CD-Review: MSG - Immortal

  • Veröffentlichung: 2021
  • Label: Nuclear Blast
  • Spielart: Hard Rock
Besetzung

Ronnie Romero - Gesang
Michael Schenker - Gitarre
Steve Mann - Gitarre, Keyboard
Barry Sparks - Bass
Bodo Schopf - Schlagzeug

Gastmusiker

Ralf Scheepers - Gesang
Joe Lynn Turner - Gesang
Michael Voss - Gesang
Gary Barden - Gesang
Robin McAuley - Gesang
Doogie White - Gesang
Derek Sherinian - Keyboard
Simon Phillips - Schlagzeug
Brian Tichy - Schlagzeug

Tracklist

01. Drilled To Kill
02. Don't Die On Me Now
03. Knight Of The Dead
04. After The Rain
05. Devil's Daughter
06. Sail The Darkness
07. The Queen Of Thorns And Roses
08. Come On Over
09. Sangria Morte
10. In Search Of The Peace Of Mind


Die Veröffentlichung eines neuen Albums der MICHAEL SCHENKER GROUP – kurz MSG – mag zunächst wie eine Sensation wirken, doch das stimmt nicht so ganz. Gitarrenlegende Michael Schenker war in den letzten zehn Jahren alles andere als faul und veröffentlichte mit Michael Schenker’s Temple Of Rock und nicht zuletzt Michael Schenker Fest regelmäßig neue Alben. Ein Blick auf die Liste der an „Immortal“ beteiligten Musiker offenbart, dass die Namen der Gäste hier nahezu identisch mit dem Personal des letzten Michael-Schenker-Fest-Albums „Revelation“ sind. Obendrein entstand „Immortal“ wie auch dort aus einer Zusammenarbeit des Gitarrengurus mit seinem Songwriting-Kollegen Michael Voss, weshalb sich der Verdacht aufdrängt, es handle sich bei dieser Platte schlicht um ein weiteres Album des gewohnten Teams, das aus Marketinggründen auf den geschichtsträchtigen Namen MSG umetikettiert wurde.

Entgegen der in der Einleitung geschürten Erwartungen liefern MSG mit „Immortal“ jedoch ein Album ab, das vielleicht nicht auf dem gleichen hohen Niveau wie ihre stilbildenden Platten rangiert, sich aber doch durch und durch wie ein MSG-Original anfühlt. Schon der treibende Opener „Drilled To Kill“ erinnert mit seinem unverwechselbaren Riff-Stakkato und den wahnsinnig einfühlsamen Leadgitarren stark an Platten wie „Assault Attack“ oder „Built To Destroy“. Michael Schenker und seinen Mitstreitern gelingt hier also vielleicht nicht das Unmögliche, aber doch das Unerwartete, zumal die Truppe hier zwölf Jahre nach der letzten Platte, die unter dem MSG-Banner erschienen ist, ein absolut authentisches Comeback-Werk vorlegt.

Damit ist „Immortal“ das mit Abstand beste Album, das seit der ersten Temple-Of-Rock-Platte von Herrn Schenker aufgenommen wurde: Nummern wie das fetzige „Knight Of The Dead“, das hymnisch dahinstampfende „Sail The Darkness“ oder das rockige „Come On Over“ fühlen sich allesamt wie authentische MSG-Songs an. Das liegt in erster Linie daran, dass das Material von „Immortal“ deutlich kantiger, weniger gefällig und damit auch frischer und ungezwungener klingt als alles, was in letzter Zeit unter dem Namen Michael Schenker Fest erschienen ist. Neben den bissigeren Riffs ist das vor allem den unverwechselbaren Leads des Bandkopfs zu verdanken. Michael Schenker versteht es, gefühlvoll und auf den Punkt zu solieren wie kein Zweiter und unter der Flagge von MSG scheint er auch allen Platz dafür beanspruchen zu dürfen. „Immortal“ bietet weit mehr gelungenes Leadgitarrenspiel als seine übrigen Platten der jüngeren Vergangenheit. So wie auf dem Ur-Material der Band eben.

Allerdings gebührt der Ruhm nicht allein Herrn Schenker – auch der Gesang hat großen Anteil daran, dass „Immortal“ das authentische Album geworden ist, mit dem Fans es hier zu tun bekommen. Neben der superben Leistung von Ex-MSG-Frontmann Robin McAuley in der Ballade „After The Rain“ entpuppt sich vor allem Ronnie Romero als Idealbesetzung. Der Mann übernimmt den Hauptteil der Vocals auf dieser Platte und passt hier besser als bei irgendeinem anderen Projekt, für das er in letzter Zeit hinter dem Mikro stand – abgesehen vielleicht von Rainbow. Mit seiner Stimmlage, die sich irgendwo zwischen Ronnie James Dio und dem jungen Joe Lynnn Turner bewegt, ist er für melodieschwangeren Hard Rock wie gemacht und setzt dem Material von „Immortal“ so das Sahnehäubchen auf.

Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass auch an Michael Schenker Fest seit jeher etliche Musiker aus der stilbildenden Phase von MSG beteiligt waren, weshalb die in der Einleitung angesprochene Namens-Verwirrung gar keine so große Rolle spielt. Am Ende ist das aber gar nicht so wichtig, denn allem Anschein nach hatte Michael Schenker selbst hier die meiste Zeit ohnehin die Songwriting-Zügel fest in der Hand – anders ist es kaum zu erklären, warum diese Platte so unüberhörbar nach dem Gitarristen und seinem ur-eigenen Stil klingt. Die legendären Alben von MSG werden auf ewig unerreicht bleiben, doch „Immortal“ ist eine absolut gelungene Platte, die des ehrfurchtgebietenden Bandnamens ohne Weiteres würdig ist und auf angenehmste Art und weise zurück in die goldenen Zeiten des melodischen Hard Rocks und echter Gitarrenhelden entführt.

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Bewertung: 8.5 / 10

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