CD-Review: Paradise Lost - Icon

Besetzung

Nick Holmes - Gesang
Gregor Mackintosh - Gitarre
Aaron Aedy - Gitarre
Stephen Edmondson - Bass
Matthew Archer - Schlagzeug

Tracklist

01. Embers Fire
02. Remembrance
03. Forging Sympathy
04. Joys Of The Emptiness
05. Dying Freedom
06. Widow
07. Colossal Rains
08. Weeping Words
09. Poison
10. True Belief
11. Shallow Seasons
12. Christendom
13. Deus Misereatur


Manchmal ist es einfach, manchmal nicht. Manchmal kann man genau sagen, mit welchem Album eine Band den Durchbruch geschafft hat, hin und wieder ist es aber diskutabel. Selten wird die Debatte darüber so leidenschaftlich geführt wie im Falle von  PARADISE LOST. Sind sie nun mit „Icon“ oder „Draconian Times“ groß herausgekommen? Für beide Platten gibt es gute Gründe, dies zu behaupten, einige für erstere sollen im Folgenden aufgeführt werden.

„Icon“ war die erste Veröffentlichung der Briten, die sie wirklich weg vom Death Metal der ersten Jahre geführt hat. Das Album legte zumindest den Grundstein für den Gothic Metal an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, für den Nick Holmes und Co sicher sehr wichtige Wegbereiter waren. Natürlich gab es die Elemente spätestens ab „Shades Of God“ und der Vorgänger dafür war ja schon schlicht mit „Gothic“ betitelt worden. Dennoch, jetzt hatte die Band sich endlich gefunden. Weg von rumpelnden Sounds mit engagierten, aber teilweise doch etwas blassen Riffs, hinfort mit growlendem Gesang, den – und da muss man auch bei einem großartigen Sänger wie Nick Holmes ehrlich sein – andere einfach besser beherrschen. Sturm und Drang sind schön und gut, aber die Qualität sollte dann doch stimmen.
Auf „Icon“ besann man sich dann bisher unbekannter Stärken. Die Gitarren agierten weitaus melodischer, das Schlagzeug spielte deutlich akzentuierter, Nick sang beinahe durchgehend klar und das Songwriting zielte mehr auf düstere Atmosphäre als auf fiese Attacken ab. Keyboards bekamen mehr und mehr Raum und trotz allem ging nichts von der Heaviness verloren. Eher im Gegenteil, irgendwie wurden PARADISE LOST mit „Icon“ erwachsen und dadurch nahm man richtig ernst. Die Band traute sich, mit Konventionen zu brechen und das rechnete man ihnen hoch an, anstatt sie fallen zu lassen.
Und so wurde „Icon“ ein Album, welches man sich gut von vorne bis hinten anhören kann. Hier und da trifft man auf einen kleinen Hit, das eröffnende „Ember`s Fire“ wäre da zu nennen, auch „True Belief“, mittlerweile sicher einer der Klassiker schlechthin. Insgesamt ist die Dichte der wirklich hervorragenden Songs aber zu gering. Immer wieder schleichen sich ein paar Längen ein, zumindest aus heutiger Sicht der Dinge. Es mangelt prinzipiell guten Liedern an Wiedererkennungswert, aber wie man inzwischen weiß, hat man auf „Draconian Times“ an der richtigen Schraube gedreht.

Und so ist auch das Fazit. Ohne „Icon“ wäre der Durchbruch nicht möglich gewesen, wirklich realisiert haben ihn PARADISE LOST aber erst mit „Draconian Times“, bei dem es von vorne bis hinten stimmte. Dennoch ist „Icon“ beileibe kein schlechtes Album, benötigt aber schon etwas Zeit und nimmt sich die angesprochenen Auszeiten. In einer PARADISE-LOST-Diskographie darf es aber ebenso wenig fehlen wie in jeder halbwegs sortierten Plattensammlung.

Bewertung: 8 / 10

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