Konzertbericht: Alcest w/ Lantlôs

06.09.2015 München, Feierwerk (Kranhalle)

 

Wer auf atmosphärischen, romantisch angehauchten Metal steht, ist in den letzten Jahren nur sehr schwer an ALCEST vorbeigekommen. Auch wenn auf ihrem aktuellen Album „Shelter“ die Metaleinflüsse nahezu vollständig in den Hintergrund getreten sind und nun Shoegaze dominiert, wissen die Franzosen um Sänger Neige besonders live stets auch eingefleischte Metalfans zu begeistern. Gemeinsam mit LANTLÔS, bei denen Neige lange Zeit den Gesang übernommen hatte, bevor auch diese mit ihrem aktuellen Album „Melting Sun“ eine Abkehr vom Black Metal vollzogen haben, kommt die Band im September 2015 auf Tour und macht dabei auch in München Halt. Dass ihr Gastspiel in der bayerischen Landeshauptstadt ein paar Tage vor dem Konzerttermin vom Hansa 39 in die etwas kleinere Kranhalle verlegt wurde, liegt sicherlich auch daran, dass die aktuellen Alben beider Bands bereits seit einiger Zeit erschienen sind.

lantlos

Lantlos-01Pünktlich um 20 Uhr betreten LANTLÔS um Sänger und Bandkopf Herbst bei ihrem ersten Besuch in München die Bühne und steigen mit „Bliss“ von ihrem vorletzten Album „Agape“ mit einem heftigen Song in den Abend ein, der in den ersten Reihen für heftiges Headbangen sorgt. Herbst macht als Sänger eine durchaus gute Figur, auch wenn seine Screams sowie sein Cleangesang ein paar Mal an den richtigen Tönen vorbeirutschen, was der Sänger durch seine sympathische, manchmal fast unbeholfen wirkende Art aber gut überspielen kann.
Den Riss der oberen E-Saite nach dem ersten Song und die daraus resultierende Zwangspause lassen zwar einen kleinen Bruch in das Set kommen, die daran anschließenden Songs von „Melting Sun“, die live noch einmal deutlich druckvoller als auf Platte klingen, wissen diesen kleinen Schnitzer aber vollständig zu kompensieren. Mit zwei älteren, deutlich heftigeren Songs findet das 45-minütige Set, das in seiner Struktur etwas ungeplant wirkt – so wären die ruhigeren, neuen Songs zu Beginn und ein stetig ansteigender Intensitätspegel deutlich schöner gewesen – sein Ende. LANTLÔS beweisen am heutigen Abend, dass sie auch live einiges drauf haben.

  1. Bliss
  2. Melting Sun I: Azure Chimes
  3. Melting Sun II: Cherry Quartz
  4. Melting Sun IV: Jade Fields
  5. Pulse/Surreal
  6. Coma

alcest logo

Bereits um 21:15 ist es Zeit für die zweite und damit auch schon letzte Band des Abends, ALCEST. Während der Lichttechniker scheinbar noch beim Bierholen ist – die stark vernebelte Bühne könnte jedenfalls spärlicher kaum ausgeleuchtet sein – legen die Franzosen direkt mit dem grandiosen „Opale“ vom aktuellen Album „Shelter“ los. Wer daraus bereits ableiten zu können meint, dieses Album stünde im Mittelpunkt der heutigen Show, irrt: Stattdessen geht es quer durch die Diskographie – der Fokus der Setlist liegt, wenn man so will, allenfalls auf den Hits der Band.
Alcest-01Dennoch schleicht sich im Dämmerlicht der Kranhalle in der Mitte des 90minütigen Sets ein leichter Durchhänger ein, als ALCEST mit „Les Iris“ und „Souvenirs D’Un Autre Monde“ gleich zwei Songs von ihrem gleichnamigen Albumdebüt am Stück spielen. Schade, mit etwas mehr Abstand zueinander wären diese Stücke besser zur Geltung gekommen. Auch, was schließlich die zwei Zugaben angeht, wirkt die Setlist nicht zu 100 Prozent durchdacht: In umgekehrter Reihenfolge gespielt, hätte das härtere „Autre Temps“ als Rausschmeißer definitiv besser funktioniert als das sehr ruhige „Déliverance“ – Details, die die Atmosphäre der Show aufs Ganze gesehen jedoch nur geringfügig schmälern. Mehr ins Gewicht fällt die Verlegung des Konzerts vom etwas abgerockteren, intimeren Hansa39 in die sehr sterile, hohe und stets etwas unpersönliche Kranhalle: Mag die Stimmung heute auch gut sein, im Hansa39 wäre definitiv ein noch engeres Band zwischen Band und Publikum geknüpft worden.
Über mangelnden Zuspruch können sich ALCEST dennoch nicht beschweren: Während der entsprechenden Passagen wird laut mitgeklatscht, zwischen den Songs herrscht – nach angemessenem Applaus, versteht sich – in Erwartung des nächsten Stückes fast schon gespenstisches Schweigen. Unverständlich ist lediglich, dass es seitens des Publikums nicht zu so viel Beherrschung reicht, dass auch während der ruhigen Songs absolute Ruhe im Zuschauerraum herrscht.

  1. Opale
  2. Summer’s Glory
  3. Écailles De Lune
  4. Les Iris
  5. Souvenirs D’Un Autre Monde
  6. L’Éveil Des Muses
  7. Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles
  8. Sur L’Océan Couleur De Fer
  9. Percées De Lumière
  10. Autre Temps
  11. Délivrance

Alcest-02Mit 25€ für zwei Bands mag der Konzertabend nicht zu den preiswertesten gehören – für Shoegaze- und Post-Metal-Fans ist diese Tour dennoch ein Pflichttermin. Dafür sind neben ALCEST, die seit jeher als Garant für gute Shows gelten, auch LANTLÔS auf ihrer ersten Deutschlandtour definitiv ein gutes Argument. Eine dritte Band hätte das Billing zwar noch verkraftet, doch auch so fehlt dem Abend nichts, zumal an einem Sonntag Konzertende um kurz vor Elf durchaus angenehm ist. [MG]

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