CD-Review: Mayhem - Atavistic Black Disorder / Kommando (EP)

Besetzung

Attila – Gesang
Teloch – Gitarre
Ghul – Gitarre
Necrobutcher – Bass
Hellhammer – Schlagzeug

Gastmusiker:
Eirik „Messiah“ Norheim – Gesang (Track 4
Maniac – Gesang (Track 5)

Tracklist

01. Voces Ab Alta
02. Black Glass Communion
03. Everlasting Dying Flame
04. In Defense Of Our Future (Discharge-Cover)
05. Hellnation (Dead-Kennedys-Cover)
06. Only Death ( Rudimentary-Peni-Cover)
07. Commando (Ramones-Cover)


Es ist kein Geheimnis, dass sich in Black-Metal-Kreisen über die Jahre ein gewisser Elitismus etabliert hat, der auf dem Mythos basiert, Black Metal habe sich quasi aus sich selbst heraus, also de novo, entwickelt. Insbesondere Verbindungen in die linksalternative Punk-Szene verleutnen gerade konservative bis rechte Trveheimer gerne komplett – wenngleich die musikalische Verwandschaft in vielen Fällen mehr als offensichtlich ist. Umso schöner, wenn eine Black-Metal-Legende wie MAYHEM einfach mal Flagge bekennt: Auf ihrer neuen Veröffentlichung bringen die Norweger Black Metal und Punk so nah zusammen wie selten zuvor geschehen.

Atavistic Black Disorder / Kommandoheißt die EP, die neben drei mehr oder minder neuen MAYHEM-Songs vier Punk-Klassiker als Coverversionen enthält. Los geht es mit „Voces Ab Alta“, einem bislang unveröffentlichten Stück aus den „Daemon“-Recording-Sessions: Mit uptempo-Riffing und Attilas markantem Gurgeln ist das Stück stilistisch nah an besagtem Album – von kurzen Klargesangseinlagen abgesehen bietet das Stück aber wenig wirklich Charakteristisches. Mit anderen Worten: Dass der Track nicht auf dem Album gelandet ist, ist genauso nachvollziehbar wie die Entscheidung, ihn als Opener einer EP zu verwenden. Die folgenden zwei Nummern, „Black Glass Communion“ und „Everlasting Dying Flame“, kennt der eingefleischte MAYHEM-Fan bereits von der Limited Edition des besagten Albums: Zwar sollen die EP-Versionen nochmal anders geschnitten sein und variieren im Sekundenbereich in der Länge – die Unterschiede sind jedoch eher marginal. So oder so funktionieren beide Tracks als stimmige, aber nicht essenzielle Ergänzung – ob nun als Bonustracks zu „Daemon“ oder als EP-Content.

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Wenn man ehrlich ist, ist es aber auch eher der zweite Teil der EP, der „Atavistic Black Disorder / Kommando“ interessant macht. Hier covern MAYHEM nämlich munter vier Punk-Legenden: Discharge („In Defense Of Our Future“), Dead Kennedys („Hellnation“), eine etwas weniger bekannten Anarcho-Punk-Kombo mit dem unschlagbaren Namen Rudimentary Peni („Only Death“) sowie die oft kopierten, nie erreichten Ramones („Commando“). Dass alle vier Cover-Songs zusammen gerade einmal 7:31 Minuten füllen? Geschenkt. Der Spaß, den die Punk-Band MAYHEM dem Punk-affinen Hörer mit dieser Aktion bereitet, ist zeitlos. Schon der Discharge-Track mit Ex-Sänger Eirik „Messiah“ Norheim (1985-86) lässt die Muskeln in Erwartung eines wilden Pogo zucken. Schlicht grandios wird es, wenn MAYHEM sich dann die Dead Kennedys vornehmen – nicht zuletzt, weil der hier hinzugezogene Maniac (Mayhem-Sänger von 1986-87 und 1994-2004) stimmlich beeindruckend gut passt. Dass „Only Death“ vergleichsweise blass bleibt, macht gar nichts – denn beim finalen „Commando“ geht der Punk nochmal so richtig ab: Ein Ramones-Hit eben, was hätte man da auch anderes erwartet …

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Wer neues MAYHEM-Material hören will, bekommt auf „Atavistic Black Disorder / Kommando“ nicht wirklich viel geboten – zumindest, wenn er bereits die limitierte Editon von „Daemon“ besitzt. Die Cover-Seite rechtfertigt die Anschaffung der EP dennoch, denn diese ist auf gleich zwei Ebenen großartig: Einmal musikalisch, weil MAYHEM die Songs, die sie sich hier vorgeknüpft haben, mit genau der richtigen Mixtur aus Fuck-Off-Attitüde und Respekt angehen – und zum anderen in ihrer Aussage. „Atavistic Black Disorder / Kommando“ ist ein gereckter Mittelfinger an alle, die in elitärer Borniertheit die Wurzeln des Black Metal verleugnen. MAYHEM gehören (und gehörten) erfreulicherweise nie dazu:

Ohne Punk würden die härteren Metal-Genres nicht so klingen, wie sie heute klingen.“
(Hellhammer, 2021)

Ich hatte immer einige Punk-Einflüsse“
(Attila Csihar, 2021)

„Ich muss zugeben, dass mich linke Ideen sehr ansprechen“
(Euronymous, 1989)

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