CD-Review: Lost Legacy - In The Name Of Freedom

Besetzung

David Franco - Gesang
Jorge Pulido - Gitarre
Scott Bennett - Gitarre
Jochen Witllinger - Bass
AJ Spinelli - Schlagzeug

Tracklist

01. Rise To Glory
02. My Faith
03. Frontline
04. In The Name Of Freedom
05. Take Me Away
06. Enough Is Enough
07. Will You Remember
08. Rules Of Engagement


„Gut Ding will Weile haben“ – das weiß der Volksmund und auch die New Yorker Metal-Band LOST LEGACY scheint nach diesem Grundsatz zu leben: Trotz eines Dienstalters von stolzen 22 Jahren hat es die Truppe von der Ostküste bisher nämlich auf genau ein Album gebracht und das wurde vor elf (!) Jahren in Eigenregie veröffentlicht. Das begrenzt die Reichweite einer Band auch im Internet-Zeitalter enorm, weshalb auf dieser Seite des Atlantiks bisher kaum jemand von den Burschen aus der Bronx gehört haben dürfte. Das könnte sich nun ändern, denn mit „In The Name Of Freedom“ haben LOST LEGACY nach mehr als einem Jahrzehnt endlich ein neues Album auf Lager, das über die deutschen Underground-Spezialisten Pure Steel Records auf den Markt gebracht wird.

Fans freuen sich oft, wenn von einer Band behauptet werden kann, dass sie mit ihrem neuen Album dort anknüpfen, wo sie mit ihrem letzten – vorzugsweise gelungenen Output – aufgehört haben. Im Falle von LOST LEGACY ist das weithin egal, weil nur die Wenigsten ihre erste Platte überhaupt kennen dürften. Gleichzeitig macht es sich die Truppe aus New York damit aber auch nicht gerade einfach, denn ihr Debüt hatte vergleichsweise schweren Stoff als Grundlage: Die Anschläge des 11. Septembers 2001 und die damit einhergehende Destabilisierung der Welt sowie der amerikanischen Psyche. Das ist nicht unbedingt ein Thema, das üblicherweise auf Heavy-Metal-Alben verhandelt wird. Mit „In The Name Of Freedom“ möchte die Truppe nun zwar nicht noch einmal 9/11 aufarbeiten, aber doch immerhin dem U.S. Militär ein Denkmal setzen – „Gott, Vaterland, U.S. Army“ fasst den lyrischen Inhalt der Platte recht gut zusammen.

Diese recht amerikanische Sicht auf die Streitkräfte (und ihren Einsatz) steht dem Hörvergnügen von „In The Name Of Freedom“ allerdings weit weniger im Wege, als man eingangs annehmen möchte: LOST LEGACY liefern mit ihrer neuen Platte eine Dreiviertelstunde ebenso in der Tradition verhafteten wie energiegeladenen U.S. Metal aus dem Lehrbuch ab. Dabei punktet die Formation weitaus mehr durch die Kombination aus harten, treibenden Riffs und großen Melodiebögen gepaart mit teils halsbrecherischen Leadgitarren-Passagen, als mit ihren Texten – genaugenommen lassen die sich sogar ziemlich gut ausblenden. Statt Stilblüten wie „we sailed across the sea to spread democracy […] our blood stains this foreign soil in the name of freedom“ kommen dann nur noch Einzeiler wie „hell is where the metal meets the meat“ an und das ist dann ja schon wieder ziemlich cool.

Ein Blick auf die Spielzeiten zeigt, dass LOST LEGACY ihre Songs gerne etwas länger haben und so bewegt sich die Mehrzahl der Titel auf „In The Name Of Freedom“ im Bereich von sechs bis acht Minuten. Das ist im Genre an sich nichts Ungewöhnliches und in den Kompositionen dieser Ostküsten-Metaller passiert auch einiges, allerdings hätte etwas mehr Selbstreflexion beim Songwriting gut getan. Nummern wie etwas das eröffnende „My Faith“ halten sich teils minutenlang mit nicht ganz so zwingenden Riff-Passagen auf und der Titeltrack wechselt in zwei Minuten dreimal das Tempo bzw. Feeling, ehe es überhaupt richtig losgeht. Damit fällt das Material auf „In The Name Of Freedom“ teils unnötig sperrig aus – Selbstzensur ist eben schwierig und LOST LEGACY sind wahrhaftig nicht die ersten Musiker, die damit Probleme haben.

Wie gut das Ganze funktionieren kann, wird deutlich, wenn LOST LEGACY sich tatsächlich etwas kürzer fassen. „Frontline“ oder das stellenweise gar rockige „Take Me Away“ etwa bestehen aus den exakt gleichen Bausteinen wie das übrige Material des Albums, dauern allerdings teils nur halb so lang. Wenngleich auch die ausgedehnteren Songs auf „In The Name Of Freedom“ dank ihrer Energie und der hochwertigen Performance der Band durchaus Spaß machen, wird der Hörer hier wirklich von Anfang bis Ende mitgerissen. Es zeigt sich also, dass LOST LEGACY durchaus hervorragende Musiker sind, die ein ausgeprägtes Gespür für treibende Riffs und große Melodien haben, allerdings hätte es nicht geschadet, jeden der Songs von „In The Name Of Freedom“ um mindestens eine Minute zu kürzen.

Wenn man nicht in den USA lebt, ist es recht schwer nachzuvollziehen, wie sehr der Rückhalt der Streitkräfte in der Bevölkerung zum nationalen Selbstverständnis beiträgt – entsprechend dürfte die textliche Brisanz von „In The Name Of Freedom“ dem europäischen Publikum weithin verschlossen bleiben. Das ist kaum der Fehler einer U.S.-Metal-Band aus den USA (!) und LOST LEGACY haben auch für hiesige Headbanger einiges zu bieten: „In The Name Of Freedom“ ist ein energetisches, mächtiges Album, das dem traditionellen U.S. Metal mit kraftvollen Riffs und teils irrwitzigen Leads alle Ehre macht und dank einer gehörigen Portion Härte doch nie altbacken klingt. Mitunter fallen die Songs eine Idee zu lang aus und dehnen ihre Spannungsbögen ein wenig zu weit aus, Fans des Genres sollten dennoch unbedingt reinhören. Es bleibt zu hoffen, dass LOST LEGACY dank ihres Deals mit Pure Steel bald in Deutschland vorbeigucken.

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Bewertung: 7 / 10

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