Mit „Not Your Kingdom“ veröffentlicht die NYC-Hardcore-Institution MADBALL ihr zehntes Studioalbum – und es ist die erste Platte seit „Set It Off“, die ohne Bassist Jorge „Hoya Roc“ Guerra auskommt, der die Band 2023 verließ. Das ist keine Randnotiz: Guerra prägte über Jahrzehnte den Riff-Sound der Combo mit und seine Abwesenheit macht „Not Your Kingdom“ zu einem Album, das die Frage aufwirft, ob MADBALL auch ohne ihn ihre DNA behalten. Die Antwort fällt eindeutig aus: ja.
Klanglich bewegt sich die Platte genau dort, wo man MADBALL erwartet – zwischen kompromisslosen NYHC-Stampfern und melodischeren Punk-Anleihen. Der Opener „Tethered“ schlägt sofort zu und gibt den Ton für ein Album vor, das kaum Verschnaufpausen kennt. „Flammable“ ist mit knapp einer Minute ein brutaler Kurzausbruch, während die Single „Rebel Kids“ mit ihrem anthemischen Groove die eingängigste und zugänglichste Nummer der Platte liefert – ein Song, der laut Sänger Freddy Cricien schon vor rund zwei Jahren entstand und den thematischen Ausgangspunkt für das restliche Album bildete. „Stab Wounds“ bringt spürbar mehr Thrash-Metal-Schärfe ins Spiel, „Life’s A Mural“ wiederum wirkt roher und punkiger als die klassischen NYHC-Vorbilder der Band. Zwischen den Songs tauchen immer wieder Field-Recordings, Straßengeräusche und verzerrte Radiofetzen auf, die dem Album eine fast dokumentarische, konzeptionelle Klammer geben – ein Detail, das zeigt, wie durchdacht die Platte zusammengestellt wurde.
Inhaltlich gilt „Not Your Kingdom“ als das persönlichste Album der Bandgeschichte. Cricien blickt introspektiver als sonst auf den Zustand der Welt und die eigene Biografie, ohne dabei die typischen Überlebens- und Straßenkampf-Narrative von MADBALL aufzugeben. Seine Stimme – dieses unverwechselbare, raue Bellen – klingt so kraftvoll und präsent wie eh und je, vielleicht sogar intensiver.
In die Diskografie eingeordnet, schließt „Not Your Kingdom“ eine ungewöhnlich lange Lücke: Nach „For The Cause“ (2018) ist es die längste Pause zwischen zwei Studioalben in der Bandgeschichte. Trotzdem wirkt das Album nicht wie ein zögerlicher Neustart, sondern wie eine konsequente Fortsetzung: MADBALL knüpfen klanglich nahtlos an ihr bisheriges Werk an – eine Konstanz, die man der Band sicher auch als Stillstand auslegen könnte. Verglichen mit dem eher gradlinigen „For The Cause“ wirkt „Not Your Kingdom“ vielschichtiger, ohne die Wucht und Kompromisslosigkeit einzubüßen, die die Band seit dem 1994er Debüt „Set It Off“ ausmacht.
Unterm Strich ist „Not Your Kingdom“ ein reifes, kompaktes und erstaunlich frisches Comeback-Album, das zeigt, dass MADBALL auch im Line-up-Umbruch ihre Identität nicht verlieren – eher im Gegenteil.
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Wertung: 8 / 10


