CD-Review: Obscure Sphinx - Epitaphs

Besetzung

Wielebna – Gesang
Olo – Gitarre, Gesang
Yony – Gitarre
Blady – Bass
Werbel – Schlagzeug

Tracklist

01. Nothing Left
02. Memories Of Falling Down
03. Nieprawota
04. Memorare
05. Sepulchre
06. At The Mouth Of The Sounding Sea


Mit ihrem beeindruckenden Debüt „Anaesthetic Inhalation Ritual“ sowie dem ebenfalls extrem starken Folge-Album „Void Mother“ konnten sich die Polen OBSCURE SPHINX in den letzten Jahren einen mehr als guten Ruf als brandheißer Szene-Geheimtipp erarbeiten. Mit „Epitaphs“ gilt es diesen nun zu festigen und den Publikumsstamm auszuweiten. Dass dieser Schritt kein leichtes Unterfangen darstellt, ist weithin bekannt – gilt das dritte Album genau deswegen doch als wegweisend in der Karriere eine Band. Auch im Fall von OBSCURE SPHINX ist das Erklimmen der Karriereleiter noch lange nicht zum Selbstläufer geworden.

So beginnt „Epitaphs“ mit dem 13-Minüter „Nothing Left“ gleich fordernd: Ein solches Song-Ungetüm will als Opener erst einmal verdaut sein. Mit düsteren Melodien, groovigem Drumming und dem kraftvollen Gesang von Fronterin Wielebna gelingt es den Polen jedoch recht bald, den Hörer in ihren Bann zu ziehen.

Wie schon auf den Vorgängerwerken, steht auch diesmal die Vielseitigkeit im Gesang auf der Haben-Seite: Dahingehend vergleichbar mit Oathbreaker, wissen auch OBSCURE SPHINX einmal mehr durch abrupte, aber stimmungsvolle Wechsel zwischen einer zarten Klargesangs-Stimme und bösartigen Screams zu begeistern. Bestes Beispiel hierfür ist der mit rund fünf Minuten Spieldauer vergleichsweise kurze Song „Sepulchre“, der nicht nur in Sachen Gesang, sondern auch musikalisch noch am ehesten an „Void Mother“ anknüpft.

Musikalisch unterscheidet sich „Epitaphs“ ansonsten nämlich merklich von den bisherigen OBSCURE-SPHINX-Alben: Wusste gerade „Void Mother“ vor allem durch seine filigrane Atmosphäre, die schwebenden Melodien und vielseitig arrangierten Songs zu überzeugen, fällt „Epitaphs“ nicht nur merklich düsterer, sondern auch puristischer aus: Das Songwriting ist simpler gehalten, die wirklich eingängigen Melodien sind ebenso weniger geworden wie die kompositorischen Überraschungsmomente. Was „Epitaph“ in Folge dessen ein wenig fehlt, ist die Schmissigkeit und Dynamik, mit der der Vorgänger zu begeistern wusste. Womit das Album hingegen Punkten kann, ist eine dreckige, rohe und tiefschwarze Atmosphäre: Mal kriechen die Riffs zäh und bösartig aus den Boxen, mal feuern OBSCURE SPHINX in Black-Metal-Manier drauf los. So hat auch „Epitaphs“ definitiv seine Momente – jedoch erarbeiten sich OBSCURE SPHINX diese hier eher mit der Brechstange denn mit dem Dietrich.

„Epitaphs“ ist ohne Frage ein starkes Album, das durch seine Atmosphäre zu gefallen weiß. Der Ruck in Richtung mehr Härte und weniger Melodie und Progressivität im Songwriting lässt „Epitaphs“ jedoch vor allem bei den ersten Durchläufen deutlich sperriger wirken als seine(n) Vorgänger. Wer dem Album die Zeit gibt, sich zu entfalten, wird auch „Epitaphs“ liebenswerte Momente abringen – für den großen Durchbruch dürfte das Album jedoch zu spröde ausgefallen sein: Gerade die mitreißende Verschmelzung aus sanfter Melodie und roher Härte, bisher die große Stärke OBSCURE SPHINX rückt auf „Epitaphs“ einen Schritt zu weit in den Hintergrund.

Bewertung: 7 / 10

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