Messa - Close Cover

Review Messa – Close

  • Label: Svart
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Doom Metal , Weltmusik

MESSA könnten einfach Doom Metal spielen und vermutlich würden ihnen Fans und Fachpresse nichtsdestoweniger aus der Hand fressen. Doch MESSA wären nicht MESSA, wenn sie sich bloß auf das Grundgerüst ihrer Musik stützen würden. Gerade die Einflüsse aus Jazz, Blues, Drone und Dark Ambient, die die italienische Band von Anfang an so nahtlos mit ihrem Kernsound verknüpft hat, machten ihre ersten beiden Alben zu wahren Schätzen des Undergrounds. Dass MESSA sich auf der entscheidenden dritten Platte, die bekanntlich die Spreu vom Weizen trennt, beweisen würden, war demnach schon abzusehen. Und doch ist „Close“ ein noch viel größeres, überraschenderes Meisterstück geworden, als man es sich vorweg auszumalen traute.

Mit der als Cover verwendeten Aufnahme von Frauen in schamanischer Kluft bei einem rituellen Tanz – Assoziationen mit Headbanging drängen sich da geradezu auf – geben MESSA bereits einen Hinweis auf ihre jüngste musikalische Selbstneuerfindung. Im kreativen Fundus der Band tauchen nun nämlich auch Stilelemente mittelöstlicher, traditioneller Folkmusik auf. Zwischen Tracks wie „Suspended“ und „Serving Him“, die von Sara Bianchins vielseitigem, emotions- und energiegeladenem Gesang, eingängigen Refrains und einem gewaltigen Doom-Metal-Unterbau getragen werden, greifen MESSA immer wieder auch zu in dem Genre weniger gebräuchlichen, akustischen Instrumenten wie Oud, Mandoline, Hackbrett und Duduk.

Obwohl man von der Band nie zuvor etwas wie das von spröde gezupften Saiten gezeichnete Zwischenspiel „Hollow“ oder „Orphalese“ mit seinen sinnlichen Bläsern gehört hat, fügen sich diese fremdartigen Einschübe unglaublich stimmig in den erdigen, trockenen und rohen Grundton des Albums ein. Unergiebige Drone- und Ambient-Passagen gibt es nun nicht mehr, selbiges gilt für vertrackte oder geschmeidige Jazz-Arrangements.

„Close“ bringt nicht mit Komplexität, sondern mit schierer Wucht und intuitivem Songwriting zum Staunen. Mit spielender Leichtigkeit lassen MESSA im Zehnminüter „0=2“ verschwommene Gothic-Gitarren, die The Sisters Of Mercy nicht besser schreiben hätten können, in treibende Riffs und fetzige Blues-Soli übergehen („Dark Horse“). Sogar die kurze Blackened-Crust-Explosion mit dem Schmunzeln machenden Titel „Leffotrak“ fällt nach dem intensiven Finale des trübsinnigen, melodisch ausgezehrten „If You Want Her To Be Taken“ nicht völlig aus dem Rahmen.

„Close“ ist ein Album voller aufregender Wendungen, die nicht ein einziges Mal einen enttäuschenden Ausgang nehmen. Einmal mehr ist es MESSA gelungen, völlig neue Stilmittel reibungslos in ihren ohnehin schon außergewöhnlich vielseitigen Sound aufzunehmen, ohne sich schnöder Effekthascherei schuldig zu machen. Obwohl zwischen den bodenständigeren Passagen und den extremsten Momenten der Songs harsche Kontraste klaffen, ist die insgesamt über eine Stunde lange Platte in ihrer Gesamtheit unglaublich kohärent und weder überladen noch gekünstelt. Wer es mag, beim Musikhören überrascht zu werden, und sich gerne von der Musik treiben lässt, sich ganz von ihr ergreifen lassen will, wird in diesem Jahr kaum ein besseres Metal-Album als „Close“ ausfindig machen.

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Wertung: 9 / 10

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