Review Lantlos – Wildhund

Stimmt, da war doch was … dieses Post-Black-Metal-Projekt LANTLOS um Markus Siegenhort alias Herbst, das mit seinem 2015er-Output „Melting Sun“ den Black Metal weitestgehend aus seiner Musik entfernt hatte. Beinahe alternative-rockig tönte es aus den Boxen, musikalisch aber nach wie vor auf hohem Niveau. Ein Nachfolger wurde immer wieder angekündigt, verschoben, erneut angekündigt … und auf einmal, als man schon gar nicht mehr damit rechnet, steht nach sechs Jahren mit „Wildhund“ ein neues Album in den Startlöchern. Nur Tool haben es noch spannender gemacht …

Die Vorabsingles „Lake Fantasy“ und „Magnolia“ irritieren geneigte LANTLOS-Fans schon mal: Statt progressiv angehauchter, melancholischer Midtempo-Mucke gibt es kompakte drei bis vier Minüter mit höherer BPM-Zahl auf die Ohren. Auch hier von Black Metal Elementen keine Spur und die Songstrukturen erscheinen ein gutes Stück simpler als auf „Melting Sun“. Satte 12 Songs auf rund 50 Minuten sind nicht das, was man von LANTLOS erwartet hätte. Die Entwicklung, die sich auf dem Vorgänger abgezeichnet hatte, wird hier offenbar ohne Kompromisse weiterverfolgt, wenn nicht sogar auf die Spitze getrieben.

Hatte man vor sechs Jahren noch den Eindruck, dass LANTLOS sich als vollständige Band mit festem Lineup etablieren wollten, findet man 2021 nur noch zwei Namen im Booklet: neben Markus Siegenhort, der sich für das Songwriting, aber auch alle Instrumente außer dem Schlagzeug verantwortlich zeigt, ist nur noch Drummer Felix Wylezik (seit „Agape“ mit dabei) geblieben. Spieltechnisch machen beide ihre Sache ausgesprochen gut und auch an der Produktion gibt es nix zu meckern – gerade Gitarren und Drums klingen rund und fett, ohne dass es matscht.

Die Musik allerdings ist gewöhnungsbedürftig. Wer LANTLOS mit Neige am Mikrofon gefeiert hat, dürfte hier raus sein – außer, er hat neben Musik von Alcest und Altar Of Plagues noch ein paar Platten von den Deftones oder Spotlights im Schrank stehen. Letztgenannte bezeichnen ihre Musik als Dream Sludge und auch wenn diese Bezeichnung einer Schublade in einer Schublade in einer Schublade nur wenig Mehrwert bietet, passt sie hier, um zu vermitteln, welche Soundästhethik Siegenhort auf „Wildhund“ verfolgt.

So bestätigt sich der durch die genannten Singles entstandene Eindruck: Die Arrangements sind knackig, das Tempo ist hoch, der Gesang clean – und die Hooklines ziemlich cheezy. Nach ein zwei Durchläufen ertappt man sich beim Mitsummen, kann aber immer noch nicht mit Gewissheit sagen, ob das Gehörte nun geniale Powerpopmusik oder unerträglich schmalziger Altrnative Rock ist. Songs wie besagtes „Lake Fantasy“ mit seinem sludge-artigen Schrabbelgitarrenunterbau oder auch „The Bubble“ überzeugen ohne Frage. Letzteres bietet sogar einen Hauch von Jazz-Rhythmik und -Harmonien sowie ein großartiges Double-Bass-Finale. „Planetarium“ (inklusive Intro-Noisescape „Cloud Inhaler“) knüpft als einziger Song ein wenig an „Melting Sun“ an, kommt die Nummer doch ausgesprochen post-rockig daher.

Unterm Strich ist „Wildhund“ ein interessantes Experiment und zeugt von Markus Siegenhort unglaublicher Kreativität. Es bleibt allerdings ein kleiner Beigeschmack, ist der neue LANTLOS-Longplayer doch ein wenig gleichförmig und unspektakulär geraten. Es geht gar nicht darum, dass der geneigte Black-Metal-Fan erster Stunde so gar nichts mehr auf die Ohren bekommt, was die Musik noch vor zehn Jahren ausgezeichnet hat. Vielmehr sind einige Songs strukturell wenig spannend und in Sachen Aufbau vorhersehbar. Wer allerdings ein offenes Ohr und auch etwas für Devin Townsend oder die Neuseeländer Shihad übrig hat, sollte dem Album mit dem möglicherweise hässlichsten Cover des Jahres eine Chance geben.

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Wertung: 7.5 / 10

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