Interview mit Oskari Niemi von Oceanhoarse

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Die Finnen OCEANHORSE veröffentlichen mit „Dead Reckoning“ ihr Debütalbum und sprengen damit Genregrenzen: Irgendwo zwischen Heavy Metal, Thrash Metal, Alternative Rock und Hardcore Punk bewegt sich die wilde Scheibe. Schlagzeuger Oskari Niemi stand uns Rede und Antwort zu Entstehung und Sound des Albums, zur bereits vor dem Debüt veröffentlichten Live-CD und erzählt, wie wichtig ihm die Musik ist.

Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Wie geht es dir?
Hey, danke fürs fragen. Es ist mir ein Vergnügen, diese interessanten Fragen zu beantworten! Ich kann es nicht erwarten, dass Album endlich zu veröffentlichen und eine Record-Release-Show hier in Helsinki zu spielen. Es ist schon eine Zeit her, dass wir auf der Bühne standen und wir sind mehr als begeistert, endlich wieder Metal abzuliefern und die Gläser mit den Fans zu heben.

Da „Dead Reckoning“ euer erstes Studioalbum ist, beschreibe unseren Lesern doch bitte eueren Sound und was ihn einzigartig macht.
Es ist, als ob Machine Head und Avenged Sevenfold ein Bastardkind hätten. Wir lieben es, schwere Riffs zu schmettern und dann plötzlich zu einer melodischen Atmosphäre zu wechseln. Die Einzigartigkeit kommt definitiv daher, dass wir keinen Click-Track verwenden und die Musik dadurch mehr atmen kann.

Was sind die Haupteinflüsse für die Band?
Musikalisch gesehen sind es wohl Pantera, Mastodon und Iron Maiden, um es kurz zu machen. Neunzig Prozent von allem, was wir hören, ist irgendeine Art von Metal, aber einige der Jungs haben vielleicht Motown (US-Label, das vor allem R&B-, Soul- und Pop-Alben veröffentlicht, Anm. d. Red.) als ihr Guilty Pleasure, wenn sie allein sind.

Wie kamt ihr zum Namen OCEANHOARSE und was bedeutet er?
Wir wollten etwas, das den Meeresboden (Oceanfloor, Anm. d. Red.) durchstreift und haben dann einen Schreibfehler reingebracht. Alles, was dem Wort „horse” ähnelt, hat einfach Power.

Wie funktioniert das Songwriting bei OCEANHOARSE, wie ist der gewöhnliche Ablauf bei der Entstehung eines Songs?
Nun, weißt du, es ist die altbekannte Vorgehensweise, coole Drumbeats zu Riffs zu erschaffen. Danach probieren wir Gesangsmelodien dazu aus und könnten plötzlich etwas finden. Wir verlassen uns sehr auf unsere Intuition, wenn du so willst, sind das Unfälle, die aus Ideen beim Jammen entstehen. Bemerkenswert ist noch, dass immer mehr Gesangslinien von den Jungs ins Studio gebracht werden und wir von da aus mit dem Songwriting starten.

Hast du einen Lieblingssong oder favorisierten instrumentalen Part auf dem Album?
Meine persönlichen Favoriten sind die Songs „One With A Gun“ und „Reaching Skywards“. Die beiden Tracks funktionieren so gut als Duo, dass sie jedes Mal meine Stimmung heben, wenn ich sie auf dem Album höre.

Euere Musik ist rau und live-orientiert. Ist es bereits beim Songwriting wichtig, dass jeder Song gut auf der Bühne funktioniert?
Ja, wir komponieren in einer Art und Weise, dass die Songs sogar mit unserem Vier-Mann-Orchester groß klingen. Live ist das dann nur ein klein bisschen rauer. Es ist wichtig, einen guten Mann an den Soundeinstellungen zu haben und Lautstärke hilft auch.

Ihr vermeidet Keyboards, Backing Vocals, Samples und ähnliches. Könnt ihr euch trotzdem vorstellen, Keyboards, ein Orchester oder etwas Vergleichbares zu nutzen?
Nein, wenn du Backing Tracks meinst und nicht Backing Vocals. Unser Bassist und unser Gitarrist singen und schreien tatsächlich in ihre Mikrofone, das macht die Musik noch kraftvoller.

Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine Band ein Livealbum vor einem Studioalbum veröffentlicht. Wie kam es zur Entscheidung, dass „The Damage Is Done – Live!“ euer erster großer Release wird?
Die Stimmung auf Marko Hietalas Europatournee, auf der wir für ihn eröffnen durften, war so gut und wir haben noch etwas mehr Power in unsere älteren Songs gelegt, sodass wir uns dann dazu entschieden haben, die Shows aufzuzeichnen. Als live-orientierte Band hat es sich mehr als perfekt angefühlt, zuerst ein Livealbum zu veröffentlichen.

Mit Marko wart ihr im Februar 2020 auf Tour, kurz bevor Corona kam. Wie hat das damals euere Pläne verändert?
Corona hat uns richtig dazu gepusht, dieses Album fertig zu bekommen. Zuerst haben wir natürlich das Livealbum veröffentlicht. Kurz danach aber tauchten wir in unsere heilige Krypta – ja, unser Studio ist unter der Oberfläche – um neues Material aufzunehmen und fanden es klug, die Produktion des Albums anzugehen. Wir konnten im Sommer 2020 ein paar Liveshows spielen, danach haben wir uns aber voll darauf konzentriert, neuen Metal zu jammen.

Ihr habt bereits ein paar kommende Shows in Finnland bestätigt. Habt ihr bereits weitere Pläne, euer neues Album auch in anderen Ländern live zu präsentieren?
Sobald uns erlaubt wird, vernünftig zu touren, können wir es nicht erwarten, in den Bus zu hüpfen und in den wunderschönen europäischen Städten zu spielen.

„The Damage“, „Submerged“ und „The Intruder“ waren auch auf euerem Livealbum schon dabei. Warum habt ihr euch für euer Debütalbum gerade für diese drei älteren Songs entschieden?
Das Studioalbum wird vermutlich viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, von daher war es sinnvoll, den Hörern die Studioversionen dieser Songs zu präsentieren. Wir lieben jedes dieser Stücke Musik und hatten gar keine andere Wahl, als sie aufs Album zu packen.

Auf YouTube habt ihr die Mini-Dokuserie „Road To Dead Reckoning“ gestartet. Was ist die Idee dahinter und was können wir in zukünftigen Episoden erwarten?
Es wird Material aus dem Studio und dem Backstagebereich geben, Musikvideo-Aufnahmen und so weiter. Sachen eben, die man von außen kaum sieht.

Ihr seid auf dem Soundtrack des Videospiels „Wreckfest“ vertreten. Wir kam es zu dieser Zusammenarbeit und spielst du auch selbst Videospiele?
Nein, ich spiele überhaupt keine Spiele und meide sogar Filme. Als „Wreckfest“ rauskam, hatte ich aber eine gute Zeit damit, Autos zu unseren Songs zu zerstören! Die Kooperation ist entstanden, als diese finnischen Spieleentwickler nach Liedern für ihr verrücktes Spiel gesucht haben und unser Manager den Soundproduzenten „Fading Neons“ und „The Oceanhoarse“ angeboten hat. Wir sind echt glücklich damit, dass die Tracks es in das Spiel geschafft haben!

Hast du, abgesehen vom Schreiben neuer Musik und den Aufnahmen zu “Dead Reckoning”, die konzertfreie Zeit genutzt, um dir ein neues “Corona-Hobby” zu suchen? Was hast du mit all der freien Zeit angestellt, die durch den Wegfall der Konzerte entstanden ist?
Mein Alltag hat sich, abgesehen von den Konzerten, nicht wirklich verändert. Ich höre Musik, komponiere Songs mit OCEANHOARSE, probe meine eigenen Parts und dann schlafe ich ein, während ich wieder Metal höre. Wenn ich Freizeit von OCEANHOARSE habe, übe ich normalerweise am Schlagzeug und entwickle neue Beats. Das Drumming saugt mir manchmal meine ganze Energie aus, dann liege ich nur auf dem Sofa herum und höre Metal. Es war schon immer die Musik, die meine Tage ausgefüllt hat und die Hoarse-Jungs halten mit auf mit ihren verrückten Plänen auf Trab, auch wenn keine Shows angesetzt sind. Neben der Musik habe ich also nicht wirklich irgendwelche Hobbies.

Lass uns das Interview mit unserem traditionellen Brainstorming beenden. Was fällt dir bei folgenden Begriffen zuerst ein…
“Dead Reckoning” von Threshold:
Sie navigieren die Meere, wie wir die Riffs.
Aktuelles Lieblingsalbum: Die „Wordbreather“-EP von Watery höre ich mir jede Woche an. Mein Lieblingsalbum überhaupt ist „Siamese Dream“ von den Smashing Pumpkins.
Old school: ZZ Top.
Streaming: Ein bisschen Einkommen.
Bücher: Stephen King.
Etwas, das jeden schlechten Tag besser macht: Kaffee und noch mehr Kaffee.
Deutschland: Fühlt sich an wie zu Hause, da ich die Sprache liebe und einige Zeit dort verbracht habe.
OCEANHOARSE in 10 Jahren: Drei oder vier veröffentlichte Studioalben und zehntausende Konzertbesucher unterhalten.

Danke dir nochmal für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir, möchtest du unseren Lesern noch etwas sagen?
Always look at the metal side of life and drink coffee.

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