Es gibt Veränderungen im Hause NIGHTMARER: Neben John Collett ist jetzt auch Christian Kolf von VALBORG als Sänger mit an Bord. Auf der neuen Vier-Track-EP „Hell Interface“ ist das dynamische Duo erstmalig zu hören. Aber – so viel sei schon mal vorweggenommen – komplett neu erfunden hat sich die Truppe dadurch noch lange nicht.
Im Gegenteil, die Band führt vorangegangene Entwicklungen konsequent fort, und so klingt „Hell Interface“ gefühlt noch ein wenig düsterer, negativer und kompromissloser als der 2023er Longplayer „Deformity Adrift“. Die musikalische Basis ist nach wie vor Death Metal, ergänzt um Einflüsse aus Black-, Post- und einer Prise Progressive Metal. Wirkliche Atempausen bekommt der/die geneigte Zuhörer*in nicht, in Anbetracht der überschaubaren Spielzeit von rund 20 Minuten ist das aber vielleicht auch gar nicht nötig.
Spieltechnisch ist das, was NIGHTMARER auf „Hell Interface“ auf höchstem Niveau, was aber auch nicht weiter überraschen sollte, wenn man sich die bisherigen Wirkungskreise der Mitglieder genauer anschaut: Drummer Paul Seidel war die letzte Dekade bei der Post-Metal-Institution THE OCEAN und ebenso wie Saitenhexer Simon Hawemann zuvor bei der Mathcore-Combo WAR FROM A HARLOTS MOUTH am Start, John Collett brüllte schon für GIGAN ins Mikrofon. Seidels durchaus blastbeatlastiges Schlagzeugspiel ist über jeden Zweifel erhaben, während Hawemanns präzise und bisweilen wunderbar dissonante Gitarrenarbeit Fans seiner Ex-Band frohlocken lassen dürfte.
Dass der abschließende Titeltrack sowie „Shame Spiral“ auch mit kurzen, rhythmisch komplexen Jazzpassagen inmitten des Geprügels aufwarten, sorgt einerseits für Abwechslung auf NIGHTMARERs neuestem Output, erinnert andererseits aber auch an die großartigen INTRONAUT. Ebenfalls überraschend: Das nicht zuletzt durch den cleanen Gesang sehr atmosphärische, aber kompakte Outro des Openers „Extinction Burst“ – „Crawl Of Time“ zieht diesbezüglich nochmal dieselben Register.
Die Produktion ist kompromisslos fett, kommt aber ein wenig dreckiger als auf dem Vorgänger daher, was „Hell Interface“ insgesamt etwas sludgiger wirken lässt. Ganz allgemein erinnern NIGHTMARER auf ihrem neuesten Streich gerne mal an bereits erwähnte WAR FROM A HARLOTS MOUTH (allerdings weniger verschachtelt) oder auch THE-OCEAN-Frühwerke wie „Aeolian“ – der einen oder anderen kurzen Post-Hardcore-Reminiszenz sei Dank. Somit ist die EP uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man sich (wohlgemerkt kultiviert) akustisch vermöbeln lassen möchte.
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