CD-Review: Oceanhoarse - Dead Reckoning

Besetzung

Joonas Kosonen – Gesang
Ben Varon – Gitarre
Jyri Helko – Bass
Oskari Niemi - Schlagzeug

Tracklist

01. Headfirst
02. Locks
03. Betrayed by Light
04. One With The Gun
05. Reaching Skywards
06. Fields of Severed Dreams
07. Submersed
08. The Intruder
09. Fight For Tomorrow
10. From Hell to Oblivion
11. REW
12. Dead Reckoning
13. The Damage


Mit „Dead Reckoning“ präsentieren OCEANHOARSE ihr erstes Studioalbum, ihr erster Full-Length-Release ist das jedoch nicht: Im Frühjahr 2020 waren die Finnen als Vorband von Marko Hietala auf Tour und haben diese Zeit unter dem Namen „The Damage Is Done – Live!“ als Live-CD festgehalten und veröffentlicht. Das ist äußerst ungewöhnlich, passt aber durchaus zur Band: Laut eigener Aussage ist sie gegen computergenerierten Metal und will so rau und handgemacht wie möglich klingen.

Der OCEANHOARSE-Sound ist zwar im klassischen Heavy Metal verwurzelt, gestaltet sich aber dennoch sehr abwechslungsreich und breitgefächert. Ein energischer „What The Fuck Is That“-Schrei eröffnet „Locks“; das darf sich der Hörer auf positive Weise noch öfter im Albumverlauf fragen. Mit tief gestimmten Gitarren, drückendem Midtempo-Beat und aggressiven Vocals in den Strophen sowie den mehrstimmigen Gesängen im Refrain erinnert der Song auf spannende Weise an eine Kreuzung aus Pantera und Killswitch Engage. „Betrayed By Light“ verändert die Stimmung dann direkt komplett und klingt wie eine pop-punkige Mischung aus In Flames und System Of A Down. „Reaching Skywards“ geht als relativ klassische Uptempo-Heavy-Metal-Nummer mit Hard-Rock-Vibes direkt nach vorne und das Riffing von „Fields Of Severed Dreams“ tönt stark nach Avenged Sevenfold. Klingt komisch, ist es auch und das ist beim ersten Hören durchaus eine sperrige Kiste, die im weiteren Verlauf aber immer mehr Spaß macht.

Das eineinhalbminütige „Submersed“ fungiert als Zwischenspiel in der Albummitte und scheint die Scheibe in zwei Hälften zu teilen, ganz wie eine Schallplatte mit zwei Seiten. Tatsächlich sind die Songs ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so wild, sondern melodischer und strukturierter und bewegen sich größtenteils in einer Schnittmenge zwischen Machine Head, Hammerfall und Rise Against. Noch mehr als auf der ersten Albumhälfte zeigen OCEANHOARSE ihre raue Seite: Die Songs atmen und schwitzen Bühnenluft, sie klingen teilweise wie sehr gut produzierte Liveaufnahmen. Da passt zwar nicht immer alles, hier und da ist mal eine schiefe Note dabei oder es hakt etwas bei Übergängen – aber das macht den live-orientierten Sound aus, dadurch kommt die Musik so echt und unverfälscht rüber. Joonas Kosonen kann von Schnitzern ebenfalls nicht ganz freigesprochen werden, er singt oft sehr hoch und gerät dabei ab und an auf schiefe Bahnen. Der Frontmann weiß jedoch mit einem großen Stimmumfang von Schreien über mittlere bis hohe Tonlagen zu überzeugen, weil er viel Kraft und Druck in seine Vocals legt. Auch das ist charakteristisch und sorgt für ein stimmiges Gesamtbild, erst recht, wenn der Gesang durch die Saitenfraktion mehrstimmig wird.

“Dead Reckoning” ist ein verrückter Trip durch verschiedene Genres: OCEANHOARSE verbinden Heavy Metal, Thrash Metal, Alternative Rock und Hardcore Punk zu einem spannenden und überraschenden, modernen Metal-Album. Eine gewisse Einstiegshürde ist durchaus vorhanden, hier lohnt es sich aber, dem Material mehr als nur die Chance des Ersteindrucks zu geben. Die Lieder sind für Live-Performances geschrieben, durch die druck- und kraftvolle Ausrichtung und Produktion des Albums funktioniert das sicher bestens und ebenso gut wie auf CD. Wer frischen, unverbrauchten und ehrlichen Metal sucht, der auf Genregrenzen pfeift, sollte OCEANHOARSE definitiv auschecken.

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Bewertung: 8 / 10

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