Review Paradise Lost – The Lost And The Painless

PARADISE LOST wissen, wie man eine Pandemie überbrückt. Glaubt ihr nicht, dann schaut euch deren Veröffentlichungspolitik in den letzten beiden Jahren an: Nach einem regulären Studioalbum („Obsidian“) gab es den obligatorischen Streaming-Gig mitsamt Nachverwertung. Dazu die Auswertung eines alten Live-Gigs („Live At Roadburn 2016″). Zu guter Letzt erschienen mit „Paradise Lost“, „Symbol Of Life“ und „Gothic“ etliche (Wieder-)Veröffentlichungen auf Vinyl. Hier reiht sich nun „The Lost And The Painless“ ein – denn darauf gibt es kaum Neues zu sehen und hören.

Auf sechs CDs plus DVD bekommt man für sein Geld viel Bekanntes. Die beiden Demos der Briten, das Debütalbum „Lost Paradise“, das wegweisende „Gothic“ und die lieblos nachgeschobene „Gothic EP“. Alles von Haus-und-Hof-Produzent Jaime Gomez Arellano neu gemastert. Stehen diese Werke noch nicht im Regal und interessiert man sich für die Frühphase der Gothic-Metal-Helden, gibt es diese Releases also in einem etwas aufgehübschten Sound-Gewand. Darüber hinaus finden sich auf den beiden restlichen Scheiben des Audio-Teils zwei Live-Mitschnitte, die es bislang nur auf VHS zu bestaunen gab. Dabei ist „Live Death“ eine Kombination zweier Gigs aus Bradford und Liverpool aus dem Jahr 1989. Auf „Live In Ludwigsberg“ sind PARADISE LOST auf ihrer „Gothic“-Tour 1991 zu hören. Beides sind historisch gesehen sicher interessante Dokumente, gemessen an heutigen Qualitätsstandards haben sie jedoch lediglich Bootleg-Charakter. Ein differenziertes Soundbild sucht man hier genauso vergeblich wie eine abwechslungsreiche Setlist – was der geringen Anzahl an Songs zum Zeitpunkt der Aufnahmen zuzuschreiben ist.

Gleiches gilt für die DVD: Auf einem höherwertigen Medium wäre das minderwertige Ursprungsmaterial noch mehr ins Gewicht gefallen. Hier schlägt Quantität Qualität. Mit „Live Death“, „On Tour With Autopsy”, „The Lost Tapes” und „Live In Berlin 1991” gibt es vier Konzertmitschnitte. Jedoch kommen alle nicht über das Niveau von Amateuraufnahmen hinaus. Zudem gibt es auf den einschlägigen Video-Portalen Auftritte der Band aus diesem Zeitraum in vergleichbarer Qualität und für weniger Geld.

Bleibt noch das Hardcover-Buch, in das die Medien eingebettet sind. In diesem skizziert Musikjournalist Nick Ruskell auf 92 Seiten, passend zu den audiovisuellen Bestandteilen der Veröffentlichung, die Anfangstage der Band. Sänger Nick Holmes und Gitarrist Greg Mackintosh tragen die Retrospektive, die von damaligen Weggefährten ergänzt wird. Peaceville-Gründer Paul Halmshaw darf hier genauso wenig fehlen wie Barney Greenway von Napalm Death und My-Dying-Bride-Sänger Aaron Stainthorpe. In diesem Rückblick bekommt der Fan noch einmal ein anderer Blickwinkel auf eine Geschichte, die in der Band-Biografie „No Celebration“ eigentlich schon erzählt wurde.

Unterm Strich bietet „The Lost And The Painless“ so zwar viel, dabei aber wenig wirklich Neues. Alle Teile dieses Sets gab es so oder so ähnlich schon einmal zu hören, sehen oder lesen. Auch verhindert der hohe Preis der Zusammenstellung die Empfehlung für Neulinge oder für diejenigen, die gerne die ersten beiden Alben der Band geremastert hören möchten. Hier sollten nur Komplettisten zugreifen, die jede Veröffentlichung ihrer Lieblinge im Schrank stehen haben möchten.

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