Speed
10. 17 Crash
11. Showdown (Riot On Sunset)
12. Wheels Of Fire
13. I Wanna Be Your Man


1989 erschien mit „Cocked And Loaded“ das bis heute bestplatzierte und damit erfolgreichste Album der kalifornischen Glam-Metal-Urgesteine L.A. GUNS. Gut 30 Jahre nach ihrer zweiten Platte erleben die Westküsten-Rocker gerade so etwas wie ihren zweiten Frühling, was mit Sicherheit auch auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass Frontmann Phil Lewis und Gitarrist Tracii Guns nach langer Zeit das Kriegsbeil begraben haben und die Truppe seither wieder zu alter Form zurückgefunden hat. Wie für so ziemlich jede Band verdirbt COVID-19 aber auch für L.A. GUNS gehörig den Spaß, denn kurz nach dem 30. Geburtstag von „Cocked And Loaded“ kehrte in der Musikbranche Stillstand ein. Die Festivitäten wollte man sich bei den Kaliforniern trotzdem nicht nehmen lassen und so wurde das für den vergangenen November angesetzte Jubiläums-Konzert im „Fremont Country Club“ Las Vegas eben als Streaming-Show weltweit übertragen.

Rein an seinen Eckdaten gemessen ist „Cocked And Loaded Live“ genau das, was der Titel verspricht: L.A. GUNS geben hier sämtliche Songs besagten Albums in Reihenfolge der Tracklist live zum Besten. Um das Ganze aufzulockern und einen Anflug von Aktualität zu ermöglichen, wurde mit „Speed“ auch noch die stärkste Nummer ihres Reunion-Albums „The Missing Peace“ eingestreut. An der Setlist dieses Live-Albums gibt es grundsätzlich also nichts auszusetzen, zumal sie immerhin das Mindestmaß dessen bietet, was Fans angesichts des Plattentitels erwarten. Bands wie Overkill oder Megadeth haben mit „Live In Overhausen“ bzw. „Rust In Peace Live“ gezeigt, dass man zu solchen Jubiläen durchaus ein ganzes Album (oder auch zwei) und dann nochmal so viele Songs spielen kann, L.A. GUNS hätten in diesem Fall dann aber vor allem ihr großartiges Debüt hinzuziehen müssen – das erreicht den nächsten Meilenstein schon in zwei Jahren, weshalb die Truppe wohl nicht vorgreifen wollte.

Wie gesagt bietet die Setlist von „Cocked And Loaded Live“ das Mindestmaß dessen, was nötig ist, um den Titel zu rechtfertigen. Mit dem Rest der Platte verhält es sich unglücklicherweise nicht anders: L.A. GUNS liefern hier ein Live-Album ab, das sich gerade so als solches qualifiziert. Die Band stand auf einer Bühne und spielte Songs, das Ganze wurde mitgeschnitten und auf CD gepresst, ergo hält der Käufer hier ein Live-Album in Händen. Davon abgesehen fehlt „Cocked And Loaded Live“ aber so ziemlich alles, was ein „echtes“ Live-Album – wie etwa das rundum gelungene „Made In Milan“ – ausmacht. Das Konzert wurde im November 2020 in einem beinahe leeren Club aufgezeichnet. Entgegen dem, was das Cover-Artwork suggeriert, war also kein riesiges Publikum anwesend. Entsprechend fehlt Atmosphärisches wie lautstarker Jubel oder Scharen mitsingender Fans nahezu vollständig. Stattdessen kehrt zwischen den Songs fast schon peinliche Stille ein und das ist dem authentischen Konzert-Feeling alles andere als zuträglich.

Die Leistung der Band selbst bietet dabei keinerlei Anlass zu Kritik. Auch 30 Jahre nach Erstveröffentlichung beherrschen die Musiker das Material noch perfekt und liefern eine absolut professionelle Performance. Weil er zu Streaming-Zwecken vermutlich direkt am Mischpult abgegriffen wurde, kommt der Sound druckvoll und direkt aus den Boxen, lässt wie so oft bei dieser Vorgehensweise jedoch den für die Live-Atmosphäre so wichtigen Raum-Anteil größtenteils vermissen. Überhaupt ist es nicht die Band, sondern das Drumherum, das das Hörvergnügen trübt. L.A. GUNS bestehen durchweg aus professionellen Musikern, doch auch die benötigen ein entsprechend energetisches Publikum, mit dem sie in den Austausch treten können, um eine standesgemäß schweißtreibende, emotionale Show abzuliefern und genau das fehlt hier. Tracii Guns bezeichnete den Gig im „Fremont Country Club“ als „mager und irgendwie seltsam“ und nie wird das deutlicher, als wenn Frontmann Phil Lewis „The Ballad Of Jayne“ mit den Worten „I expect everyone to sing along“ einleitet und das spärliche Publikum nur verhalten antwortet.

Natürlich ist es verständlich, dass Bands auch in schwierigen Zeiten wie einer weltweiten Pandemie relevant bleiben wollen. Da selbst die kreativsten Musiker nicht alle drei Monate ein neues Album machen können und sich auch der einfallsreichste Cover-Song irgendwann abnutzt, sind gestreamte Konzerte mit reduziertem Publikum vor Ort vermutlich die beste schlechte Lösung. Ob diese Verlegenheits-Shows aber auch noch auf CD festgehalten und zum Vollpreis verkauft werden sollten, steht auf einem anderen Blatt. L.A. GUNS sind eine hervorragende Live-Band und neuere Mitschnitte wie das erwähnte „Made In Milan“ zeigen, dass das auch im heimischen Wohnzimmer spürbar ist. Im Falle von „Cocked And Loaded Live“ hat man es jedoch mit einer Art öffentlicher Probe der Songs des legendären Albums zu tun, bei der die Lieder zwar fett und roh rüberkommen, die ansonsten aber einen Großteil der für Live-Alben so wichtigen Konzertatmosphäre vermissen lässt. Vielleicht hätten sich L.A. GUNS mit einer zeitgemäß wuchtigen Studio-Neuaufnahme von „Cocked And Loaded“ einen größeren Gefallen getan …

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