CD-Review: Last Leaf Down - Bright Wide Colder

Besetzung

Benjamin Schenk – Gesang, Gitarre
Sascha Jeger – Gitarre
Pablo Echague – Gitarre
Danny „Bruno“ Dorn – Bass
Tobias Herzog – Schlagzeug

Tracklist

01. Purple Skies
02. Ghost Trails
03. Blind Mind
04. Deaf Heart
05. The Path
06. Cold Wind
07. Existence
08. Suspire
09. Not The Same
10. Dust
11. Anything
12. Youth
13. Transcend


Die Schweizer LAST LEAF DOWN gründeten sich 2003 als Dark-Metal-Band, haben sich jedoch in weiterer Folge immer mehr vom Shoegaze inspirieren lassen – eine Entwicklung, die an Katatonia zur Zeit von „Brave Murder Day“ erinnert. Während die heutigen Dark-Rocker damals noch viel doomigen Metal in ihrem Sound hatten, haben sich LAST LEAF DOWN inzwischen gänzlich dem Shoegaze verschrieben. Mit „Bright Wide Colder“ hat ihr 2014er Debüt „Fake Lights“ inzwischen einen vielversprechenden Nachfolger bekommen. Nun stellt sich die Frage, ob das Quintett damit die Fans von Alcest, Slowdive und Mogwai ansprechen kann, auf die es damit offensichtlich abzielt.

Das bedächtige „Purple Skies“ eröffnet den Reigen tatsächlich sehr stimmungsvoll mit hallenden, perlenden Clean-Gitarren und leicht träumerischem, aber auch sehr melancholischem Gesang. Schon das darauffolgende „Ghost Trails“ markiert eindeutig den Höhepunkt der Platte. Hier entzünden LAST LEAF DOWN mit ihren schmerzerfüllten, sehnsüchtigen Vocals und ihren intensiven Gitarrenkaskaden sowie ihren niederdrückenden Drums ein wahres Feuerwerk der Emotionen. Gänsehaut ist hier vorprogrammiert. Diese zwei ersten Tracks bilden die stilistischen Pole, zwischen denen sich LAST LEAF DOWN bewegen, und zugleich die Highlights des Albums.

Nach diesem fesselnden Auftakt fällt „Bright Wide Colder“ jedoch leider merklich ab. Die Stilmittel – bestehend aus schwermütigen Cleans, verwaschenen, unverzerrten Gitarren, trübsinnigen Leadmelodien und simplem, songdienlichem Schlagzeugspiel – bleiben zwar dieselben, doch ab „Blind Mind“ sind die Kompositionen bei weitem nicht mehr so berührend. „Not The Same“, auf dem die eigentümlichen Melodien das Gefühl von Nostalgie und Vergänglichkeit vermitteln, und das wehklagende „Dust“ können noch einigermaßen an das eröffnende Zweigespann anknüpfen, ansonsten fehlt es jedoch über weite Strecken an dem gewissen Etwas.

Dieser Eindruck wird nochmals dadurch verstärkt, dass LAST LEAF DOWN ganze 13 Songs zu insgesamt 55 Minuten auf ihr zweites Album gepackt haben, was in diesem Fall eindeutig zu viel ist. Ein wirklich misslungenes Stück findet man darauf zwar nicht, aber auf Dauer können die an sich stimmigen, aber eher unspektakulären Gesänge und die gefühlt oft nach demselben Schema arrangierten Gitarrenklänge nicht so sehr mitreißen, wie es die Band bezweckt haben wird. Ein weiteres kleines Problem ist die Produktion, die zwar größtenteils ordentlich, aber seltsamerweise ein wenig gedämpft klingt.

LAST LEAF DOWN haben auf „Bright Wide Colder“ durchaus ein paar beeindruckende Songs kreiert, von denen eine enorme emotionale Wirkung ausgeht – leider aber auch einige Nummern, die nur durchschnittlich bis ziemlich gut sind. Es handelt sich um die klassische Problemstellung, die sich daraus ergibt, wenn man Quantität über Qualität stellt. Um diese in Zukunft zu umgehen, sollten sich die Schweizer mehr auf ihre Stärken besinnen, ihre Tracks mehr reifen lassen und dafür auf den einen oder anderen verzichten. Dass LAST LEAF DOWN viel Potential in sich tragen, beweisen sie dennoch mehr als nur einmal – hörenswert ist der Nachfolger ihres Debüts also auf jeden Fall.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: